FUSSBALL: Marco van Basten flirtet mit dem «25-Meter-Penalty»

Nach dem Beschluss der 48er-WM macht sich Marco van Basten, Technischer Direktor des Weltverbandes Fifa, Gedanken, wie der Fussball attraktiver werden kann.

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«Jede Mannschaft hat fünf Versuche. Der Spieler läuft aus 25 Metern auf den Torwart zu. Innerhalb von acht Sekunden muss die Aktion abgeschlossen sein», sagt van Basten. (Bild: Walter Bieri / Keystone (Zürich, 9. Januar 2017))

«Jede Mannschaft hat fünf Versuche. Der Spieler läuft aus 25 Metern auf den Torwart zu. Innerhalb von acht Sekunden muss die Aktion abgeschlossen sein», sagt van Basten. (Bild: Walter Bieri / Keystone (Zürich, 9. Januar 2017))

Die Mega-WM war erst der Anfang: Nach der historischen Entscheidung für 48 Teams ab der Endrunde 2026 werkelt die Fifa an noch viel gravierenderen Reformen. Bald könnten die WM-Spiele im sogenannten Shoot-out statt im Penaltyschiessen entschieden und Fouls mit Zeitstrafen statt mit gelben Karten sanktioniert werden – darüber denkt zumindest der neue Technische Direktor der Fifa nach. «Das Spiel soll ehrlicher, dynamischer und interessanter werden», sagt der Niederländer Marco van Basten, der Ende September von Fifa-Präsident Gianni Infantino zum «Leitenden Beauftragten für Technische Entwicklung» ernannt worden war. «Den Fussball weiterzuentwickeln, ist gut, jedoch sollten das Spiel und der Spielfluss nicht darunter leiden und nicht grundlegend verändert werden», meint van Basten auch.

Vergangene Woche hatte sich die Fifa aber selbst unter Zugzwang gesetzt. Die Mega-WM 2026 wird nämlich in 16 Dreiergruppen gespielt – die Gefahr, dass es im letzten Vorrundenspiel zu Mauscheleien kommt, steigt dadurch deutlich. «Spielt eine Mannschaft zum Beispiel 0:0 gegen einen Gegner und 1:0 gegen den anderen, ist das Risiko gross, dass am Ende alle drei Mannschaften punktgleich sind und das gleiche Torverhältnis haben», sagte van Basten. Eine mögliche Lösung: Bei einem Unentschieden geht es ins Penaltyschiessen – oder eben in ein Shoot-out, was vor Jahrzehnten zu Zeiten von Franz Beckenbauer bei Cosmos New York Ende der 1970er-Jahre schon einmal in der US-Liga praktiziert wurde.

«Jede Mannschaft hat fünf Versuche. Der Spieler läuft aus 25 Metern auf den Torwart zu. Innerhalb von acht Sekunden muss die Aktion abgeschlossen sein», erklärt van Basten: «Der Torhüter darf den Strafraum nicht verlassen, wenn er pariert, ist es vorbei.»

Das sei «spektakulär für die Zuschauer», sagte der 52-Jährige, dem beim Penaltyschiessen im EM-Halbfinal 1992 gegen Dänemark (2:2, 4:5 n. P.) die Nerven versagt hatten. Der angreifende Spieler habe mehr Möglichkeiten. «Er kann dribbeln, schiessen, abwarten, wie der Torwart reagiert – das ähnelt mehr einer typischen Spielsituation», sagt van Basten.

Selbst die Abseitsregel ist nicht mehr sicher

Zeitstrafen statt gelber Karten stehen auch zur Diskussion. «Von einer gelben Karte für den Gegenspieler hast du als angreifende Mannschaft wenig», sagte van Basten: «Eine Idee ist, die gelbe Karte durch eine Zeitstrafe von fünf oder zehn Minuten zu ersetzen. Das schreckt ab. Es ist doch schwieriger mit 10 gegen 11, geschweige denn mit 8 oder 9.»

Auf der Agenda stehen unter anderem auch Ideen zur Verhinderung der Rudelbildung, der maximalen Anzahl an Fouls und sogar zur Abschaffung des Abseits. Aber, «ich fürchte, viele Leute werden dagegen sein», meinte van Basten.

 

Jan Mies, SID/Frankfurt

sport@luzernerzeitung.ch

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