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FUSSBALL: Showdown im «Keller» der deutschen Fussball-Bundesliga

In der Bundesliga kämpfen am Samstag (15.30 Uhr) noch drei Teams um den Klassenverbleib. Die Vorzeichen könnten unterschiedlicher nicht sein.
Carsten Meyer
Trotz drohendem Abstieg besuchten rund 2000 HSV-Anhänger das Training am Donnerstag. (Bild: Daniel Bockwoldt/Keystone (Hamburg, 10. Mai 2018))

Trotz drohendem Abstieg besuchten rund 2000 HSV-Anhänger das Training am Donnerstag. (Bild: Daniel Bockwoldt/Keystone (Hamburg, 10. Mai 2018))

Carsten Meyer

sport@luzernerzeitung.ch

SC Freiburg (15. Platz) 33 Punkte/30:56 Tore

Wer wissen will, was der Abstiegskampf mit einem Menschen machen kann, der muss sich dieser Tage nur Christian Streich ansehen. Die letzte Partie hatte seine Mannschaft mit 1:3 gegen Gladbach verloren. Und danach war der Freiburger Trainer mit den Nerven fix und fertig. Das Haar stand wirr in alle Richtungen ab, die Falten waren so gross wie der San-Andreas-Graben, und seine Pupillen sprangen fast aus den Augenhöhlen. «Ich bin froh, dass wir den letzten Spieltag vor uns haben», berichtete Streich und stöhnte gequält auf: «Das ist ja nicht mehr zum Aushalten, das kann man nicht mehr verkraften.»

Dabei ist er mit seiner Mannschaft in einer vermeintlich komfortablen Ausgangssituation. Erstens reicht ein Punkt zur sicheren Rettung. Zweitens ist der direkte Abstieg nicht mehr möglich. Und drittens ist man in Freiburg schon vom ersten Spieltag an auf solch ein Szenario vorbereitet. «Hier weiss jeder, dass so ein Saisonverlauf immer möglich ist», sagt Captain Julian Schuster. Das trifft nicht nur auf Mannschaft und Trainer zu – sondern auch auf die Fans. Sie stärken ihrem Team in schwierigen Situationen den Rücken. Das beste Beispiel dafür: Die 24 000 Tickets für das «Endspiel» gegen Augsburg waren bereits innerhalb von zwei Minuten vergriffen.

VfL Wolfsburg (16. Platz) 30 Punkte/32:47 Tore

Es gibt aktuell einen neuen Hit, der sich vor allem bei den Fussball-Fans in Wolfsburg grösster Beliebtheit erfreut: «Wir steigen ab, wir kommen nie wieder – wir haben Bruno Labbadia.» Der 52-Jährige ist seit dem 20. Februar Trainer des VfL. Und immer wenn Labbadia im Februar, März oder April einen Job übernimmt, heisst das meist nichts Gutes für den jeweiligen Verein. Denn Labbadia ist eine Art Handlungsreisender in Sachen Abstiegsvermeidung, der immer dann gerufen wird, wenn es langsam, aber sicher zappenduster wird im Liga-Keller. Doch vor dem Spiel gegen Köln hat selbst der erfahrene Coach grösste Mühe, den Lichtschalter zu finden. Sein bisheriger Punkteschnitt beträgt überschaubare 0,6 pro Spiel – und die Tageszeitung «Die Welt» titelte schon: «Feuerwehrmann ohne Wasser und Schlauch».

Doch statt Kritik erntet Labbadia vor allem: Mitleid. Mehr Chaos als in Wolfsburg gab es noch selten. Die Aufsichtsräte tauchen ab, der Manager ist längst freigestellt, die Kaderzusammenstellung ein einziger fussballerischer GAU, die Spieler komplett verunsichert – und die Anhänger auf den Barrikaden. «Das ist alles nicht optimal gelaufen», kam auch Mittelfeldspieler Maximilian Arnold zu einer naheliegenden Feststellung, «die Unruhe zieht sich durch alle Ebenen wie ein roter Faden.»

Hoffnung macht, dass zumindest Platz 16 in greifbarer Reichweite ist. Weniger Hoffnung, weil danach noch zwei Barrage-Spiele anstehen würden. An den direkten Klassenverbleib glaubt sowieso kaum noch jemand.

Doch Labbadia gibt tapfer den Optimisten. Er sagt: «Ich kenne solche Situationen, wie wir sie gerade haben, konnte sie schon des Öfteren meistern – und habe einen Plan, wie wir an das Spiel herangehen.» Die Fans sind gespannt darauf.

Hamburger SV (17. Platz) 28 Punkte/27:52 Tore

Der Hamburger SV hat von den drei Teams faktisch die schlechtesten Voraussetzungen. Wenn Freiburg und Wolfsburg ihre Spiele gewinnen, können die Hamburger Gladbach mit Glanz und Gloria aus dem Stadion schiessen – und steigen trotzdem erstmals in ihrer langen Bundesliga-Geschichte ab.

Das ist nicht unwichtig, an dieser Stelle explizit zu erwähnen. Sonst glaubt man es vielleicht nicht, wenn man die Bilder vom Donnerstagstraining der Hanseaten sieht. 2000 Fans waren gekommen, mit bester Laune und aufmunternden Transparenten. Auf einem wurden gar höhere Mächte angefleht: «Vater unser im Fussball-Himmel, führe uns nicht in die 2. Liga, sondern erlöse uns von dem Abstiegs-Fluch. Amen – nur der HSV.» Trainer Christian Titz war sehr angetan von dieser Aktion: «Dass die Spieler spüren konnten, dass die Leute an sie glauben, gibt ihnen richtig Selbstvertrauen.»

Darum ist es aktuell sowieso ganz gut bestellt. Und wer den Hamburger SV noch vor zwei Monaten erlebt hat, hält schon alleine das für ein mittleres Wunder. Als Christian Titz sein Amt antrat, lag der komplette Club am Boden. «Wer hätte damals gedacht, dass wir am letzten Spieltag überhaupt noch eine Chance haben», fragt Titz – und gibt die Antwort gleich selbst: «In den Augen der meisten ging es darum, dass wir überhaupt mal wieder ein Spiel gewinnen.»

Das haben die Hamburger geschafft, dazu noch mit attraktivem Fussball – weshalb eine Entscheidung schon vor dem letzten Spieltag gefallen ist: Christian Titz wird Trainer bleiben. Egal, ob in der ersten oder zweiten Bundesliga.

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