FUSSBALL: Roli Widmer: «Das ist Geschwätz»

Roli Widmer hat Zug 94 dank einer beeindruckenden Schlussphase der Saison zum Verbleib in der 1. Liga geführt. Trotz starker Reibungen in der Anfangszeit überzeugte der Trainer die Spieler von seinem Weg.

Raphael Biermayr
Drucken
Teilen
Zugs Trainer Roli Widmer ist auch während der Spiele mit Leidenschaft bei der Sache. (Bild: Maria Schmid (Zug, 27. Mai 2017))

Zugs Trainer Roli Widmer ist auch während der Spiele mit Leidenschaft bei der Sache. (Bild: Maria Schmid (Zug, 27. Mai 2017))

Interview: Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Roli Widmer hat sich gut gehalten für seine 51 Jahre. Kein Wunder, verdient der ehemalige Fussballprofi (Luzern, Xamax, Zürich) heute sein Geld doch als Personal Trainer in Zug. Seit Mitte März ist er zudem für das 1.-Liga-Team von Zug 94 verantwortlich. Widmer ist vom Drittligisten Baar abgeworben worden und hat den glücklosen Mark Adams beerbt. Der Beginn verlief harzig, nach der 0:2-Niederlage gegen Sursee am 22. April war das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft einer Zerreissprobe ausgesetzt – schliesslich hat man sich zusammengerauft. Seither hat Zug vier von fünf Spielen gewonnen und den Klassenverbleib souverän geschafft. Widmer erzählt ausführlich und mit schnellen Worten vom steinigen Weg und seiner Idee vom Fussball.

 

Roli Widmer, wie ist es, wenn man alles richtig gemacht hat?

Na ja, letztlich ist natürlich alles vom Erfolg abhängig. Aber es steckt viel Arbeit dahinter – und es soll ja auch Freude und Spass machen.

Wie es heisst, zählen Härte und Kasernenhofton genauso zu Ihren Erfolgsrezepten.

Ich musste der Mannschaft Disziplin und Ordnung beibringen, dafür braucht es eine gewisse Härte sowie schwierige Entscheidungen. Ich würde sagen, ich bin hart, aber fair.

Eine Entscheidung war, Daniel Feuchter im Spiel gegen Sursee nach 29 Minuten auszuwechseln. War das ein von Vornherein geplantes Zeichen an die Mannschaft, wenn es ihr nicht läuft?

Nein, das ist Blödsinn. Es hat nur mit der Leistung und der Disziplin auf dem Platz zu tun. Es ging – wie schon damals erklärt – darum, dass dieser Spieler sich nicht an die Vorgaben gehalten hat. Das verträgt es nicht, erst recht nicht im Abstiegskampf.

Am Montag nach diesem Spiel hat es eine Krisensitzung gegeben. Wie lief diese ab?

Jeder konnte sagen, was ihm missfällt. Der Sportchef hat mir am Ende den Rücken gestärkt und den Spielern klargemacht, dass jeder, der wolle, sofort gehen könne. Es war keine einfache Woche danach.

Trotzdem hat Zug die vier folgenden Matches gewonnen und stets mindestens vier Tore geschossen. Wie ist das möglich?

Das auf diese Sitzung folgende Spiel in Muri, das wir nach einer tollen Leistung 4:2 gewonnen haben, war entscheidend. Da ist etwas in den Spielern geweckt worden. Sie haben mir danach vertraut und an das neue System geglaubt. Wie sie den Plan umgesetzt haben, ist einfach fantastisch. Sie haben sich gegenseitig geholfen auf dem Platz – und Zusammenhalt schiesst eben Tore.

Sie arbeiten im selben Gebäude wie Zugs Vereinspräsident Beat Knoblauch. Hatte das einen Einfluss auf Ihre Verpflichtung als Trainer?

Nein, überhaupt nicht. Natürlich sieht man sich mal auf dem Gang. Ich hatte ihm auf seine Bitte hin sogar zwei, drei Namen angegeben von möglichen Kandidaten, bevor er mich fragte, ob ich mir das vorstellen könne.

Sie sind überrascht, dass Sie als vormaliger 3.-Liga-Trainer für diese Aufgabe angefragt worden sind?

Nein. Ich glaube, ich bin in der 1. Liga am richtigen Ort.

Was ist der Unterschied zur Arbeit in der 3. Liga?

Letztlich geht es überall um Menschen, in der Super League, in der 1. Liga oder in der 3. Liga. Aber es ist sicherlich am schwierigsten, 3.-Liga-Trainer zu sein, weil man mehr Kompromisse eingehen muss. Die Qualität der Spieler und deren Bereitschaft ist in der 1. Liga deutlich höher.

Haben Sie eigentlich darauf gepocht, dass der Vertrag länger läuft als nur bis zum Ende der Saison?

Ja. Ich hätte Baar nicht verlassen, wenn ich nur die Aussicht auf ein paar Monate in Zug gehabt hätte. Das wäre auch gegenüber den Spielern kein gutes Zeichen gewesen. Es wäre schwierig geworden für mich, Einfluss zu nehmen.

Sie sind zweimal mit Baar am Ziel Aufstieg gescheitert. Jetzt haben Sie mit Zug das Ziel Klassenverbleib erreicht. Ist Ihnen das wichtig?

Selbstverständlich ist es schön, persönliche Ziele zu erreichen. Aber in erster Linie geht es mir um die Mannschaft.

Zug 94 ist bekannt für seine grossen Pläne. Haben Sie schon den Auftrag erhalten, nächste Saison die Aufstiegsspiele zu erreichen?

(schmunzelt) Nein, aber ich habe solche Äusserungen von Zuschauern gehört, nachdem wir gegen den Tabellenführer Luzern und Baden gewonnen hatten. Das ist Geschwätz – ich bleibe da ganz cool. Wir dürfen nicht übermütig werden.

Was ist denn Ihr Ziel für die nächste Saison?

Zuerst muss ich wissen, wie die Mannschaft zusammengestellt ist. Aber ganz unabhängig davon muss ein Klub wie Zug 94 natürlich auch vorwärtskommen, das wird allerdings seine Zeit dauern. Das Wichtigste ist, dass der Verein eine attraktive Adresse für Spieler wird. Daran arbeiten wir.