Fussball
SC Kriens vom 2:0 zum 2:2 – die Nerven in Kriens liegen blank

Endlich wieder Zuschauer, wenn auch nur auserwählte 100: Sie erlebten in Kriens einen dramatischen Match. Das Heimteam ging gegen den FC Wil früh mit 2:0 in Führung und zitterte später bis zum Schlusspfiff um wenigstens einen Punkt. Kurz vor der Pause sorgte ein Schiedsrichterentscheid beinahe für einen Aufstand.

Turi Bucher
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Die Krienser zeigten sich am Ende zufrieden mit dem gewonnenen Punkt, denn sie hatten die ganze zweite Halbzeit mit einem Mann weniger überstehen müssen. Nur ein Punkt nach einer 2:0-Führung, das kann es nicht sein. Aber nach der Szene in der 42. Minute, die das ganze Spiel auf den Kopf stellte, müssen sie sich beim SCK am Schluss sagen: lieber ein Punkt als gar keiner.

Der Krienser Dario Ulrich in Bedrängnis zweier Wiler.

Der Krienser Dario Ulrich in Bedrängnis zweier Wiler.

Bild: Nadia Schaerli (Kriens, 24. April 2021)

Zuvor hatten die Krienser den Gegner aus der Ostschweiz scheinbar vorzeitig ausgeknockt: In der 4. Minute donnerte via Traumangriff über Sessolo-Costa-Mulaj der 1:0-Paukenschlag durchs Kleinfeld. Dario Ulrich stand in der Mitte des Wiler Strafraums und schob die Hereingabe von Liridon Mulaj zur 1:0-Führung ins Wil-Tor. Nach elf Minuten stand es schon 2:0: Diesmal bediente Ulrich SCK-Stürmer Mark Marleku, der auf dieselbe Weise traf. Wieder war Helios Sessolo der Ausgangspunkt des Angriffs gewesen.

Wenn Marleku das 3:0 erzielt hätte

2:0 nach 11 Minuten – ziemlich früh, um schon von einer Vorentscheidung in diesem Spiel zu sprechen. Allerdings hätte Marleku in der 17. Minute alleine vor Wil-Torhüter Philipp Köhn das 3:0 erzielen müssen. Dann, ja dann wäre … doch U21-Nationalkeeper Köhn parierte.

«Nach einer halben Stunde schlich sich bei uns der Schlendrian ein», analysierte Kriens-Trainer Bruno Berner am Schluss. «Das werden meine Spieler im nächsten Training noch von mir zu hören bekommen.» Denn dann kam jene Szene in der 42. Minute, welche die Krienser Fans toben liess. Schiedsrichter David Huwiler, der schon zuvor einige Male Mühe zu haben schien, dem intensiven Tempo des Spiels folgen zu können, entschied auf Penalty gegen Kriens.

Was war passiert? Eben, Schlendrian im Krienser Strafraum, eine Situation wurde nicht richtig geklärt, bis der Ball SCK-Captain Elia Alessandrini an den Arm sprang. Alessandrinis Arm schien nicht wirklich aktiv zum Ball zu gehen, das bestätigte er am Schluss auch selber: «Der Schiedsrichter sagte mir, ich hätte das Tor verhindern wollen. Das stimmt so nicht. Ich habe den Arm am Körper, der Ball springt mir an den Ellbogen.» Es kam noch schlimmer für Kriens: Huwiler zückte die rote Karte, schickte Alessandrini vom Platz. Nun schien die Situation auf der Zuschauertribüne ausser Kontrolle zu geraten, die Krienser fühlten sich betrogen.

SCK-Sportchef sprintet an die Seitenlinie

Plötzlich stand sogar Kriens-Sportchef Bruno Galliker an der Seitenlinie und gestikulierte in Richtung Schiedsrichter. Gallikers Nerven lagen derart blank, dass er in der Pause des Spiels das Stadion verliess. «Ich bin Richtung Eigenthal gefahren, um mich zu beruhigen. Ich habe dem Schiedsrichter an der Seitenlinie nur gesagt, dass ich an seine Fairness appelliere.» Es war ein höchst umstrittener, wohl auch fragwürdiger Schiedsrichterentscheid.

Der Wiler Leo Mätzler im Kopfballduell gegen den Krienser David Mistrafovic.

Der Wiler Leo Mätzler im Kopfballduell gegen den Krienser David Mistrafovic.

Bild: Nadia Schaerli (Kriens, 24. April 2021)

Der Wiler Valon Fazliu verwertete den Penalty zum 1:2 aus Wiler Sicht, und nach dem Seitenwechsel fand ein einziger Sturmlauf aufs Krienser Tor statt. Das in Unterzahl kämpfende Kriens widerstand dem Druck lange Zeit, hatte bei Silvios Pfostenschuss in der 71. Minute Glück. Zehn Minuten später skorte Bledian Krasniqi nach einer Wiler Kombination in den Strafraum zum 2:2-Ausgleich. Die unterdessen erschöpften Krienser überstanden immerhin die letzten 13 Minuten noch, verbuchten im Abstiegskampf einen Punkt.

Der Präsident schlichtet und ärgert sich

Kriens-Präsident Werner Baumgartner versuchte nach dem Schlusspfiff zwischen dem aufgebrachten Publikum und dem vom Feld laufenden Schiedsrichtert-Team zu schlichten, ärgerte sich selber aber auch kopfschüttelnd: «So machte es einfach keine Freude. Der Schiedsrichter hatte bei dieser Szene vor der Pause sehr viel Interpretationsspielraum und reizte für eine Entscheidung alles gegen uns aus.»

Es waren dramatische 94 Minuten, und auch die Tabellensituation im Abstiegskampf bleibt fünf Runden vor Schluss dramatisch. Am Freitag schon hatte der Tabellenletzte Chiasso mit einem 2:1-Heimsieg gegen das Spitzenteam von Stade Lausanne-Ouchy vorgelegt und beeindruckt. Neuchâtel Xamax allerdings ging in Schaffhausen 0:3 unter: 8. Rang Kriens 31 Punkte; 9. Xamax 30; 10. Chiasso 29. Einen wird es erwischen, einer steigt ab.

Kriens – Wil 2:2 (2:1)

Kleinfeld. – 100 Zuschauer. – SR Huwiler.

Tore: 4. Ulrich 1:0. 11. Marleku 2:0. 43. Fazliu (Handspenalty) 2:1. 81. Krasniqi 2:2.

Kriens: Brügger; Urtic, Alessandrini, Kryeziu, Costa; Ulrich (81. Follonier), Mistrafovic, Selasi (46. Bürgisser), Mulaj (65. Kukeli), Sessolo (46. Berisha), Marleku (76. Djorkaeff).

Wil: Köhn; Dickenmann, Mätzler (46. Muntwiler), Kronig, Schäppi (88. Ndau); Kamber (56. Zumberi), Krasniqi; Tushi (19. Brahimi), Fazliu, Haile-Selassie; Silvio.

Bemerkungen: Kriens ohne Busset (verletzt). Wil ohne Izmirlioglu und Ismaili (beide verletzt). 45. Pfostenschuss Fazliu. 71. Pfostenschuss Silvio. Platzverweis: 42. Alessandrini (Hands). Verwarnungen: 7. Selasi, 45. Kryeziu, 82. Schäppi (Fouls).