FUSSBALL: Oldie hält die Socceroos im Spiel

Dank dem 37-jährigen Tim Cahill darf Australien weiter von der Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Russland träumen. Das kriegsgeplagte Syrien ist äusserst knapp ausgeschieden.

Nikolaj Stobbe (sid), Sidney
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Tim Cahill köpfelt für Australien ins Netz, Syrien-Goalie Ibrahim Alma kommt nicht an den Ball heran. (Bild: David Moir/Keystone (Sydney, 10. Oktober 2017))

Tim Cahill köpfelt für Australien ins Netz, Syrien-Goalie Ibrahim Alma kommt nicht an den Ball heran. (Bild: David Moir/Keystone (Sydney, 10. Oktober 2017))

Nikolaj Stobbe (SID), Sidney

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Als Syriens tapfere Helden völlig erschöpft in den Rasen fielen, streckte Australiens Matchwinner Tim Cahill die Faust in den Abendhimmel von Sidney. Mit zwei wuchtigen Kopfballtoren hatte der 37 Jahre alte Routinier Australien beim 2:1 (1:1, 1:1) nach Verlängerung auf WM-Kurs gehalten und Syriens Traum von der allerersten Teilnahme an einer Endrunde zunichte gemacht.

«Die mentale Kraft hat entschieden. Das sind die Momente, wenn du die Spieler fragst, wer Verantwortung übernehmen will», sagte Cahill etwas pathetisch nach dem Abpfiff. Der Oldie war nicht immer unumstritten, erhielt aber das Vertrauen seines Trainers: «Ich bin glücklich, ich renne bis zum Ende für diesen Coach und diese Mannschaft.»

Trainer Ange Postecoglou dankte seinem Stürmer. «Er ist ein australischer Held», sagte der Coach über den Rekordtorschützen (50 Tore) der australischen Nationalelf. Im Vorfeld gab es viele kritische Stimmen, Poste­coglou wollte seinen Rücktritt im Falle eines Scheiterns der «Aussies» nicht mehr ausschliessen: «Wenn dieses Spiel mein letztes sein sollte, dann ist es so. Aber ich hoffe es nicht.»

Vielleicht die 4. WM für Tim Cahill

Nun kam es anders, und die sogenannten Socceroos liegen weiter im Rennen. In der nächsten und alles entscheidenden Runde treffen sie auf den Tabellenvierten der Qualifikation der Konföderation für Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (Concacaf).

«Es ist egal, gegen wen wir spielen müssen. Wir müssen als Spieler dafür sorgen, dass wir weiterkommen», mahnte Cahill. Der Altmeister lebte im Play-off-Rückspiel der Asien-Qualifikation den unbedingten Siegeswillen vor und setzte nach dem 1:1 im Hinspiel die entscheidenden Akzente. Nach 2006, 2010 und 2014 könnte Cahill in Russland seine vierte WM erleben.

«Es war schwer. Wir wussten, dass wir sie müdespielen müssen», sagte Cahill, der auch die nötige Geduld mitbrachte. Der langjährige Profi des FC Everton aus der Premier League (2004 bis 2012) verdient mittlerweile seine Brötchen in seinem Heimatland bei Melbourne City.

Auf Seiten der Australier war auch Tomi Juric, der Stürmer des FC Luzern, im Einsatz. Juric, der in der WM-Qualifikation schon mehrfach getroffen hatte, wurde diesmal allerdings erst in der sechsten Minute der Verlängerung eingewechselt.

Syrien-Pfostenschuss kurz vor dem Schlusspfiff

Syrien, das bereits beim 1:1 im Hinspiel positiv überraschte, verlangte dem Favoriten Australien alles ab. Nach sechs Minuten hatte Omar Al Soma die Gäste in Führung gebracht. Der Torjäger hatte bereits im Hinspiel für sein Land getroffen.

Doch Australien zeigte sich nur kurz irritiert. Nach einer passgenauen Flanke von Hertha Berlins Offensivspieler Mathew Leckie war Cahill zum ersten Mal zur Stelle und liess dem starken syrischen Keeper Ibrahim Alma keine Chance.

Die Vorentscheidung fiel zu Beginn der Verlängerung. Syriens Mahmoud Al Mawas musste nach einer harten Attacke gegen Robbie Kruse (VfL Bochum) vom Platz. In der Folge drängten die Gastgeber auf die Entscheidung. In der 109. Minute war Cahill nach einer Flanke von Kruse erneut mit dem Kopf zur Stelle. Doch beinahe wäre den Syrern noch die Sensation gelungen: Kurz vor dem Schlusspfiff traf Syriens Star Omar Al Soma per Freistoss den Pfosten.