FUSSBALL: Schweiz gegen Färöer: Und wer schiesst die Tore?

Die Probleme der Schweizer sind nicht neu. Sie beschäftigten Vladimir Petkovic schon während der Euro 2016. Wie sollen diese gegen die Färöer-Inseln gelöst werden?

Andreas Ineichen
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Er soll für Torgefahr sorgen: der Surseer Haris Seferovic (am Kopfball) beim Training mit seinen Nationalmannschaftskollegen. (Bild: Keystone)

Er soll für Torgefahr sorgen: der Surseer Haris Seferovic (am Kopfball) beim Training mit seinen Nationalmannschaftskollegen. (Bild: Keystone)

Es ist die Nummer 74 der Welt, die die Schweiz mit den Färöer-Inseln morgen Sonntag in Luzern (18.00, Swissporarena) beim WM-Qualifikationsspiel, dem letzten Pflichtspiel 2016, schlagen muss, um stramm auf Kurs zur WM 2018 nach Russland zu bleiben. Das darf kaum eine echte Herausforderung sein für die mit drei Siegen optimal in die Qualifikation gestartete Schweiz, die Nummer 14 der Fifa-Weltrangliste. Oder doch?

Die Sorgen von Vladimir Petkovic haben verschiedene Ursachen. Im Offensivspiel plagen ihn die verletzungsbedingten Absenzen von Xherdan Shaqiri und Breel Embolo. Beide Kreativköpfe müssen gegen die Färöer passen. Was kümmert es Petkovic, möchte man meinen? Schliesslich hat der Nationaltrainer in dieser WM-Kampagne schon beim 2:0 gegen Europameister Portugal den Ausfall von Shaqiri und später jenen von Granit Xhaka beim 3:2 gegen Ungarn siegreich überwunden. Und ja, während der letzten EM in Frankreich rankten sich die Zweifel um die Torjäger-Qualitäten von Haris Seferovic. Trotz seiner Ladehemmungen schaffte es die Schweiz wenigstens in die Achtelfinals.

Die Krux jetzt aber ist: So erfreulich der momentane Punktestand der Schweiz auch ist, die laufende Kampagne zur WM-Qualifikation könnte zum Schluss durchaus aufgrund des Torverhältnisses entschieden werden. Dann nämlich, wenn die Schweiz in Portugal nicht mindestens ein Unentschieden holt. Aktuell weist Portugal ein wesentlich besseres Torverhältnis als die Schweiz auf. Auch, weil die Portugiesen – so ganz anders als die Schweizer – mit Ronaldo eine eigentliche «Tormaschine» in ihren Reihen wissen.

Innenverteidigung als Dauerbaustelle

In der Defensive präsentiert sich die Innenverteidigung aufgrund der Leistungskraft im Verein als Dauerbaustelle. HSV-Captain Johan Djourou ist entweder verletzt oder in seiner Position bestimmt nicht unbestritten. Sein designierter Partner, Fabian Schär, läuft beim ersten Engagement im Ausland (TSG Hoffenheim) seinem Rendement hinterher und kommt seit fünf Meisterschaftsspielen nicht mehr zum Einsatz.

Johan Djourou und Fabian Schär haben vor allem mit ihren EM-Auftritten ein gutes Gefühl bei Petkovic hinterlassen. Auch wenn sie nicht fehlerfrei spielten – sie haben in den vier Spielen gegen Albanien, Rumänien, Frankreich und Polen nur einen Gegentreffer aus dem Spiel heraus zugelassen. Und Schär strahlt gerade bei Standards Torgefahr aus – so markierte er den Siegtreffer zum 1:0 gegen Albanien und in der WM-Qualifikation das 1:0 gegen Andorra mittels Penalty. Nico Elvedi (20) und Léo Lacroix (24) werden in der Schweizer Innenverteidigung der Zukunft eine wichtige Rolle spielen können. Und die könnte schon bald beginnen.

Drängender scheint die Frage zu sein: Wer schiesst denn eigentlich die Tore gegen die Färöer-Inseln? Wahrscheinlich wird Petkovic im linken Mittelfeld den Krienser Valentin Stocker, in der Mitte Blerim Dzemaili und rechts Admir Mehmedi bringen. Als einziger Stürmer wird der Surseer Haris Seferovic zum Zug kommen. Das Quartett bringt es zusammen auf 28 Tore in 175 Länderspielen – ein Wert, vor dem nicht mal die Färinger zusammenzucken werden. Doch es gibt auch den positiven Aspekt: Die Schweiz hat in der WM-Kam­pagne einen Lauf, zu dem Mehmedi zwei seiner bisher sieben Tore beigetragen hat, Seferovic eines von acht und Stocker eines von sechs. Ihr Selbstvertrauen sollte zumindest intakt sein.

Die Alternativen für Petkovic

Falls Petkovic der Spielstand und das Geschehen auf dem Platz zum Eingreifen zwingen sollten, hat er Alternativen: Er kann Renato Steffen auf rechts laufen lassen, Mehmedi könnte nach links wechseln und Stocker in die Mitte rücken, wie er das neuerdings auch beim Hertha BSC macht. Noch viel frecher wäre die Variante mit Edimilson Fernandes hinter der Spitze. Aber das mutet Petkovic sich und dem Spieler, der vor seinem Debüt für die Schweiz steht und während der Woche erst noch über Halsschmerzen klagte, wohl kaum zu.

Schliesslich hat der Nationaltrainer bisher auch ohne Risiko einen Weg zum Sieg gefunden.

Hinweis

Schweiz - Färöer in der Luzerner Swissporarena ist ausverkauft. Die aktuellen Resultate in der WM-Qualifikation und einen Bericht über das Training der Färöer in Emmen finden Sie auf Seite 32.

Andreas Ineichen