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FUSSBALL: Neue Bühne für Showman Ralph Krueger

Der frühere Schweizer Eishockeynationaltrainer Ralph Krueger führt neu den FC Southampton. Ein Augenschein in Südengland.
Nicola Berger, Southampton
Ralph Krueger sitzt auf der Haupttribüne des St. Mary's Stadium von Southampton. «Das Fundament ist hier hervorragend», sagt er über den Klub aus dem Süden Englands. (Bild: PD)

Ralph Krueger sitzt auf der Haupttribüne des St. Mary's Stadium von Southampton. «Das Fundament ist hier hervorragend», sagt er über den Klub aus dem Süden Englands. (Bild: PD)

Ralph Krueger, Anzug, Krawatte, bestes Kameralächeln, sitzt in seinem neuen Büro im St. Mary’s Stadium und blickt zum Fenster raus. Er sieht die Baukräne, den Hafen und sagt: «Irgendwie erinnert mich Southampton an Edmonton. Eine starke Arbeiterklasse, wenig Arbeitslose, viel Leidenschaft für den Sport.» Das ist nicht falsch, aber mit den Gemeinsamkeiten zwischen den Städten ist es sonst nicht weit her, besonders nicht, was Krueger betrifft. Im Juni war der 53-Jährige als Coach der Edmonton Oilers gefeuert worden. Und jetzt, neun Monate später, sitzt er in England und ist die Hauptfigur eines der spannenderen Experimente in den höchsten Sphären der Sportwelt. Am Mittwoch wurde er als neuer Vorstandsvorsitzender des Tabellenneunten der Premier League vorgestellt, obwohl er keinerlei Fussballerfahrungen vorzuweisen hat. Ein Bugatti Veyron beschleunigt in 2,2 Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer. Schneller schafft das nur Ralph Krueger.

Ärger mit der Satellitenschüssel

Der Kanadier als neuer Southampton-Boss, ist das eine Überraschung? Ja und nein. Ehe er im letzten Herbst die ersten Kontakte knüpfte, hatte er mehr als fünf Jahre kein Fussballstadion mehr besucht, bei der Euro 2008 war das. Krueger berichtet jedoch, er sei immer fussballaffin gewesen. Er erzählt Episoden aus der Jugend, als er zu Hause in Kanada bei EM- und WM-Endrunden die Satellitenschüssel so lange drehte, bis er ein Spiel einfangen konnte. Und er spricht über seine Faszination für Fortuna Düsseldorf während seiner Aktivzeit in den Achtzigerjahren. Krueger sagt: «Ich habe viele Fussballer gekannt. Pierre Littbarski war mein Freund.»

Das mag ihn noch nicht für eine leitende Position in einem mehrere hundert Millionen Franken schweren Fussballunternehmen qualifizieren, aber es ist ja nicht so, dass es Krueger an Qualitäten mangeln würde. Er ist: Bestsellerautor, gefragter Referent, Weichensteller beim WEF in Davos. Vor allem aber ist Krueger ein versierter Menschenfänger. Es ist schwierig, ihn nicht zu mögen, dafür agiert er in seiner Selbstinszenierung zu trickreich. Ein ehemaliger Nationalspieler sagt: «Niemand pflegt sein Image besser. Er ist ein grosser Showman, und das meine ich nicht negativ. Er fällt nie aus der Rolle.»

Dieser Eindruck verfestigt sich, beo­bachtet man Krueger länger. Stellt man ihm eine Frage, nickt er grundsätzlich verständnisvoll. Er schafft Nähe, sucht Augenkontakt und gibt seinem Gegenüber immer das Gefühl, gerade der wichtigste Mensch auf der Welt zu sein – egal, ob es sich um einen Reporter der «New York Times» oder von Radio Sunshine handelt. Peter Zahner, heute Manager im ZSC und früher Kruegers Vorgesetzter beim Verband, sagt: «Er ist ein begnadeter Rhetoriker, und wegen seiner zahlreichen Erfolge hat er eine sehr grosse Glaubwürdigkeit.» Und er sagt auch: «Ralph ist positiv rücksichtslos. Er ordnet dem Erfolg alles unter.» Die Beharrlichkeit ist der vielleicht wichtigste Katalysator der Karriere Kruegers, die ihn vom beschaulichen Feldkirch über die NHL bis zum Olympiasieg mit Kanada führte. Das Gold von Sotschi war sein wohl grösster Triumph, hinter seinem offiziellen Titel als «Berater» versteckte sich eine prominente Rolle mit viel Einfluss: Kanada spielte fast exakt so, wie die Schweiz es lange Jahre getan hatte. Das spektakulär besetzte Kollektiv perfektionierte das von Krueger ausgetüftelte System. Darauf angesprochen, sagt er lächelnd: «Ich wusste, dass man das in der Schweiz realisieren würde.»

Nun, die Verdienste blieben auch den NHL-Managern nicht verborgen. Krueger erwähnt Annäherungsversuche im unmittelbaren Nachgang an Sotschi. Doch er blockte sie ebenso ab wie die Anfrage des SC Bern im November, mit der man ihn hatte beauftragen wollen, die schlingernde Schweizer Hockey-«Titanic» wieder auf Kurs zu bringen.

Stattdessen heuerte er in Southampton an, in jener Stadt, von welcher aus die echte «Titanic» 1912 zu ihrer schicksalhaften Jungfernfahrt aufbrach. Warum wählte er das Abenteuer ins Ungewisse, wenn doch die Glitzerwelt der NHL ruft, die ihn ewig magisch anzog? Krueger überlegt kurz und sagt dann: «Ich war selbst überrascht, aber die NHL hat dieses Mal nicht diese Faszination auf mich ausgeübt. Mich reizen einfach Herausforderungen. Ich habe einen inneren Trieb, mich unter Druck zu setzen. Hätte ich vor 400 Jahren gelebt, wäre ich vermutlich ein Entdecker gewesen.»

Den Weg nach Southampton fand er über die milliardenschwere Schweizer Klubbesitzerin Katharina Liebherr (siehe Box). Das Duo verbindet der Wohnort, das steuergünstige Wollerau, und, gemäss Krueger, eine gemeinsame Philosophie. Zusammen wollen sie Southampton zu einer Premiumadresse der Premier League machen. Kruegers Aufgabenbereich umfasst unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit und die Betreuung von Sponsoren. Nach all den Jahren ist er in Southampton nun also in jener Rolle, die ihm am besten zusagt: jener des Verkäufers. Beinahe schwärmerisch sagt er: «Wir haben hier ein wunderbares Produkt mit internationaler Vermarktung.» Krueger hofft, auch Schweizer Sponsoren für Engagements zu gewinnen.

Arbeitet er nie wieder als Trainer?

Ein wichtiges Verkaufsargument South­amptons ist die renommierte Jugendakademie, welche unter anderem Gareth Bale (24, heute Real Madrid) und Supertalent Luke Shaw (18) hervorgebracht hat. Krueger weiss um die gute Basis, entsprechend sagt er: «Es geht nicht darum, etwas Neues aufzubauen, sondern darum, aus vorhandenen Ressourcen das Maximum herauszuholen. Das Fundament ist hervorragend.»

Es ist Samstagnachmittag, in 30 Minuten empfangen die «Saints» den Norwich FC. Auf der Grossleinwand wird ein viertelstündiges Interview mit Krueger eingespielt. Es ist das erste Mal, dass er sich an die Fans wendet. Nach einem turbulenten Januar mit dem Abgang des populären langjährigen CEO Nicola Cortese geht es auch darum, die verunsicherte Anhängerschaft zu beruhigen. Krueger schlägt sich hervorragend, er hat sich gut vorbereitet. Seine lobenden Worte für die lange Tradition des Klubs und für Coach Maurizio Pocchettino finden Anklang; auf der Tribüne wird zustimmend genickt.

Für Krueger ist es ein gelungener Start in einen Tag nahe der Perfektion. Als Sam Gallagher in der Nachspielzeit das 4:2 erzielt, klatscht Krueger auf der Tribüne mit der Klubchefin ab. Es wirkt, als sei er in Southampton angekommen. Sein Vertrag läuft unbefristet. Er gibt an, sich mindestens bis zum Ende der Saison 2014/15 verpflichtet zu haben.

Kann es gar sein, dass er nie wieder als Trainer arbeitet? Krueger sagt: «Diese Möglichkeit ist sehr real. Ich kann mir vorstellen, mich in dieser Phase meines Lebens auf andere Aufgaben zu konzentrieren.»

Es scheint, als wolle der Showman seine neue Bühne so schnell nicht verlassen.

Liebherr: Schweizer «Phantom» ohne Maske

Wer ist Katharina Liebherr? Die Frage beschäftigt die britische Presse seit Wochen. Und tatsächlich ist über die Aargauerin sehr wenig bekannt. Katharina stammt aus der Liebherr-Dynastie, die es mit einem Vermögen von 7,5 Milliarden Franken laut der «Bilanz» auf Platz 16 der 300 reichsten Schweizer bringt. Der in Bulle ansässige gleichnamige Maschinenbaukonzern kommt auf einen Jahresumsatz von 11 Milliarden Franken. Die Familie ist ebenso vermögend wie verschwiegen: Einzig Cousine Christina ist in der Öffentlichkeit ein Begriff. Sie gewann 2008 in Peking Olympiabronze im Mannschaftsspringreiten.
Bei der medienscheuen Katharina handelt es sich um die Tochter des 2010 an einem Herzinfarkt verstorbenen Markus Liebherr. Ein Jahr vor seinem überraschenden Ableben hatte der Vater 2009 den FC Southampton vor der Insolvenz gerettet – und den im Aargau aufgewachsenen Nicola Cortese als CEO installiert. Unter der Führung des Bankers gelang 2012 die Rückkehr in die Premier League. Im Januar jedoch verliess er die «Saints» nach einem Kompetenzgerangel mit der Klubchefin.
Der Abgang Corteses schürte bei Fans und Medien Ängste. Das «Phantom» Liebherr, schrieben die Gazetten, interessiere sich nicht für Fussball und verfolge bloss ein Ziel: den Klub schnellstmöglich an einen solventen Käufer abzustossen. In einem offenen Brief an die Fans versicherte Liebherr, sie beabsichtige keinen Verkauf. Und für ein «Phantom» war sie in den letzten Wochen in Southampton sehr präsent.

Auch Ralph Krueger dementiert die Gerüchte. Er sagt: «Wenn sie den Klub würde verkaufen wollen, wäre ich nicht hier.» Über seine neue Chefin sagt er: «Sie ist bescheiden, warmherzig und hat einen kühlen Kopf. Ich empfinde die Zusammenarbeit mit ihr als sehr inspirierend.» Aber weshalb engagiert sie sich plötzlich so stark im Klub? Krueger hält eine einleuchtende Erklärung bereit. Er sagt: «Sie fühlt in St. Mary’s den Geist ihres Vaters.»

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