FUSSBALL: Pajtim Kasami: «Ich bin so gut wie noch nie»

Im Nationalteam kam er bislang nie über die Rolle eines Lückenbüssers hinaus. Jetzt erhofft sich der Ex-Luzerner Pajtim Kasami (22) bessere Karten beim neuen Trainer Vladimir Petkovic.

Andreas Ineichen, Feusisberg
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Pajtim Kasami (rechts) im WM-Qualifikationsspiel gegen den Slowenen Miso Brecko vor knapp einem Jahr im Berner Stade de Suisse. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Pajtim Kasami (rechts) im WM-Qualifikationsspiel gegen den Slowenen Miso Brecko vor knapp einem Jahr im Berner Stade de Suisse. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Pajtim Kasami sitzt in einem Sitzungsraum des Schweizer Teamhotels in Feusisberg vor einer Fensterreihe. Draussen scheint die Sonne und gibt dem wunderbaren Panorama rund um den Zürichsee einen prächtigen Glanz. Eine Szenerie, die ganz gut passt zum Gemütszustand von Kasami. Das grosse Talent hat einen fantastischen Lauf, schoss in fünf Meisterschafts- und zwei Champions-League-Spielen mit Olympiakos Piräus schon drei Tore und gab zwei Vorlagen. «Ja, wahrscheinlich ist das der beste Kasami, den man bisher zu sehen bekam», bestätigt der Mittelfeldspieler eine entsprechende Frage.

Seine Wunde am Kopf

Da passt die wegen seines Millimeter-Haarschnitts gut sichtbare und mit acht Stichen genähte Wunde an seiner linken Kopfhälfte so gar nicht ins Bild. Sie ist ein Souvenir an das 0:2 im Champions-League-Spiel in Malmö am 1. Oktober, als ihn der Ellbogen eines Gegenspielers traf. Und so symbolisiert der Cut ein bislang schwieriges Verhältnis zwischen ihm und der Schweizer Auswahl.

Erst zwei Länderspiele hat Kasami mit der A-Nationalmannschaft bestreiten dürfen, da ist ein Ricardo Rodriguez oder ein Granit Xhaka, die mit ihm 2009 U-17-Weltmeister geworden sind, schon ein schönes Stück weiter, in der Gegend von 30 Länderspielen. Und sie waren, im Gegensatz zu Kasami, auch an der WM in Brasilien dabei. «Ich hatte nie einen Bonus», denkt Kasami, «nie Glück im richtigen Moment.»

Deshalb, so gibt er zu, habe es schon Momente gegeben, da sei ihm die Nationalmannschaft nicht mehr so wichtig gewesen, «weil ich mich als Spieler nicht ernst genommen fühlte». Er fing sich bereits mit dem Gedanken an zu trösten, dass es halt Spieler gebe, die im und mit dem Nationalteam nie glücklich wurden. Unter Ottmar Hitzfeld, der nach der WM als Trainer aufhörte, bekam Kasami nie eine echte Chance.

Seine Perspektive unter Petkovic

Nun glaubt er, dass sich unter Vladimir Petkovic das Blatt zu seinen Gunsten gewendet habe. Auch wenn er zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen England (0:2) bloss auf der Bank sass. «Der Trainer schätzt meine Spielweise», ist er überzeugt. «Ich will eine Rolle im Nationalteam spielen, und für mich ist das nur eine Frage der Zeit.»

Für seine Zuversicht spricht, dass Petkovic bei seinem ersten Zusammenzug Anfang September das Bekenntnis abgegeben hat, dass alle Spieler, die fürs Nationalteam in Frage kommen, eine neue Chance erhalten werden. Und vor allem auch, dass Petkovic spätestens nach dem zweiten EM-Qualifikationsspiel in Slowenien (morgen 20.45, Maribor) damit anfangen wird, seine Ideen und Vorstellungen umzusetzen.

Dabei ist Kasami, der die Rückrunde 2013 als Leihgabe von Fulham mit dem FC Luzern bestritten hat (1 Tor und 2 Vorlagen in 16 Spielen), eine interessante Option. Er verkörpert einen Spielertyp, wie ihn die Nationalmannschaft so noch nicht hat. Er bringt dank seinen 1,89 m Körpergrösse und 90 kg Gewicht sehr viel Wucht auf den Platz. Dazu ist er technisch versiert und überdurchschnittlich gut im Abschluss.

Bei seinem Arbeitgeber in Griechenland, dem Rekordmeister Olympiakos (41 Titel), spielt er auf der Achter-Position in einem 4-3-3-System. Es ist die genau gleiche Formation, in der Petkovic die Schweiz gegen England spielen liess. «Sein System kommt mir sicher entgegen», sagt Kasami und erläutert, dass man sich als Spieler ohnehin immer der Spielweise anpassen müsse, die der Trainer verlange.

Seine Rolle in einem neuen System

Es gibt ja durchaus Anzeichen dafür, dass Petkovic nochmals eine Änderung des Spielsystems ins Auge fasst, sobald er mehr Zeit hat, dieses mit der Mannschaft einzuüben. In diesen Kontext passen die Aufgebote für die Neulinge Jacques François Moubandje, der für Toulouse in einer Dreierabwehr agiert, und für Offensivspieler Michael Frey. Aber auch jenes für den schnellen Innenverteidiger Fabian Lustenberger und den vielseitig einsetzbaren Kasami.

Dieser könnte auch in einem 3-5-2-System, das Petkovic vorschweben wird, gut Unterschlupf finden. «Ich kann mich auch in der Rolle eines Spielmachers oder einer hängenden Spitze vorstellen», sagt Kasami.

Doch wichtig ist ihm momentan nur, dass die Sonne für ihn endlich auch in der Nationalmannschaft scheint.