FUSSBALL: Sein Wort hat Gewicht

Der Drittligist Rotkreuz hat sich massiv verstärkt und steht vor dem Derby in Steinhausen an der Spitze. Der Captain Arnel Mehicic hat die Spieler unterschiedlicher Herkunft zusammengeführt – auch mittels Ballons.

Martin Mühlebach
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Arnel Mehicic (im Sportpark Rotkreuz) ist bereit für grosse Taten.

Arnel Mehicic (im Sportpark Rotkreuz) ist bereit für grosse Taten.

Martin Mühlebach

sport@zugerzeitung.ch

Arnel Mehicic ist im Sommer zu seinem Stammverein Rotkreuz zurückgekehrt. Der 29-jährige schweizerisch-bosnische Doppelbürger war dem Verein bereits im Alter von fünf Jahren beigetreten, genoss später die Ausbildung im Nachwuchs des FC Luzern und spielte dann unter anderen beim Erstligisten Zug 94. «Ich erinnere mich noch gerne an diese Zeit, wo wir unter Trainer Ivan Dal Santo die Aufstiegsspiele zur Promotion League bestritten», sagt Mehicic über seine Zuger Zeit. Nach diesem Engagement überzeugte der offensive Mittel­feldspieler bei den interregiona­len Zweitligisten Goldau und Eschen­bach als genauer Passgeber und eiskalter Vollstrecker.

Für Aussenstehende mag es überraschen, dass der voll im Saft stehende Fussballer trotz Angeboten von oberklassigen Vereinen in die 3. Liga gewechselt hat. Mehicic erklärt: «Ich betrachte diesen Wechsel keineswegs als Abstieg. Der FC Rotkreuz ist ein innovativer Verein, der sich weiterentwickeln will. Da ich seit meiner Geburt in Rotkreuz lebe und in der örtlichen UBS als Kundenberater arbeite, will ich meinen Beitrag zu dieser Weiterentwicklung leisten.»

Das will auch der ebenfalls in seit vielen Jahren im Eisenbahnerdorf wohnhafte Rohstoffhändler René von Euw. Er stellt dem Verein fünf seiner Angestellten zur Verfügung, die zuvor beim FC Wangen bei Olten spielten, der im Sommer aus der 1. Liga in die 2. Liga interregional abgestiegen ist. Von Euw betont: «Es macht mir Freude, dem FC Rotkreuz, der über eine grosse Nachwuchsabteilung und eine tolle Infrastruktur verfügt, bei der Weiterentwicklung mithelfen zu können. Ich hoffe, dass wir am Ende der laufenden Saison den Aufstieg in die 2. Liga regional feiern können.» Dann ergänzt er: «Es wäre wohl kaum möglich, die fünf erstligaerprobten Spieler eine weitere Saison in der 3. Liga auflaufen zu lassen.»

Bindeglied zwischen Jungen und Routiniers

Arnel Mehicic bestätigt: «Alle fünf von René von Euw zur Verfügung gestellten Spieler sind grossartige Fussballer und Persönlichkeiten. Dragan Gyorgiev, eine typische Nummer 10, spielte in der A-Nationalmannschaft von Mazedonien.» Über viel fussballerisches Können verfügen auch die beiden anderen Mazedonier, der Stürmer Cvetan Churlinov und der Aussenverteidiger Aleksander Milushev, sowie die beiden Brasilianer Gustavo Campello (offensiver Mittelfeldspieler) und Alan Nabarro (defensiver Mittelfeldspieler). Mehicic sagt: «Als Captain fungiere ich unter anderem als Bindeglied zwischen unseren jungen Spielern und den zugezogenen Routiniers. Es liegt mir sehr am Herzen, das gegenseitige Verständnis zu fördern und das ganze Team zu einer geschlossenen Einheit zusammenzuschweissen.»

Um zu zeigen, dass man beidseitig aufeinander zugehen müsse, um erfolgreich sein zu können, habe er vor dem ersten Meisterschaftsspiel mit den Namen der Spieler versehene Ballons in der Dusche platziert. Jeder Akteur habe einen Ballon behändigen und ihn anschliessend dem richtigen Adressaten überbringen müssen. Die Übung verfehlte ihren Zweck nicht: Der FC Rotkreuz fuhr in den drei bisher gespielten Meisterschaftspartien sieben Zähler ein und liegt punktgleich mit Zug 94 II an der Tabellenspitze der Gruppe 1.

«Da ich einen offenen, hilfsbereiten und ehrgeizigen Charakter habe, bin ich gerne mit Menschen zusammen. Ihr Status ist zweitrangig. Für mich zählen nur die inneren Werte», sagt Mehicic. Sein Wort hat Gewicht, zumal er auch ganz klar festhält: «Leute, die gegen alles und jeden Vorurteile haben, ohne sich ein eigenes Bild zu machen, sind mir ein Graus. Es wäre gut, wenn sie Probleme zuerst gründlich hinterfragen würden, statt mit vorgefassten Meinungen Panik zu verbreiten.»

Dank an seine Schwester Arnela

Im Leben des Arnel Mehicic geniessen seine Eltern, seine Schwester Arnela (25) und seine Freunde, zu denen auch der bei Hertha BSC spielende Fabian Lustenberger zählt, einen hohen Stellenwert. «Ein grosser Dank gebührt Arnela. Als Volleyballspielerin weiss sie aus eigener Erfahrung, wie wichtig ein starker Rückhalt ist. Sie hat meine Fussballkarriere wachsam verfolgt, und wenn ich verletzt war, hat sie mir stets mit aufmunternden Worten geholfen, den Glauben an eine schnelle Genesung nicht zu verlieren», betont Arnel Mehicic.

Morgen Abend tritt der FC Rotkreuz zum Derby in Steinhausen an (20 Uhr, Eschfeld). «Wenn wir an unsere bisherigen Leistungen anzuknüpfen vermögen, liegt ein Sieg im Bereich des Möglichen. Einfach wird es allerdings nicht, denn Steinhausen, das ein mit jungen und erfahrenen Spielern bestücktes Team stellt, wird ein aufsässiger Gegner sein», weiss der Rotkreuzer Captain.