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FUSSBALL: Sechs Klubs sind am Zittern

Der spannendste Abstiegskampf aller Zeiten in der Deutschen Bundesliga: Noch kann es sechs Klubs erwischen, insgesamt gibt es 48 verschiedene Varianten. Ein Streifzug durch die Republik.
Fliegt der Schweizer Johan Djourou (unten Leverkusens Stefan Kiessling) mit dem HSV in die 2. Bundesliga? (Bild: EPA/Caroline Seidel)

Fliegt der Schweizer Johan Djourou (unten Leverkusens Stefan Kiessling) mit dem HSV in die 2. Bundesliga? (Bild: EPA/Caroline Seidel)

Benjamin Miltner und Denis Raiser

Hertha BSC (Platz 13/35 Punkte/35:50 Tore)

Von allen abstiegsbedrohten Teams gehen die Berliner mit den besten Aussichten in den Saisonfinal. Es droht maximal ein Abrutschen auf einen Relegationsplatz, und auch das nur unter unglücklichen Umständen. Dass Hertha noch nicht gerettet ist, hängt auch damit zusammen, dass Toptorschütze Julian Schieber seit Wochen ausfällt und Vertreter Salomon Kalou fast genauso lange schon Ladehemmung hat. Dennoch überwiegt das Positive, seit Trainer Pal Dardai das Amt von Jos Luhukay angetreten hat – vor allem für zwei Innerschweizer. Captain Fabian Lustenberger dirigiert eine Defensive, die im Schnitt weniger als ein Tor pro Spiel kassiert. Und Valentin Stocker ist neben Linksverteidiger Marvin Plattenhardt der grösste Profiteur des Trainerwechsels. An den elf Toren, die Hertha unter Dardai erzielt hat, war er an acht beteiligt.

Abstiegswahrscheinlichkeit: 1%

SC Freiburg (Platz 14/34 Punkte/35:45 Tore)

Durch den Last-Minute-Sieg gegen den Meister Bayern München hat sich der SC Freiburg eine gute Ausgangsposition geschaffen. Da die Breisgauer das mit Abstand beste Torverhältnis aller Abstiegskandidaten haben, reicht im Showdown in Hannover sogar schon ein Punkt. «Wir dürfen jetzt aber nicht anfangen zu spinnen», warnt Freiburgs Trainer-Irrwisch Christian Streich, «aber wir sind ehrgeizig und werden mit allem kämpfen, was wir haben.» Für Zuversicht, dass der letzte Schritt zur Rettung gelingt, sorgen auch zwei Nati-Spieler: Goalie Roman Bürki spielt eine überragende Saison und rettete Freiburg schon einige Punkte. Dazu hat Stürmer Admir Mehmedi rechtzeitig zu alter Form und Torgefährlichkeit zurückgefunden.

Abstiegswahrscheinlichkeit: 9%

Hannover 96 (Platz 15/34 Punkte/38:55 Tore)

16 Spiele ohne Sieg, schwächstes Rückrundenteam, punktende Konkurrenz – bis letzten Samstag sprach alles für den Abstieg von Hannover 96. Dann siegte der Klub überraschend mit 2:1 in Augsburg. Hannover scheint gerade noch die Kurve zu bekommen. Vor allem weil Captain Lars Stindl sich nicht als Absteiger gen Gladbach verabschieden will und zuletzt sieben Tore in acht Spielen erzielte. Und weil Neutrainer Michael Frontzeck Teamgeist und Optimismus zurückbrachte sowie eine Stammelf fand. «Er trifft klare Entscheidungen, macht klare Ansagen und setzt sich durch», lobt Klubpatron Martin Kind. Frontzecks dreifache Motivation: Bei Klassenerhalt ist er der gefeierte Retter, erhält eine Prämie von über 500 000 Franken – und wohl auch einen Anschlussvertrag.

Abstiegswahrscheinlichkeit: 20%

VfB Stuttgart (Platz 16, 33 Punkte, 40:59 Tore)

In Stuttgart werden seit Jahren schlechte Entscheidungen getroffen, deswegen steckt der VfB erneut in Abstiegsgefahr. Aber zuletzt hat der Verein eine Reihe Psychotricks angewandt. Erstens: Ruf den Pokalmodus aus! Nach dem Viertelfinal gegen Mainz (2:0) und dem Halbfinal gegen Hamburg (2:1) geht es nun in den Final nach Paderborn. Zweitens: Ruf Tiernamen! So beschimpfte Trainer Huub Stevens seine Spieler jüngst als Affen und provozierte eine Trotzreaktion. Drittens: Ruf den Messias! Seit Jahren gilt Daniel Didavi als die Spielmacherhoffnung, aber auch als ewiger Patient. Vergangene Saison führte er den VfB in den letzten sieben Spielen von Platz 17 aus zum Ligaerhalt. Diesmal kam er am 30. Spieltag zurück und hätte mit einem Sieg in Paderborn seine Mission erneut erfüllt.

Abstiegswahrscheinlichkeit: 30%

Hamburger SV (Platz 17/32 Punkte/23:50 Tore)

Bruno Labbadia versuchte, auch in grösster Not Gelassenheit auszustrahlen. Also sagte der Hamburger Trainer dieser Tage: «Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren.» Leichter gesagt als getan. Der Dino der Liga ist auf Rang 17 abgerutscht, es droht der erste Bundesliga-Abstieg der Historie – nach 51 Jahren und 272 Tagen. Und es gibt nicht wenige, die behaupten: Verdient wäre es nach dem Chaos der letzten Jahre. Zu den Vertretern dieser Meinung gehört wohl auch Bremens Zlatko Junuzovic: «Es wäre schon gut, wenn die Hamburger mal für ein Jahr 2. Liga spielten. Hannover, Freiburg, Stuttgart – die haben eine richtig gute Spielanlage.» Der HSV um Johan Djourou und Valon Behrami hat nur noch das Prinzip Hoffnung. Wenn Stuttgart gewinnt und Hannover sowie Freiburg die Punkte teilen, dann wird es das gewesen sein mit der Bundesliga. Dann wäre der Dino erlegt.

Abstiegswahrscheinlichkeit: 60%

SC Paderborn 07 (Platz 18/31 Punkte/30:63 Tore)

Nach dem Eigentor von Uwe Hünemeier und der unglücklichen Niederlage gegen den FC Schalke 04 am letzten Spieltag herrschte eine Stimmung, als sei der Aufsteiger bereits abgestiegen. «Das sass sehr tief», gibt Trainer André Breitenreiter zu. Die Ausgangslage für das Schlusslicht ist denkbar ungünstig. Gegen den VfB Stuttgart hilft nur ein Sieg, um zumindest noch die theoretische Chance auf die Barrage zu wahren. Breitenreiter gibt sich dennoch kämpferisch: «Wir spielen in unserem Stadion. Die Jungs brennen.» Für das Wunder hofft Paderborn auf Schützenhilfe von Schalke gegen den Hamburger SV – und auf die Extraportion Glück durch 51 Schornsteinfeger in der Benteler-Arena.

Abstiegswahrscheinlichkeit: 80%

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