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FUSSBALL: Meister des attraktiven Calcio

Luzerns Europa-League-Gegner Sassuolo gehörte in der letzten Saison zu den Überraschungsteams der Serie A. Trainer Eusebio Di Francesco zählt zu den trendigsten Vertretern seiner Gilde.
Lukas Plaschy, Rom
Eusebio Di Francesco wird auch wegen seiner modischen Eleganz geschätzt. (Bild: Getty/Nicolo Campo)

Eusebio Di Francesco wird auch wegen seiner modischen Eleganz geschätzt. (Bild: Getty/Nicolo Campo)

Lukas Plaschy, Rom

Als Spieler war Eusebio Di Francesco kein «Poster-Boy» der Teenager. Zwar bestritt der aus der adriatischen Hafenstadt Pescara stammende Mittelfeldspieler für die AS Roma 168 Spiele, gewann 2001 mit den «Giallorossi» die Meisterschaft und brachte es auf 13 Länderspiele für Italien. Doch bei den Römern gehörte die Rolle des Publikumslieblings bereits damals dem blutjungen Francesco Totti. Di Francesco besass auch nicht das Repertoire, um das Stadion mit Kabinettstücken zu begeistern, obwohl ihm sein Vater den Vornamen Eusebio als Hommage an den grossen portugiesischen Star der 1960er-Jahre gegeben hatte. Vielmehr verkörperte Di Francesco als leidenschaftlicher Kämpfer den Typen «Herz und Lunge».

Als Trainer gehört der heute 47-Jährige aber momentan zu den trendigsten Vertretern seiner Gilde. Man schätzt seine Nüchternheit und Gelassenheit im Umgang mit der Presse, den sprichwörtlichen italienischen Charme und die modische Eleganz. Vor allem aber lässt Di Francesco sein Team attraktiven Calcio spielen. Dies in einer Liga, wo oft nur das Resultat zählt und die Kleinen mit elf Mann in der eigenen Platzhälfte mauern.

Von Zeman beeinflusst

Wenn Di Francescos Elf angreift, erinnert der Stil an Zdenek Zeman. Der Tscheche war von 1997 bis 1999 Di Francescos Trainer und Inspirationsquelle. Das Credo des wortkargen Osteuropäers lautet: «Schiess immer ein Tor mehr als der Gegner». Das bescherte seinen Mannschaften oft spektakuläre Siege, aber auch hohe Kanterniederlagen. In Lugano können sie davon ein Lied singen.

Di Francesco hingegen ist zwar von der zemanschen Philosophie beeinflusst, legt jedoch anders als der «Maestro» genauso viel Wert auf die Defensivarbeit. Damit folgt Di Francesco der von Sacchi, Capello oder Lippi inspirierten italienischen Schule. In Sassuolos 4-3-3 preschen die Aussenverteidiger über die Flügel nach vorne und sorgen für Überzahl. Die drei Stürmer und die Mittelfeldspieler betreiben ein konstantes Pressing, machen die Räume eng, um dann bei Balleroberung schnell nach vorne zu spielen. «Der Ball muss vertikal gespielt werden, in die Tiefe des Raumes», erklärt Di Francesco. Einfacher gesagt: Sassuolo greift europäisch an und verteidigt italienisch. Dank dieser Spielweise qualifizierte sich die erst 2013 in die Serie A aufgestiegene Mannschaft in der abgelaufenen Saison erstmals für die Europa League und liess dabei einen Grossclub wie die AC Milan hinter sich.

Während in der Startelf diverser Serie-A-Vereine nicht ein einziger Italiener figuriert, finden sich im Kader der Emilianer fast ausschliesslich einheimische Spieler. Captain Francesco Magnanelli ist gar seit 2006 dabei, als der Verein noch in der vierthöchsten Liga kickte. Einzige Legionäre sind der Ghanaer Duncan und der Franzose Defrel.

Entlassen und wieder eingestellt

Ins Rampenlicht rückte der 1920 gegründete Club im Jahre 2008, als der heutige Juventus-Coach Massimiliano Allegri die «Unione Sportiva Sassuolo Calcio» in die Serie B führte. Di Francesco, der zuvor bei Lanciano, Pescara und Lecce erste Trainererfahrungen gemacht hatte, stieg dann mit den «Neroverdi» 2013 erstmals in die höchste Spielklasse auf. Im Januar 2014 wurde er nach einer Niederlagenserie entlassen. Weil aber sein Nachfolger Alberto Malesani in fünf Spielen ebenso oft verlor, holte Besitzer Giorgio Squinzi seinen Aufstiegstrainer wieder zurück, und Sassuolo verblieb in der Serie A. Später bezeichnete der Patron die Freistellung seines Coaches als «grössten Fehler meines Lebens». Di Francesco meinte lapidar: «An Misserfolgen wächst man.»

Berlusconi einen Korb gegeben

Bei der AC Milan und beim italienischen Fussballverband dachte man in der Vergangenheit bereits mehrmals an ihn. Das Interesse der Mailänder lehnte Di Francesco dankend, aber bestimmt, ab. «Ich wechsle nicht zu einem Verein, in dem Chaos herrscht.» Stattdessen wurde sein Vertrag unlängst bis 2019 verlängert. Die Strukturen in der 40 000 Einwohner zählenden Kleinstadt sind optimal. Der 73-jährige Eigentümer Squinzi, studierter Chemiker, Firmenchef von Mapei und Präsident des italienischen Arbeitgeberverbandes Confindustria ist ein einflussreicher und vermögender Mann. Sein Vater Rodolfo, der die Baufirma in den 1930er-Jahren gegründet hatte, war einst selber Radprofi, und Mapei alimentierte jahrelang ein eigenes Radprofiteam. «Unser Ziel ist es, langfristig zu den fünf besten Vereinen der Serie A zu gehören», sagt Squinzi.

Auf die Premiere in der Europa League gegen den FC Luzern hat sich Sassuolo gut vorbereitet. Im letzten Testspiel zum Abschluss des 13-tägigen Trainingslagers im Südtirol schlug man das viertklassige Castelvetro gleich mit 8:0.

Hinweis

Das Hinspiel findet am Donnerstag in der Swissporarena statt. Anpfiff ist um 19.45 Uhr. Tele 1 überträgt das Rückspiel am 4. August live.

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