FUSSBALL: Ronaldo und sein Tor für die Ewigkeit

Ein Rekord und ein Treffer wie ein Gemälde: Selbst die Anhänger von Juventus Turin applaudieren beim 0:3 zu Hause gegen Real Madrid dem überragenden Cristiano Ronaldo.

Micaela Taroni (sid)
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Grosse Kunst: Der Fallrückzieher von Cristiano Ronaldo, der zum 2:0 für Real Madrid führte. (Bild: Andrea Di Marco/EPA (Turin, 3. April 2018))

Grosse Kunst: Der Fallrückzieher von Cristiano Ronaldo, der zum 2:0 für Real Madrid führte. (Bild: Andrea Di Marco/EPA (Turin, 3. April 2018))

Micaela Taroni (SID)

sport@luzernerzeitung.ch

Die Flanke von Dani Carvajal flog butterweich von rechts in den Strafraum von Juventus Turin, Lucas Vazquez würde gleich nur noch mit dem Kopf einem Mitspieler vorlegen müssen – doch so weit kam es nicht: Plötzlich lag Cristiano Ronaldo quer in der Luft, als habe ihn dort jemand an unsichtbaren Seilen hingehängt, in einer Höhe von mehr als zwei Metern traf er den Ball mit dem rechten Fuss ... Tor. Und was für eines. Ein Treffer wie ein Gemälde, gezeichnet von einem Genie wie Leonardo da Vinci.

Es lief die 64. Minute im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League zwischen Juventus Turin und Real Madrid, und als Ronaldo seinen Fallrückzieher aus einem Katalog für Kunstwerke vollendet hatte, hielt es keinen im Stadion mehr auf seinem Sitz. Ja, auch die italienischen Zuschauer applaudierten begeistert, für dieses Meisterwerk von einem Tor gebührte dem Künstler Anerkennung. Am Spielfeldrand strich sich Trainer Zinedine Zidane, selbst ein grosser Meister, fassungslos über seinen kahlen Kopf.

«Dies ist eines der schönsten in der Geschichte des Fussballs», sagte Zidane über das zweite Tor beim 3:0, um mit einem Schmunzeln anzumerken: «Es ist vielleicht nicht so schön wie meines in Glasgow.» 2002 hatte Zidane im Endspiel der Champions League gegen Bayer Leverkusen kurz vor der Pause mit einem Volleyschuss von der Strafraumgrenze zum Endstand von 2:1 getroffen. Von der Bedeutung her war das Tor Zidanes wichtiger – schöner war wohl jenes von Ronaldo.

Auch Buffon schwärmt von Ronaldo

«Cristiano Ronaldo kann jetzt die Erde verlassen und anfangen, gegen die Marsmenschen zu spielen, hier hat er alles erreicht», schrieb Verteidiger Alvaro Arbeloa nach dem Spiel bei Twitter über seinen Teamkollegen. Gianluigi Buffon, diesmal nur Statist im Tor von Juventus, stellte Ronaldo auf eine Stufe mit den Jahrhundertfussballern Maradona und Pelé sowie dessen ewigem Rivalen Lionel Messi. Spielern wie diesen gelinge es stets, «für ihre Mannschaft Trophäen zu gewinnen».

Das Spiel in Turin war in der Tat ein Beweis für Ronaldos Grossartigkeit. Bereits sein erster Treffer an diesem Abend war bemerkenswert: Ronaldo ist damit der erste Spieler, der in der Königsklasse in zehn Spielen in Serie ein Tor erzielt hat, insgesamt war er sogar 16-mal erfolgreich. Am Dienstag legte der fünfmalige Weltfussballer auch noch den dritten Treffer für Madrid durch Marcelo auf.

In Erinnerung bleiben wird freilich dieses zweite Tor – auch Ronaldo. Als er gewahr wurde, dass ihm nach seinem Treffer für die Ewigkeit auch die Italiener applaudierten, da schloss er die Hände und verneigte sich. Dankbar. Und irgendwie gerührt von so viel ehrlicher Anerkennung für seine Kunst.