FUSSBALL: Moreno Costanzo will doppelten Abstieg verhindern

Moreno Costanzo (28) galt einst als kommender Regisseur des Nationalteams. Nun darbt er die zweite Saison hintereinander am Tabellenende – letztes Jahr mit Aarau, jetzt mit Vaduz.

Daniel Wyrsch
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Ein Künstler, kein Kämpfer: der Vaduzer Moreno Costanzo. (Bild: Freshfocus/Andy Müller)

Ein Künstler, kein Kämpfer: der Vaduzer Moreno Costanzo. (Bild: Freshfocus/Andy Müller)

Daniel Wyrsch

Moreno Costanzo spielt morgen Samstag (17.45) mit dem Schlusslicht Vaduz in Luzern. Für den 28-jährigen St. Galler mit italienischen Wurzeln geht es um mehr als ein Meisterschaftsspiel. Beziehen die Liechtensteiner gegen den FC Luzern die elfte Saisonniederlage, wird der Abstieg immer wahrscheinlicher. Für die YB-Leihgabe Costanzo wäre es das zweite Ausscheiden aus der Super League hintereinander. Bereits vor einem Jahr war der damals an Aarau ausgeliehene Mittelfeldspieler in die Challenge League abgestiegen. Würde dieses Szenario erneut eintreten, hätte der hoch talentierte Fussballer definitiv den Stempel als Absteiger auf der Stirn.

Hoch dotierter Vertrag läuft weiter

Costanzo gehört noch bis Sommer 2017 den Young Boys. Seit fast sechs Jahren ist er bei den finanziell starken Bernern unter Vertrag. Über den Lohn muss er nicht jammern: Geschätzte 50 000 Franken überweist ihm YB monatlich aufs Konto. Ein hohes Salär, das in seinem Fall nicht unbedingt leistungsfördernd war.

Dabei galt Costanzo bis vor wenigen Jahren als der designierte Regisseur der Nationalmannschaft. Sieben Länderspiele (1 Tor) bestritt der zentrale Mittelfeldspieler für die Schweiz. Als neuer Hakan Yakin wurde er gepriesen. Im Stade de Suisse bezeichneten sie Costanzo schon mit 22 Jahren als «Berner Pirlo». Die Erwartungen an den vormaligen St. Galler waren enorm hoch. «Vielleicht war es ein Fehler, als junger Spieler die Nummer 10 zu wählen», sagt Costanzo im Rückblick. 67 Skorerpunkte in 166 Pflichtspielen für die Young Boys sind gleichwohl eine respektable Ausbeute.

Bei YB nicht mehr erwünscht

Trotzdem war Costanzo immer schnell in die Kritik geraten, wie er findet. «Das war hart und unfair. Ich wurde strenger beurteilt als andere», glaubt er. Selbst der damalige YB-Trainer Uli Forte konnte seinen früheren Lieblingsschüler nicht mehr beschützen. Nach viereinhalb Jahren war Costanzo in der Bundeshauptstadt Ende 2014 nicht mehr erwünscht.

Hauptgrund: Costanzo ist ein Künstler, kein Kämpfer. Läuft es der Mannschaft, zaubert er. Ist das Team in Not, geht er mit den anderen unter. «YB like» bezeichnete Costanzo den Zustand in der «Berner Zeitung», wenn auf Siegesserien Krisenwochen folgten. In Bern gilt der Aufbauer mittlerweile als der Unvollendete.

Costanzo liebt die Vaterrolle

Dabei ist er ein Instinktfussballer, ein herausragender Kreativspieler – wenn er mit Selbstvertrauen unterwegs ist. Zuletzt kritisierten sie ihn selbst im beschaulichen Fürstentum am Rhein ennet der Schweizer Grenze. Er macht in Vaduz zwar täglich den Job im Training. Mehr als Dienst nach Vorschrift ist das aber nicht. Es heisst, bei Costanzo stehe nun der knapp zweijährige Sohn im Mittelpunkt. Statt auf dem Platz Zusatzschichten zu schieben, geht er auf dem schnellsten Weg nach Hause zum Filius.

Vergebliche Luzerner Liebesmüh

Der damalige Präsident Walter Stierli wollte Costanzo vor vier Jahren zum FC Luzern locken. Alles hatte man unternommen, um dem begnadeten Fussballer ein angemessenes Salär zu bezahlen. Dank den tiefen Steuersätzen an den dafür bekannten Orten (Hergiswil, Meggen) in der Umgebung von Luzern hätte Costanzo netto fast gleich viel wie in Bern verdienen können. Doch alle Liebesmüh war umsonst, der Begehrte lehnte das Angebot kategorisch ab und blieb bei den aussichtsreicher besetzten Young Boys.

Morgen spielt Costanzo in der Swiss­porarena. Statt im gelb-schwarzen YB-Dress in den Farben Rot und Weiss des FC Vaduz, für den er in 22 Super-League-Spielen zwei Tore erzielt und zwei Assists gegeben hat. Der Techniker muss aufpassen, dass es ihm nicht wie vor einem Jahr mit Aarau geht: 0:4 und 2:6 verlor er die Rückrundenduelle gegen Luzern. Der Abstieg war nach diesen desolaten Auftritten nicht mehr zu verhindern.

So tief gefallen ist das letztjährige Überraschungsteam Vaduz aber (noch) nicht.