FUSSBALL: Quintett zwischen Hoffen und Bangen

Fünf Schweizer stehen in der Bundesliga- Rückrunde besonders im Blickpunkt. Weil sie mit ihren Klubs Grosses erreichen können – oder um ihre EM-Teilnahme kämpfen.

Carsten Meyer
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Der Schweizer Granit Xhaka (in Weiss, hier im Duell mit Bayerns Arturo Vidal, Nummer 23): Bleibt er bei Mönchengladbach, oder verlässt er die Borussen? (Bild: Keystone/Martin Meissner)

Der Schweizer Granit Xhaka (in Weiss, hier im Duell mit Bayerns Arturo Vidal, Nummer 23): Bleibt er bei Mönchengladbach, oder verlässt er die Borussen? (Bild: Keystone/Martin Meissner)

Wer wissen will, wie es um den Stellenwert von Granit Xhaka in Gladbach steht, muss nur ein wenig in den Zeitungsarchiven der vergangenen Wochen blättern. Eigentlich war ja Winterpause. Und eigentlich ist der 23-Jährige aktuell sportlich sowieso kein grosses Thema, weil er in den ersten drei Partien der Rückrunde mal wieder eine Sperre abbrummen muss. Und trotzdem verging kaum ein Tag ohne Meldung über den Schweizer. Vor allem deshalb, weil jeder Topklub Europas, der ein bisschen was auf sich hält, den 23-Jährigen auf dem Einkaufszettel zu haben scheint. Deshalb haben sie in Gladbach etwas Angst, dass sie Xhaka bald verlieren könnten. Ihn, der gleichzeitig Kopf und Herz dieser Mannschaft ist. Doch Manager Max Eberl ahnt, dass die Spitzenteams dieser Welt bald mit Ablösesummen drohen werden, bei denen er gar nicht mehr anders kann, als sich wehrlos zu ergeben. Die Schmerzgrenze soll angeblich bei knapp 44 Millionen Franken liegen. Solche Angebote verhindern könnte wohl nur eine schwache Rückrunde Xhakas. Und das wünscht sich in Gladbach dann auch niemand.

Eigentlich war Pirmin Schwegler vor gut eineinhalb Jahren von Frankfurt nach Hoffenheim gewechselt, weil er im Kraichgau die bessere sportliche Perspektive vermutete. Nun ist es so, dass die aktuelle Entwicklung dem Ettiswiler nicht zwingend Recht gibt. Hoffenheim ist Letzter. Und deshalb ist Schwegler als Captain der Mannschaft vor allem als Krisenmanager gefragt. Als einer, der den Laden zusammenhalten und vor dem Rückrundenstart Zuversicht ausstrahlen soll: «Wir können den Trend definitiv aufhalten. Wir wissen, was die Stunde geschlagen hat.» Doch gleich bei Teil 1 der Aufholjagd muss der 28-Jährige wegen einer Oberschenkelverletzung passen. Immerhin muss sich Schwegler um eines keine Gedanken machen: die EM-Teilnahme. Er ist im vergangenen Jahr zurückgetreten und kann sich nun ganz dem Abstiegskampf mit Hoffenheim widmen. Das wird auch nötig sein.

Hertha BSC Berlin ist die positive Überraschung der Hinrunde. Die Berliner, im vergangenen Jahr fast abgestiegen, mischen nun die Bundesliga auf und stehen auf dem erstaunlichen Platz drei. Angeführt werden sie vom Nebikoner Fabian Lustenberger. Er ist Captain des Teams und überzeugt bisher auf ganzer Linie – egal, ob in der Innenverteidigung oder im defensiven Mittelfeld. Deshalb sind in Berlin auch alle einigermassen verwundert, dass der 27-Jährige in den Planungen des Schweizer Nationaltrainers Vladimir Petkovic nur eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint. Ein Umstand, der auch Lustenberger selbst irritiert. Aber er wird weiterkämpfen. Um mit Hertha auch am Saisonende zu den positiven Überraschungen zu gehören – und auch darum, Petkovic doch noch von seinen Stammplatzqualitäten zu überzeugen.

Wer Überraschungen zu schätzen weiss, dürfte an Eintracht Frankfurt Vergnügen haben. Denn der Tabellen-14. kann alles – ausser Langweile. Das hängt damit zusammen, dass Trainer Armin Veh kein grosser Freund des gepflegten Taktierens ist. An guten Tagen führt das zu wunderbaren Kombinationen und einer Vielzahl an Torchancen – an schlechten dazu, dass die offensiv ausgerichtete Eintracht fürchterlich vermöbelt wird. Zumindest dem Surseer Haris Seferovic dürfte diese stürmische Ausrichtung gelegen kommen. Der Angreifer will sich ja auch für die EM aufdrängen. In der Vorrunde kam er auf drei Tore, fünf Assists und eine Menge Kilometer für Frankfurt. Vor allem Letzteres macht ihn so wertvoll. Aber der 23-Jährige ahnt auch, dass dies auf Dauer zu wenig sein könnte: «Stürmer werden am Ende an ihren Toren gemessen. Das ist leider so.»

Wenn der im Kanton Schwyz aufgewachsene Ex-FC-Zürich-Stürmer Josip Drmic Spielpraxis hat, über ein intaktes Selbstvertrauen verfügt und sich in Topform befindet, ist er für fast jede Mannschaft ein Gewinn. Das Problem: Drmic (23) bekommt in Gladbach kaum Spielpraxis, sein Selbstvertrauen ist angeknackst, und von seiner Topform war er zuletzt auch ein ganzes Stück entfernt. Gerade zweimal stand er über die komplette Spielzeit auf dem Platz. Für einen Stürmer, der vor Saisonbeginn knapp 11 Millionen Euro gekostet hat, eine schlanke Bilanz. Und wenn sich seine Situation nicht deutlich verbessert, könnte es auch mit der EM-Teilnahme problematisch werden. «Wir haben viele gute Stürmer in der Schweiz», sagt er, «ohne Spielpraxis ist es schwierig, sich zu empfehlen.»

Eine Lösung könnte ein Wechsel sein. Bisher hat Gladbach alle Anfragen abgeblockt. Doch nun soll sich der englische Club West Ham United angeblich überlegen, fast 22 Millionen Ablöse für Drmic auf den Tisch zu legen. Ein Angebot, dass sich Gladbachs Manager Max Eberl zumindest mal anhören würde.