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Mit letzter Kraft zurück in die Super League – nach zwei Jahren steigt GC wieder auf

Ein 2:1-Minisieg gegen Kriens reicht den Grasshoppers, um wieder zur Schweizer Elite zu gehören. Präsident Sky Sun gibt ein kühnes Versprechen. Die Fans feiern derweil draussen vor dem Letzigrund mit Raketen und Gesängen.

Etienne Wuillemin
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GC-Fans vor dem Letzigrund während des Spiels GC-Kriens. Sie feiern den bevorstehen Aufstieg bereits vor dem Schlusspfiff. Die Polizei lässt sie gewähren.

CH Media

Um 21:55 Uhr fällt alle Last von den GC-Schultern. Nach zwei Jahren in der Challenge League ist der Aufstieg in die Super League Tatsache. Der 2:1-Minisieg gegen Kriens reicht für Rang 1. Draussen vor dem Stadion Letzigrund haben sich etwa 1000 Fans versammelt. Schon während des ganzen Abends zünden sie Feuerwerk. Nun legen sie noch einmal einige Schippen drauf. Es ist eine Feier, als hätte es Corona nie gegeben.

Die Grasshopper jubeln mit dem Pokal nach ihrem Sieg und Aufstieg in die Super League mit den Fans.

Die Grasshopper jubeln mit dem Pokal nach ihrem Sieg und Aufstieg in die Super League mit den Fans.

Keystone

Auf dem Rasen umarmen sich die GC-Spieler, jubeln zumindest einige Momente lang hemmungslos. Sie haben sich T-Shirts mit der Aufschrift «Die Hoppers sind wieder da» übergezogen. In ihren Gesichtern ist die pure Erleichterung zu erkennen. Natürlich, schliesslich holte der Schweizer Rekordmeister aus den letzten vier Spielen nur einen einzigen Punkt, war nahe dran, den Aufstieg erneut zu verspielen. Es wäre die Höchststrafe gewesen.

Die Grasshoppers sind nach Schlusspfiff ziemlich erleichtert.

Die Grasshoppers sind nach Schlusspfiff ziemlich erleichtert.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Dusche für Trainer Kadar und viele offene Fragen

Der gefeierte Mann heisst Zoltan Kadar. Er ist der Trainer, der das Team für die letzten beiden Spiele übernommen hat, als es plötzlich zu straucheln begann. Vor zehn Tagen war das. Die Entlassung von João Carlos Pereira hat hat den gewünschten Effekt also erzielt. Dass Kadar über den Sommer hinaus Cheftrainer bleibt, ist allerdings höchst unwahrscheinlich. Als er für die TV-Kameras den Abend analysieren will, wird er von seinen Spielern kollektiv geduscht.

Die Dusche für den gefeierten Trainer Zoltan Kadar.

Die Dusche für den gefeierten Trainer Zoltan Kadar.

Marc Schumacher / freshfocus

Szenenwechsel. In Wil hat der FC Thun zwar seine Pflicht erfüllt, 2:1 gesiegt. Doch am Ende fehlt eben doch ein Punkt auf GC. Doch die Hoffnung ist noch nicht verloren. Via Barrage streben die Thuner den direkten Wiederaufstieg nach einem Jahr zweiter Klasse an. Entweder Vaduz oder Sion heisst der Gegner (Barrage-Spiele am 27. und 30 Mai). An der Mittellinie versammelt Thun-Trainer Carlos Bernegger seine Spieler nach diesem aufwühlenden Abend. Er hält eine flammende Rede. Die Message: Noch ist nichts verloren. In der Tat: Im Vergleich zur Barrage vor einem Jahr kann Thun nun vor allem etwas gewinnen.

Bleibt zuversichtlich: Thun-Trainer Carlos Bernegger.

Bleibt zuversichtlich: Thun-Trainer Carlos Bernegger.

Daniela Frutiger/Freshfocus / Daniela Frutiger/freshfocus

GC und die Party für eine Nacht – was plant Sky Sun?

Zurück nach Zürich. Gut 20 Minuten nach Spielende erhalten die Grasshoppers den Pokal für den geglückten Aufstieg. Derweil hat auch Präsident Sky Sun den Weg vor die Mikrophone gefunden. Und was er sagt, das tönt nach einem ziemlich kühnen Versprechen. «Wir haben grosse Ambitionen in der nächsten Saison. Wir werden immer stärker und stärker. Und darum werden wir auch in der Super League sehr konkurrenzfähig sein.»

GC-Präsident Sky Sun will den Verein auch in der Super League an der Spitze etablieren.

GC-Präsident Sky Sun will den Verein auch in der Super League an der Spitze etablieren.

Ennio Leanza / KEYSTONE

Ja, die Frage ist tatsächlich: Welche Rolle kann dieses GC ab Sommer spielen? Zunächst einmal ist der Aufstieg alles andere als souverän erfolgt. Nur braucht das ab sofort niemanden mehr zu kümmern. Schon gar nicht interessieren sich die Chinesen um Fosun, die GC mit ihrem Geld tüchtig alimentieren, für die Vergangenheit. Sie werden alles daran setzen, in den nächsten Wochen eine kompetitive Mannschaft zusammenzustellen. Aller Voraussicht nach werden erneut einige Spieler aus Wolverhampton den Weg zu den Grasshoppers finden.

Sehr viele Akteure der aktuellen GC-Mannschaft werden in der Super League kaum zu sehen sein. Und auch die Frage, ob mit dieser Strategie genügend Identität gestiftet werden kann, scheint der aktuellen Führung eher zweitrangig. Doch solange die Resultate stimmen, werden die kritischen Stimmen nicht überhand nehmen. Das gilt auch für die nächste Saison.

Das Spiel? Ein Krampf! Wichtig? Nein! Petar Pusic ist erleichtert.

Das Spiel? Ein Krampf! Wichtig? Nein! Petar Pusic ist erleichtert.

Marc Schumacher / freshfocus

Das Schlusswort gehört Petar Pusic. Er, der trotz seiner erst 22 Jahren so etwas wie die letzte verbliebene GC-Identifikationsfigur ist, sagt mit heiserer Stimme und spontan blau gefärbten Haaren: «Der Abend war ein Krampf. Aber für einmal ist mir das egal.» Dann schnappt er sich den Pokal und führt sein Team nach draussen. Zu den Fans. Ganz nach dem Motto: Gelitten ist genug, ein paar ausgelassene Stunden dürfen es schon sein. Die Raketen knallen weiter.

Lange schaute die Polizei dem Treiben auf den Zürcher Strassen zu. Kurz nach 23:00 Uhr setzte sie dann aber doch noch Wasserwerfer ein, um die Massen zu trennen.

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