FUSSBALL: Pep Guardiola der 3. Liga

Antonio Bozzi hat beim FC Baar eine Woche vor dem Rückrundenstart die Nachfolge von Trainer Roli Widmer angetreten. Kein leichtes Unterfangen für den detailbesessenen Mann.

Martin Mühlebach
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Antonio Bozzi (auf der Baarer Fussballanlage Lättich) tut Gutes und redet darüber. (Bild: Stefan Kaiser (3. Mai 2017))

Antonio Bozzi (auf der Baarer Fussballanlage Lättich) tut Gutes und redet darüber. (Bild: Stefan Kaiser (3. Mai 2017))

Martin Mühlebach

sport@zugerzeitung.ch

Als Roli Widmer, der Trainer der ersten Mannschaft des FC Baar, eine Woche vor dem Rückrundenstart zum Erstligisten Zug 94 wechselte, wurde Antonio Bozzi zu seinem Nachfolger ernannt. Der 43-jährige, vormalige Baarer A-Junioren-Trainer, sagt offen: «Diese Berufung hat mich selbst überrascht, da ich grossen Wert auf eine detaillierte Planung lege.»

Weil ihm das Einstudieren von spielerischen und taktischen Varianten am Herzen liege, habe er sofort die Trainings umgekrempelt. Die Fanionteamspieler, die er schon zu deren Juniorenzeit trainiert habe, hätten sich auf einen gepflegten Fussball gefreut. Und nach zwei, drei Trainingseinheiten sei das ganze Team hinter ihm gestanden. «Ich bin mir bewusst», betont Bozzi, «dass es eine gewisse Zeit braucht, bis eine komplett neue Spielphilosophie zum Tragen kommt.» Die Faszination des Fussballs bestehe für ihn im Zusammenspiel der Komponenten Taktik, Technik, Kondition und mentaler Aspekte. Mit seinem Team wolle er an diesen Komponenten arbeiten, um die Leistungsfähigkeit eines jeden Spielers zu verbessern. Der Charakter eines Teams zeige sich, wenn man beissen müsse.

Im Trainerkurs mit dem Nationalteam

Antonio Bozzi, der beruflich als Verkaufsleiter einer deutschen Firma mit Sitz in Hünenberg tätig ist, bezeichnet sich als offene und selbstkritische Person, die sich ständig verbessern wolle. Um dies im Fussball tun zu können, will er als Trainer das Uefa-A-Diplom erlangen. Aus diesem Grund belegte er in der vergangenen Woche einen Kurs in Magglingen, um sich in technischer und taktischer Hinsicht die neusten Erkenntnisse anzueignen.

Mit strahlenden Augen erzählt Antonio Bozzi: «Der Kurs war sehr streng, aber äusserst lehrreich. Anhand von kurzen Videoanalysen mussten wir ein Training mit der U16-Nationalmannschaft der Schweiz gestalten. Kritisch fundierte Feedbacks der Instruktoren zeigten uns Kursteilnehmern auf, was gut war, und was noch besser hätte sein können.»

Als seine Trainervorbilder bezeichnet Bozzi den Spanier Pep Guardiola und den Italiener Antonio Conte, von deren Spielphilosophie er in den höchsten Tönen schwärmt. In taktischer Hinsicht bewundere er die Auftritte von Barcelona, Arsenal, Dortmund und Bayern München. Mit einem schelmischen Lachen im Gesicht erzählt Bozzi: «Weil ich praktisch alle Trainings mit dem Ball mache, nennen mich meine Spieler – in Anlehnung an Guardiola – Pep.» Es ist unschwer zu erkennen, dass ihm dies schmeichelt. Bozzi, er hat einen Vertrag bis Ende Juni 2018 als Cheftrainer des FC Baar, hat sich den Aufstieg in die 2. Liga zum Ziel gesetzt, sagt: «Ich werde mein Bestes geben, um dieses Ziel erreichen zu können. Aber», betont er, «für mich hat ein gepflegter Fussball absolute Priorität.» Mit Blick in die Zukunft verrät er: «Als ich die U15 des Teams Zugerland trainierte, wuchs in mir der Wunsch, dereinst als Halb- oder Vollprofitrainer im Junioren-Spitzenfussball tätig sein zu können, zumal der Fussball in meinem Leben einen hohen Stellenwert einnimmt.»

Sein Herz für Arme in Südafrika bewiesen

Es bereite ihm Freude, wenn Menschen aktiv seien und etwas aus ihren Fähigkeiten machen würden. Wie etwa Roger Federer, den er als «phänomenalen Sportler und grossartigen Menschen» bewundere, da dieser mit seiner Foundation Kinder in Afrika unterstützt. Dass auch Antonio Bozzi ein Herz für die Armen hat, steht ausser Frage. In den Jahren 2015 und 2016 reiste er mit einer Schweizer Organisation mit jeweils 60000 Franken im Gepäck nach Johannesburg und half beim Aufbau von zwei Kindergärten.

Fast schon philosophisch sagt Bozzi: «Es gibt zwei Arten von Menschen, die ich nicht leiden mag. Menschen die unehrlich sind, und solche, die ihre Machtstellung dazu benutzen, um andere Menschen zu verletzen. Jeder Mensch ist in der Lage, das Weltgeschehen ein wenig zu verbessern, wenn er sich für die Schwachen einsetzt und mit gutem Beispiel vorangeht.»

Der Hünenberger verrät: «Ich reise sehr gerne. Ich war schon in Australien, in den USA, in Afrika und in Asien, wo ich Ruhe suchte und sie fand. Besonders angetan haben es mir die Aufenthalte auf Ibiza. Weitab vom Rummel verspüre ich auf dieser für mich mystischen Insel einen aussergewöhnlichen, guttuenden Free Spirit.»

Morgen geht es gegen Steinhausen

Als Trainer des FC Baar wird Antonio Bozzi wohl vorderhand auf Ruhe verzichten müssen. Er erachtet es als seine Pflicht, sein Team im morgigen Derby gegen Steinhausen zum Sieg zu coachen (18.00, Lättich). «Ich will, dass wir von Beginn an dominant auftreten und drei Punkte einfahren. Dass wir auf drei Verletzte und zwei gesperrte Akteure verzichten müssen, darf nicht ins Gewicht fallen.»