FUSSBALL: Liga unterwegs auf einer Schnellstrasse

Fast die Hälfte der Teams verschwindet jedes Jahr aus der 2. Liga regional. Die Trainer dieser Klubs machen sich für eine Aufstockung von 12 auf 14 Mannschaften stark.

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2. Liga regional: Der FC Kickers mit Eloy Aneas (am Ball) liefert sich mit dem FC Littau (blaues Dress) ein Rennen um den Aufstieg in die 2. Liga inter. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

2. Liga regional: Der FC Kickers mit Eloy Aneas (am Ball) liefert sich mit dem FC Littau (blaues Dress) ein Rennen um den Aufstieg in die 2. Liga inter. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

René Barmettler

Drei steigen ab, zwei steigen auf, unsere 2. Liga regional ähnelt einer Schnellstrasse mit Ausfahrten «2. Liga inter» und auf der Gegenspur «3. Liga». Dass in einer Zwölferliga Jahr für Jahr fünf Mannschaften verschwinden, ist wegen des Quotienten von 41,6 Prozent weltrekordverdächtig. Sieben Vereine, die in der Saison 2012/13 noch in der höchsten regionalen Liga dabei waren, sind inzwischen nicht mehr da zu finden. Auch in diesem Frühsommer werden drei Teams absteigen müssen. Drei sind das Maximum, nicht vier, wie kürzlich in unserer Zeitung vermeldet wurde. «Es ist komisch: Ursprünglich sollte die 2. Liga inter an Stelle der unseren die Rolle als Durchgangsliga nach oben spielen», sagt Emanuel Willi, der langjährige Trainer des FC Kickers Luzern. «Als Trainer ist es schwierig geworden, du hast nie Ruhe. Ägeri zum Beispiel zeigte eine gute Vorrunde und ist jetzt trotzdem im Abstiegskampf wieder zu finden.»

Willi schlägt als Beruhigungslösung eine Aufstockung auf 14 Mannschaften vor. Der aargauische Fussballverband wie auch der Verband Region Zürich (zwei 14er-Gruppen) kennen diesen Modus bereits, dort aber steigt jeweils nur ein Team in die 2. Liga inter auf.

Es fehlt ein gesundes Mittelfeld

Eine Umfrage unter den Trainern der hiesigen 2. Liga regional hat ergeben, dass der Vorschlag einer 14er-Liga offene Türen einrennt. «Für die Entwicklung und Integration junger Spieler wäre dies von Vorteil, da man nicht sogleich im Abstiegs- oder Aufstiegskampf verwickelt ist. Ein gesundes Mittelfeld könnte sich entwickeln», sagt etwa André Muff, Trainer des SC Emmen. Die vier zusätzlichen Spiele empfände er nicht als Belastung: «Die Saison würde problemlos zwei weitere Wochen vertragen. Fussball im Juni bei angenehmen Temperaturen, was will man mehr?» In dieser Zeit finden bekanntlich die Aufstiegsspiele 3./2. Liga statt.

Aufbau von Jungen ist schwierig

In eine ähnliche Kerbe schlägt Saba Velic, Trainer des FC Perlen-Buchrain: «Ich bin der Auffassung, dass die momentane Situation unbefriedigend ist und die 2. Liga nicht wirklich attraktiv macht. Wenn man bereits vor der Saison mit einem Fuss im Abstiegskampf steht, erschwert es natürlich die Arbeit eines jeden Trainers enorm.» Auch Fide Fässler, Trainer des FC Brunnen, spricht Klartext: «Ein Aufbau mit jungen Spielern, so wie es jetzt ist, wird sehr erschwert, weil man zu wenig Zeit hat und dauernd unter Erfolgsdruck steht. Ich bin der Meinung, dass über diese Situation unbedingt nachgedacht werden muss, und finde den Vorschlag einer 14er-Liga als sehr prüfenswert.» Andy Grüter, Buttisholz-Spielertrainer, geht sogar noch weiter: «Aus meiner Sicht würde es auch reichen, wenn nur der Gruppenerste aufsteigt. Wichtig wäre einfach, dass bereits Anfang Saison klar ist, wie viele Mannschaften absteigen müssen.» Micha Egli, Trainer SC Obergeissenstein, stellt das Prestige dieser Liga in Frage. «Seit ich als Trainer in der 2./3. Liga tätig bin, finde ich diese 12er-Liga zu klein. Für mich ist es befremdend, wenn eine Mannschaft beispielsweise zwei Runden vor Schluss auf einem Abstiegsplatz steht und mit zwei siegreichen Spielen zum Saisonende den 6. Platz belegt.» Zenun Selimi, Trainer Kickers Luzern, wünscht sich die zusätzlichen Spiele einer 14er-Liga. «Je zwei Monate Vorbereitungszeit im Sommer wie im Winter stehen derzeit in keinem Verhältnis zur Dauer einer Vor- und Rückrunde.»

Verband will 14er-Liga prüfen

Die Zürcher und Aargauer wissen bereits zu Beginn einer Spielzeit, dass drei Teams die Liga nach unten zu verlassen haben. Der Innerschweizerische Fussballverband (IFV) kann über den Modus Abstieg aus der 2. Liga inter und die Anzahl Aufsteiger dorthin nicht mitbestimmen das regelt der Amateurverband –, wohl aber die Abstiegsmodalität in die 3. Liga und eine Vergrösserung der Liga. Markus Berwert, IFV-Leiter Wettspielbetrieb, teilt auf Anfrage mit: «Wir sind selbstverständlich für alle Verbesserungen offen. Auch intern führen wir immer wieder Diskussionen, wie wir die ganze Angelegenheit attraktiver machen könnten. Dabei ist auch die Möglichkeit einer 14er-Liga eine Variante. Modalitätsänderungen brauchen immer ihre Zeit, und eine Neuausrichtung wäre frühestens auf die Saison 2016/17 möglich.»

Die Klubs müssen sich also mindestens eine weitere Saison gedulden. Bis dahin bleibt unsere höchste regionale Liga eine Schnellstrasse mit flüssigem Verkehr in Richtung beide Ausfahrten.