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FUSSBALL: Sarri lässt Napoli vom Scudetto träumen

Nach dem Tod von Florenz-Captain Davide Astori versucht die Serie A wieder in den Alltag zurückzufinden. Sportlich im Fokus: das Topspiel heute (20.45 Uhr) zwischen Inter Mailand und Napoli.
Carsten Meyer
Lässt Spektakel-Fussball spielen: Napoli-Trainer Maurizio Sarri. (Bild: Francesco Pecoraro/Getty (Neapel, 10. Dezember 2017))

Lässt Spektakel-Fussball spielen: Napoli-Trainer Maurizio Sarri. (Bild: Francesco Pecoraro/Getty (Neapel, 10. Dezember 2017))

Carsten Meyer

Es sind keine einfachen Zeiten, die der italienische Fussball dieser Tage erlebt. Der plötzliche Tod von Fiorentinas Captain Davide Astori (31) hat nicht nur seinen Club in Schockzustand versetzt, sondern die gesamte Serie A. Und an diesem Spieltag muss natürlich Platz sein für Trauer und Emotionen. Aber es muss auch weitergehen.

Vieles wird sich im sportlichen Bereich auf das heutige Spitzenspiel zwischen dem Fünften Inter Mailand und dem Tabellenersten SSC Neapel fokussieren (20.45 Uhr). Für Napoli geht es um einiges in dieser Partie. Sie führen bei einem Spiel mehr mit einem Punkt Vorsprung vor dem ewigen Meister Juventus Turin.

Schon in der vergangenen Saison schnupperte das Team von Trainer Maurizio Sarri (59) lange am Scudetto, ballerte alles kurz und klein, erzielte insgesamt 95 Tore – verlor am Ende aber die Balance, zu viele Spiele und wurde nur Dritter. Das soll sich in diesem Jahr ändern. Ganz Neapel träumt vom ersten Titelgewinn seit 1990, als der Stadtheilige Diego Maradona mit seinen Kunststückchen auf dem Rasen die Massen verzückte. Und Sarri verliert sich auch erst gar nicht in falscher Bescheidenheit: «Unser Ziel ist der Scudetto.»

Eine ganz spezielle Trainerkarriere

Dass er für so eine Aussage nicht ausgelacht wird, war bei seinem Amtsantritt 2015 nicht zu erwarten gewesen. Maradona verfiel damals jedenfalls fast in Schnappatmung, stieg von seinem Olymp und zürnte: «Er ist der falsche Coach für Neapel. Ich fürchte, unter ihm werden sie gegen den Abstieg kämpfen.» Andere Trainer hätten danach wahrscheinlich umgehend ihre Koffer gepackt und dem Club weiter gutes Gelingen gewünscht. Doch Sarri zuckte nicht mal mit der Wimper: «Diego kann sagen, was er will. Er wird immer mein Idol bleiben.»

Er hatte zu diesem Zeitpunkt auch schon zu viel erlebt, um sich noch verrücktmachen zu lassen. Sarri war damals ja schon 56 Jahre alt und hatte wahrscheinlich selbst nicht mehr damit gerechnet, irgendwann noch die grosse Fussballbühne betreten zu dürfen. Er war nie selbst Profi. Und seinen Lebensunterhalt verdiente Sarri als Angestellter bei der Banca Monte di Paschi, einem der grössten Kreditinstitute Italiens. Nebenbei tingelte er als Amateurtrainer durch die toskanische Provinz. Es folgten einige Stationen in der Serie B, wo er auch nicht gerade für eine Menge Ahs und Ohs sorgte. Man tritt Sarri nicht zu nahe, wenn man sagt: Seine Laufbahn schien sich in der Mittelmässigkeit gemütlich eingerichtet zu haben – bis er 2012 Trainer in Empoli wurde, den Verein in die erste Liga und dort zum Klassenverbleib führte. Danach übernahm er den Job in Napoli. Nicht nur Maradona hatte Zweifel.

Pep Guardiola ist begeistert

Doch Sarri liess sich nicht beirren. Er formte eine Mannschaft, die mittlerweile Fussballästheten in der ganzen Welt begeistert. Einer der glühendsten Anhänger sitzt in England und ist hauptberuflich Trainer bei Manchester City: Pep Guardiola. Wann immer es seine Zeit erlaubt, schaut er sich die Napoli-Spiele im Fernsehen an. «Ich sehe ihnen sehr gerne zu», sagt er. Und spätestens nachdem er in der Champions-League-Vorrunde (2:1, 4:2 für Manchester) die Gelegenheit zur persönlichen Begutachtung hatte, war er kaum noch zu bremsen vor Begeisterung: «Weder als Spieler noch als Trainer habe ich jemals einer Mannschaft wie Napoli gegenübergestanden. Niemals!» Und das, obwohl der Verein seine grössten Stars regelmässig verliert und sich auf dem Transfermarkt überraschend unauffällig verhält. Trotzdem begeistert Napoli weiter mit einem Spektakelfussball, wie man ihn in Italien bei den Erfindern des Catenaccio selten gesehen hat. Sie haben sogar ein eigenes Wort dafür erfunden: Sarrismius. Selbst Maradona hat mittlerweile den verbalen Gang nach Canossa angetreten: «Ich lag falsch bei ihm. Ich bitte um Verzeihung. Mit Maurizio Sarri kann Napoli endlich wieder Meister werden.»

Das wird sich in den kommenden zwei Monaten zeigen.

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