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FUSSBALL: Mit Sinclair träumt ganz Kanada

Sie ist die wichtigste Einzelspielerin im Team von Gastgeber Kanada, das Gesicht dieser Frauen-WM und eine der Gegenspielerinnen der Schweiz im Achtelfinal: Christine Sinclair (32) träumt vom Titelgewinn im eigenen Land.
Seraina Degen, Vancouver
Ein Moment der Freude und Erleichterung: Christine Sinclair feiert mit ihrem Nationaltrainer John Herdman ihren siegbringenden Penaltytreffer im WM-Gruppenspiel gegen China (1:0). (Bild: AP/Jeff McInthosh)

Ein Moment der Freude und Erleichterung: Christine Sinclair feiert mit ihrem Nationaltrainer John Herdman ihren siegbringenden Penaltytreffer im WM-Gruppenspiel gegen China (1:0). (Bild: AP/Jeff McInthosh)

Sie ist allgegenwärtig. Überlebensgross prangt sie auf einem Plakat am BC Place Stadium in Vancouver oder ist in TV-Spots zu sehen. Die kanadische Post hat ihr gar eine eigene Briefmarke gewidmet. Sie, das ist Christine Sinclair, Kanadas Captain und das Gesicht dieser Frauen-Weltmeisterschaft 2015. Die Zeitung «Ottawa Sun» umschreibt diese WM gar als «Christine’s World Cup».

226 Länderspiele und 154 Tore hat die bekannteste Spielerin der Ahornblätter bereits auf ihrem Konto. Damit rangiert die 32-jährige Stürmerin in der ewigen Bestenliste hinter den Amerikanerinnen Abby Wambach (182 Tore) und Mia Hamm (158) auf Rang 3. Nun folgt mit dem 227. eines der wichtigeren Spiele in Sinclairs Karriere, wenn Kanada im WM-Achtelfinal in der Nacht auf Montag (01.30 Uhr, SRF 2) im ausverkauften BC-Place-Stadion in Vancouver auf die Schweiz trifft.

Ein Onkel war gar Nationalspieler

«Nicht viele Athleten bekommen in ihrem Leben die Chance, eine WM in der Heimat zu spielen», sagt Sinclair, die auf Klubebene bei den Portland Thorns in den USA engagiert ist. «Ich bin stolz darauf, dass wir den Kindern zeigen, dass eines Tages Träume in Erfüllung gehen können.» Ihr Traum ist ganz klar der WM-Titel, und das, seit sie als Teenager die WM 1999 am Fernsehen mitverfolgte. Da habe sie sich entschieden, vier Jahre später selbst Teil des kanadischen Teams zu sein. Sie hat es geschafft und drückt seither Kanadas Spiel den Stempel auf. Als das Team am Mittwoch in Vancouver landete, sagte Sinclair, die im nahen Burnaby aufgewachsen ist: «Es ist grossartig, wieder zu Hause zu sein.»

Seit ihr die Mutter mit vier Jahren das erste Mal Fussballschuhe kaufte, drehte sich im Leben von Christine Sinclair so vieles um das runde Leder. Ihre beiden Onkel spielten Fussball, der eine war gar Nationalspieler. Das habe sie inspiriert, auch so gut zu werden, sagt sie heute. Mit 16 Jahren debütierte sie im Nationalteam – und hinterliess dabei mächtig Eindruck, wie sich Torhüterin Karina LeBlanc erinnert: «Sie wirkte so unschuldig und scheu. Als sie dann allerdings im Schusstraining die Bälle ins Tor hämmerte, da fragten wir uns: ‹Wer ist dieses Mädchen?›»

Zurückhaltend, bodenständig und frei von jeglichen Allüren ist Christine Sinclair in all den erfolgreichen Jahren geblieben. Vor einem Spiel isst sie am liebsten immer noch Pancakes und hört sich «Man in the Mirror» von Michael Jackson an. Auf dem Platz lässt sich die 1,76 Meter grosse Angreiferin mit ihrer eigenwillig geduckten Haltung nicht so schnell aufhalten.

Nur einmal verlor sie die Beherrschung, im Olympia-Halbfinal 2012 im Old-Trafford-Stadion in Manchester. Zuerst schoss sie ihr Team in der zweiten Halbzeit mit drei Treffern dreimal in Führung, ehe die USA sich dank einer umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung in der Verlängerung doch noch durchsetzte. «Es ist eine Schande, dass die Schiedsrichterin schon vor Spielbeginn über das Resultat entschieden hat», wetterte sie vor laufenden Kameras. Dies brachte ihr von der Fifa vier Spielsperren und eine Geldbusse ein.

Dieser verbale Ausrutscher tat der Beliebtheit in der Heimat jedoch keinen Abbruch. Christine Sinclair wurde im selben Jahr – und auch dank ihren sechs Olympia-Toren – zu Kanadas Sportlerin des Jahres gewählt. Sie trat damit in die Fussstapfen von Basketballer Steve Nash oder Eishockey-Star Sidney Crosby. Und im Gegensatz zu Letzterem hat die Fussballerin bereits auch einen Stern auf Kanadas «Walk of Fame» in Toronto.

Kanada überzeugte bisher nicht

Christine Sinclairs grösster Erfolg mit dem Nationalteam ist der Gewinn von Olympia-Bronze 2012. An Weltmeisterschaften will es bisher aber noch nicht so recht klappen. 2003 wurde Kanada Vierte, vor vier Jahren gegen Deutschland schieden sie indes nach drei Niederlagen nach der Vorrunde aus. Beim Heimturnier überstanden die Kanadierinnen die Gruppenphase zwar ungeschlagen, aber weder beim 1:0-Sieg gegen China – Sinclair traf per Penalty in der Nachspielzeit – noch bei den beiden Unentschieden gegen Australien (0:0) und Holland (1:1) vermochten die Gastgeberinnen zu überzeugen. Das soll sich nun ab dem Achtelfinal ändern; die Schweiz soll nicht die Endstation sein.

Denn die kanadischen Fans wollen Christine Sinclair im weiteren Turnierverlauf auf dem Rasen und nicht nur auf den Plakaten vor dem Stadion sehen.

Seraina Degen, Vancouver

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