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FUSSBALL: Musterschüler und Nachzügler

Heute (15.30 Uhr) kommt es in der Bundesliga zum Spitzenspiel Mönchengladbach gegen Bayern München. Die Rollen von Gladbachs Granit Xhaka und Josip Drmic könnten kaum unterschiedlicher sein.
Josip Drmic (Bild: Getty / EQ)

Josip Drmic (Bild: Getty / EQ)

Granit Xhaka

Es ist schon seltsam, wie sich Karrieren im Fussball manchmal entwickeln. Wenn sie dieser Tage in Gladbach beispielsweise an die Anfangszeiten von Granit Xhaka zurückdenken, werden sie vielleicht ungläubig den Kopf schütteln. Vielleicht klopfen sie sich auch vor Vergnügen prustend auf die Schenkel. Ganz sicher aber werden sie keinen Schimmer haben, was ihnen da so genau passiert ist mit dem Schweizer Mittelfeldspieler.
2012 kam Xhaka als Versprechen für die Zukunft von Basel nach Gladbach. Aber schon nach ein paar Wochen glaubten sie, einem riesengrossen Missverständnis aufgesessen zu sein. Auf dem Platz wirkte der Mittelfeldspieler verloren, was aber keinerlei Einfluss auf sein Selbstvertrauen hatte. Die «Bild»-Zeitung titelte: «Grosse Klappe! Nix dahinter?» Und selbst der damalige Trainer Lucien Favre rollte mit den Augen: «Ohlala. Granit muss noch sooo viel lernen ...Mittlerweile lässt sich festhalten: Er scheint ein echter Musterschüler zu sein.

Captain und aggressiver Leader

Längst ist er unantastbar beim Tabellenfünften. Weil er Technik und Übersicht nahezu ideal mit Kampfkraft mischt. Und was ihm früher als Arroganz vorgeworfen wurde, wird heute als gesundes Selbstvertrauen gelobt. Der Neu-Trainer André Schubert hat ihn sogar ganz offiziell zum Chef ernannt. «Ich habe mir vorstellen können, bei so einem Verein Captain zu werden», sagt der 23-Jährige, «das macht mich stolz.»
Und es hat den nicht zu vernachlässigenden Vorteil, dass der Schweizer Internationale bei den Schiedsrichtern vielleicht auch etwas mehr Kredit hat.

Das kann bei einem Spieler wie Xhaka nicht schaden. Er ist ja ein Heisssporn, dessen Spiel sich häufig im Grenzbereich des Regelwerks bewegt. In gerade einmal 92 Bundesligaspielen bringt er es auf vier Platzverweise, 32 Verwarnungen und drei Gelb-Sperren. «Sobald ich zurückziehe, ist das nicht mehr mein Spiel», sagt er, «ich möchte immer gewinnen. Jeden Zweikampf.» Das imponiert seinem Coach: «Granit ist ein typischer aggressiver Leader. Auch er macht nicht immer alles richtig. Aber er stellt sich den Situationen und knickt nicht ein, wenn er Fehler macht.»

Das sollen an diesem Samstag auch die grossen Bayern zu spüren bekommen.

Josip Drmic

Erleichterung stellt man sich anders vor. Wenn Stürmer nach einer langen Tor-Dürrezeit endlich mal wieder treffen, rennen sie in der Regel über den halben Platz, schlittern ein paar Kilometer auf den Knien und reissen sich enthusiastisch das Trikot vom Leib. Der Schweizer Nationalspieler Josip Drmic schaute am vergangenen Wochenende nach seinem Kopfballtor in Hoffenheim nur grimmig drein, bekreuzigte sich stumm – und eilte zur Mittellinie. Für grössere Gesten fehlten Anlass und Zeit. Es war das 2:3 in der 56. Minute, am Ende reichte es immerhin noch zum 3:3. So ganz zufrieden war Drmic damit nicht: «Der Treffer tut mir gut. Aber ich ärgere mich, da ich noch mehr Chancen hatte.»

Schliesslich besteht in Sachen Torjubel erheblicher Nachholbedarf beim 23-Jährigen. Eigentlich hätte der Stürmer die Lücke schliessen sollen, die Torjäger Max Kruse mit seinem Wechsel nach Wolfsburg hinterlassen hat. Dafür überwiesen die Gladbacher ein hübsches Sümmchen an Bayer Leverkusen. Doch noch vor ein paar Wochen ordneten Beobachter diesen Transfer eher als Geldverschwendung ein. Die Boulevardzeitung «Express» schrieb schon von einem «Zehn-Millionen-Missverständnis».

Seine neue Position

Statistisch gab es wenige Gründe, gegen diese Behauptung allzu vehement vorzugehen. Drmic bringt es bei Gladbach bisher auf gerade mal 341 Bundesligaminuten, der Treffer gegen Hoffenheim war sein erster im laufenden Ligabetrieb. Trainer André Schubert sagt: «Josip musste erst einmal verinnerlichen, was wir defensiv von ihm verlangen.»

Und er musste sich auch erst mit seiner neuen Position zurechtfinden. Eigentlich ist Drmics bevorzugtes Einsatzgebiet im Sturmzentrum, doch zuletzt kam er auf dem Flügel zum Einsatz. Dort machte er seine Sache auffallend gut. «Manchmal braucht man eben ein bisschen Zeit und Geduld», sagt Josip Drmic, «dann kommt das alles. Ich haue mich rein – und dann werde ich irgendwann auch belohnt.»

Die nächste Gelegenheit dazu ergibt sich heute gegen den FC Bayern München. Ein Gegner, der bei den meisten Konkurrenten schon vorab zum Hissen der weissen Fahne führt – nicht so bei Drmic: «Wenn das Spiel beginnt, steht es auch gegen die Bayern 0:0. Und wir sind inzwischen eine Macht.» Was heute Nachmittag zu beweisen wäre.

br / Carsten Meyer

Granit Xhaka (Bild: Getty / EQ)

Granit Xhaka (Bild: Getty / EQ)

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