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FUSSBALL: Mit Puljic sprach Frei nur fünf Minuten

Tomislav Puljic (31) hat den FC Luzern während vier Jahren mitgeprägt. Für ihn geht am Sonntag (16.00 Uhr) gegen Thun «eine schöne Zeit» zu Ende. Dissonanzen mit Alex Frei drängt er an den Rand.
Daniel Wyrsch
Tomislav Puljic bedankt sich für eine schöne Zeit beim FCL. (Bild: Keystone / Laurent Gillieron)

Tomislav Puljic bedankt sich für eine schöne Zeit beim FCL. (Bild: Keystone / Laurent Gillieron)

Es ist die letzte Medienkonferenz vor einem FCL-Match mit Tomislav Puljic. Der grosse Innenverteidiger ist in Luzern noch einmal ein gefragter Mann. Für die Boulevardzeitung «Blick» muss er einen Fragebogen ausfüllen. Er kreuzt unter anderem die Antwort an: «Mit Alex Frei würde ich nie in die Ferien gehen.» Die Aussage bringt das Verhältnis zum Luzerner Sportchef mit einer Prise Humor auf den Punkt.

Puljic ist zwar gross und kräftig gebaut, er kann bisweilen grimmig in die Welt schauen, aber er ist ein positiv denkender, freundlicher Zeitgenosse. Auch wenn er menschlich enttäuscht ist von Frei, der mit ihm in mehr als einem Jahr der Zusammenarbeit nur fünf Minuten gesprochen habe, wünscht er dem FCL-Sportchef für die Zukunft nur Gutes. Dem 31-jährigen Kroaten ist es ein Anliegen, dass er am Sonntag nach dem Spiel gegen Thun mit einem guten Gefühl aus der Swissporarena treten kann.

Yakin und Frei gegen Puljic

«Alex Frei hat entschieden und mir mitgeteilt, dass ich keinen neuen Vertrag erhalte. Das muss ich akzeptieren, es ist ein Teil des Fussballgeschäfts.» Für Sentimentalitäten gibt es keinen Platz. Obwohl Puljic immer wieder betont, wie gerne er für diesen FCL spiele, wie viel ihm die Stadt Luzern und die Region bedeute, wo seine beiden Kinder Zara (31/2 Jahre) und Dominik (21/2) geboren wurden. Er hat zahlreiche Fans hinter sich gehabt, denen die Präsenz und Kopfballstärke des 1,92 Meter grossen Abwehrchefs imponiert hat. Als Murat Yakin in der Saison 2011/12 hier Trainer war, kam erste Kritik an Puljic auf. Er ist sicher kein Feintechniker, und es gibt beweglichere, schnellere Abwehrspieler. Doch Puljic stand immer wieder seinen Mann. So beispielsweise im Cupfinal 2012 gegen den FC Basel mit Alex Frei. Der Rekordtorschütze des Nationalteams und Marco Streller bekamen in 120 Minuten gegen das Duo Puljic/Florian Stahel keine Torchance. Dafür Puljic: Er glich mit einem spektakulären Kopfball zum 1:1 aus.

Einen Profi mit diesen physischen Vorzügen dürften sie ab Sommer in Luzern vermissen. Puljic will seinen Nachfolgern nichts Schlechtes wünschen. «Wenn der Start in die neue Saison gelingt, wird es für den FCL gut kommen. Die Mannschaft hat mit Carlos Bernegger einen Trainer, der sein Metier versteht und gute Arbeit leistet.»

Er hat Bernegger verziehen

Puljic hat dem manchmal etwas verrückten, heissblütigen Südamerikaner die Beleidigung von St. Gallen verziehen. Damals passierte ihm nach 17 Sekunden das wohl schnellste Eigentor der Klubgeschichte – und Bernegger meinte nach dem 1:1-Ausgleich mit dem Schlusspfiff, er habe einen Spieler, der fussballerisch nicht für die Super League tauge. Einen Schützling in der Öffentlichkeit auf diese Weise an den Pranger zu stellen, gehört sich nicht. Puljic differenziert, findet trotz diesem verbalen Tiefschlag, dass Bernegger «ein guter Mensch» sei. Es spricht für die charakterliche Klasse des kompromisslosen Verteidigers.

Derzeit läuft es Puljic auf dem Platz so wenig berauschend wie der ganzen Mannschaft. Das 1:4 bei GC vom Donnerstag steckt ihm und den Teamkollegen noch in den Knochen. «Mit dem 0:3 nach neun Minuten war der Match gelaufen», sagt er. «Doch wir schauen vorwärts, am Sonntag können wir mit einem Sieg gegen Thun die Qualifikation zur Europa League schaffen. Mit dem Halbfinaleinzug im Cup wäre es dann eine sehr gute Saison für uns gewesen.»

Der Dank an Fringer und Stierli

Seiner Ansicht nach wäre es der Abschluss einer für den Klub wie für ihn persönlich sehr erfolgreichen Zeit. «In vier Saisons beim FCL spielten wir dreimal an der Spitze mit, nur letztes Jahr ist es etwas schlechter gelaufen.»

Ein besonderes Dankeschön möchte er seinem ersten Trainer beim FCL, Rolf Fringer (57), und dessen Staff aussprechen. «Rolf gab mir die Chance, hier zu spielen. Unter ihm zeigten wir spektakulären Fussball.» Nicht vergessen hat Puljic seinen kroatischen Freund Hans Kodric (68), der ihn im Sommer 2010 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Luzern zum Probetraining brachte «und mir hier immer zur Seite gestanden ist». Neben dem früheren Profitrainer gilt der spezielle Dank von Puljic auch dem früheren FCL-Präsidenten Walter Stierli (66). «Er gab mir den ersten Kontrakt, verlängerte später mit mir und unterstützte mich stets. Ich weiss, wie schade er es findet, dass ich bald nicht mehr für Luzern spiele.»

Puljic verspricht: «Ich komme als Tourist wieder nach Luzern zurück. Der FCL und seine tollen Fans werden immer in meinem Herzen sein.» Wo er mit seiner Familie hinzieht, weiss er noch nicht. Es gebe einige Angebote, aber spruchreif sei noch nichts. Zurück nach Kroatien wolle er nicht gehen. «In der Schweiz bleiben oder sonst wohin ins Ausland gehen» ist sein Plan.

Nie verletzt – und am Ende doch?

Mit dem 126. Super-League-Spiel verabschiedet sich Puljic vom FCL, für den er zwölf Meisterschaftstore schoss. Verletzt war er während vier Saisons nie. Doch ausgerechnet vor dem letzten Match zwickt es in der Wade. «Es ist schmerzhaft. Natürlich versuche ich alles, damit ich gegen Thun dabei bin und wir als Team für ein Happy End der Saison sorgen können.»

Fehlen werden dem FCL mit Sicherheit Jahmir Hyka und Dimitar Rangelov, die beide unter Knieverletzungen leiden.

Titel

Hier kommt der Text

Nachgefragt bei Alex Frei, Sportchef des FC Luzern:

Verstehen Sie die Zukunftsängste?

Alex Frei, Dimitar Rangelov ist der Meinung, die Mannschaft habe durch den zu radikalen Umbruch die hervorragende Ausgangslage mit dem Cup-Halbfinaleinzug und Platz 2 zur Saisonhälfte leichtsinnig verspielt.

Alex Frei: Die Mannschaft ist seit vier Jahren zu 80 Prozent in dieser Konstellation zusammengesetzt. Seit vier Jahren passiert – mit einer Ausnahme – in der Rückrunde das Gleiche. Darum, glaube ich, müssen wir die Ursache für den Einbruch nicht beim Umbruch suchen.

Der Vorwurf steht im Raum, dass Sie als Sportchef nicht auf Rangelov zugekommen sind, um die Vertragsangelegenheit mit der Option zu lösen.

Frei: Zusammen mit Ex-Präsident Mike Hauser, Ex-CEO Thomas Schönberger und dem neuen Präsidenten Ruedi Stäger haben wir mehrmals mit ihm und seinem Berater gesprochen, damit wir eine Lösung gefunden hätten, bevor er 75 Prozent der Spiele erreichte. Es wäre schön, wenn auch mal ein Dankeschön von einem Spieler käme, den Carlos Bernegger und ich vor einem Jahr wiederbelebt haben.

Verteidiger Tomislav Puljic sagt, Sie hätten mit ihm in einem ganzen Jahr bloss fünf Minuten gesprochen. Die Frage sei erlaubt: Pflegen Sie einen sehr distanzierten Führungsstil?

Frei: Falls Spieler das Bedürfnis haben, wissen sie, dass meine Bürotür offen steht. 14 Monate bin ich jetzt in einer Beobachterrolle gewesen, um mir ein genaues Bild zu machen über die Charaktere der Mannschaft und des gesamten FC Luzern. Meine Meinung habe ich mir relativ schnell gemacht – und sie wurde bestätigt. Ich appelliere an die Eigenverantwortung. Die Distanz vom Spieler zum Sportchef muss gewahrt sein. Ich habe öfter Smalltalks oder Gespräche mit jedem Spieler geführt. Ich weiss, dass einige Spieler mehr Zuneigung brauchen.

Viele Fussballinteressierte haben nach den Abgängen der Führungsspieler Angst um die Zukunft des FCL. Verstehen Sie diese Sorgen?

Frei: Diese Leute sind noch nicht vollständig informiert. Gebt uns Zeit, die Transferperiode dauert noch lange. Glauben Sie mir, wir machen unseren Job nach bestem Wissen und Gewissen.

Interview Daniel Wyrsch

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