FUSSBALL: So sieht Markus Babbel die Neuen

Markus Babbel verlangt vom FCL morgen (16.00, SRF 2) beim Start in Basel eine geschlossene Teamleistung. Von den Neuzugängen hält er nur Christian Schneuwly für bereit.

Interview Daniel Wyrsch
Drucken
Teilen
FCL-Trainer Markus Babbel impft seinen Spielern eine offensive Mentalität ein – auch für das Sonntagsspiel in Basel. (Bild: Freshfocus/Martin Meienberger)

FCL-Trainer Markus Babbel impft seinen Spielern eine offensive Mentalität ein – auch für das Sonntagsspiel in Basel. (Bild: Freshfocus/Martin Meienberger)

Markus Babbel, was erwartet den FCL zum Rückrundenstart in Basel?

Markus Babbel: Eine extrem leichte Aufgabe ... (schmunzelnd). Es freut uns natürlich, dass es am Sonntag wieder losgeht, denn die Vorbereitungszeit ist für alle immer wieder etwas mühsam. Jetzt geht es Gott sei Dank los. Gegen den Klassenprimus der Schweiz, den Tabellenführer, die bekannteste Mannschaft des Landes. Ein tolles Team, genau das ist ja der Reiz an der Geschichte: in Basel vor einem grossen Publikum, eine tolle Leistung zu zeigen. Darauf freue ich mich, weil ich selber gespannt bin, wo wir eigentlich stehen.

Ist es zum Start ein guter Moment, gegen Basel zu spielen, weil die Basler ebenfalls nicht wissen, wo sie nach den vielen Spielerwechseln stehen?

Babbel: Die Frage ist schwierig zu beantworten. Fakt ist, die wissen noch nicht, wo sie stehen. Das ist ähnlich wie bei uns. Trotzdem kommt da eine Klassemannschaft auf uns zu. Da will ich von meinem Team – unabhängig vom Resultat – eine Leistung auf den Platz bekommen. Wir müssen als Mannschaft auftreten und alles dafür tun, um etwas Zählbares mitzunehmen.

Dario Lezcano und Remo Freuler sind zwei gewichtige Abgänge, dafür sind mit Christian Schneuwly, Markus Neumayr und Michael Frey drei erfahrene Spieler dazugekommen. Wie hat sich dadurch das Gesicht des FCL verändert?

Babbel: Das Gute ist, dass die neuen Jungs sehr gut zu uns passen. Es gibt keine sprachliche Barriere. Alle drei kennen die Liga sehr gut. Bei Christian Schneuwly ist der Vorteil, dass er relativ früh zu uns gestossen ist. Von daher tut er sich mit diversen Abläufen wesentlich leichter als es derzeit noch Markus Neumayr und Michael Frey tun. Sie brauchen natürlich noch ein bisschen mehr Zeit, um die Dinge so auszuführen, wie wir uns das vorstellen.

Haben Sie Bedenken, dass sie dazu noch länger brauchen?

Babbel: Ich bin guten Mutes, dass es schnell geht, weil sie eben gewillt sind. Man merkt, sie brennen, sie haben Feuer. Wenn du mit so einer Mentalität an eine Sache herangehst, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass man sich schnell zurechtfindet. Vor allen Dingen ist es auch eine grosse Chance für die anderen und nicht nur für die Neuzugänge. Sie können gewissermassen aus dem Schatten von Remo Freuler und Dario Lezcano heraustreten. Natürlich sind es zwei herbe Verluste für uns, weil sie absolute Leistungsträger waren.

Zurück zu den Zuzügen: Christian Schneuwly haben Sie in der Vorbereitung meist als einen von zwei defensiven Mittelfeldspielern eingesetzt. Es überrascht, da er beim FC Zürich und in Thun offensivere Rollen innehatte.

Babbel: Christian ist ein sehr intelligenter Spieler. Man merkt sofort, dass er viel Erfahrung mitbringt, sehr gut geschult ist, sehr schnell sehr anpassungsfähig ist. Es ist egal, wo man ihn hinstellt. Er ist flexibel einsetzbar.

Macht er das Luzerner Spiel auch von hinten heraus stärker?

Babbel: Das will ich jetzt nicht sagen, weil auch Remo Freuler eine hohe Qualität mitgebracht hat, sehr stark und intelligent gespielt hat. Aber natürlich kann Christian Schneuwly das Spiel ankurbeln, weil er sehr ballsicher ist und eben intelligent spielt.

Kann man bei Markus Neumayr am ehesten davon ausgehen, dass er Lezcanos Rolle übernehmen kann?

Babbel: Dario war bei uns zwar ein Stürmer, der sich auch mal fallen lassen hat, die Bälle aus dem Mittelfeld nach vorne transportiert hat. Aber Markus Neumayr ist gänzlich ein anderer Spielertyp. Er ist kein richtiger Stürmer. Er ist eher derjenige, der technisch sehr versiert ist, das Auge hat für den tödlichen Pass und Kreativität besitzt. Jetzt müssen wir ihn dahinbringen, dass er auch Defensivaufgaben übernimmt. Dieses Nach-hinten-Arbeiten führt zu einer geschlossenen Mannschaftsleistung.

Bei Michael Frey sieht es aktuell so aus, dass er als Joker von der Bank ins Spiel kommt. Planen Sie, ihn in Zukunft von Anfang an einzusetzen?

Babbel: Das wird sich zeigen. Seine Ausleihe birgt für uns kein grosses finanzielles Risiko. Es ist uns bewusst, dass er lange verletzt war. Er braucht eine gewisse Zeit, bis er wieder in den Rhythmus kommt, der Belastung standhält und das hohe Tempo gehen kann. Das haben wir mit Michael auch so besprochen. Dass er nicht verrückt werden darf, wenn es am Anfang nicht gleich so läuft, wie er es gerne hätte. Sondern, dass wir ihn für die ganze Rückrunde verpflichtet haben und nicht nur für die ersten vier Spiele. Er ist ein vernünftiger Kerl, er weiss um seinen Rückstand. Er merkt aber sicher auch, wie intensiv wir uns um ihn kümmern.

Könnte Frey zusammen mit Marco Schneuwly stürmen?

Babbel: Aus meiner Optik ist klar: Er ist ein klassischer Stürmer. Er kommt nicht zu sehr aus dem Mittelfeld, sondern ist einer, der vorne seine Qualitäten hat. Zudem haben wir auch schon gezeigt, dass wir den Mut haben, mit zwei Stürmern zu spielen.

Mit dem Liverpool-Leihprofi Samed Yesil haben Sie einen dritten Stürmer. Wie sehen Sie seine Einsatzchancen?

Babbel: Samed hat sich in der Vorbereitung sehr gut präsentiert. Er ist viel fitter und frischer als in seiner Anfangszeit bei uns. Dem Konkurrenzkampf mit ihm müssen sich Michael Frey und Marco Schneuwly stellen. Dem Fight um die Plätze schaue ich gerne zu.

Etwas überraschend gab es vom Spielsystem her keine Umstellung.

Babbel: Wir haben keine grossen Änderungen vorgenommen. Am Schluss ist es egal, welches System du spielst. Das System lebt davon, wie es ausgefüllt wird. Bin ich bereit, an meine Grenzen zu gehen? Bin ich bereit, als Mannschaft zu funktionieren und geschlossen zu sein? Davon lebt ein System.

Wie zufrieden waren Sie mit den Testspielen während der Vorbereitung?

Babbel: Da haben wir sowohl gute Spiele abgeliefert als auch nicht so gute gezeigt. Der Trugschluss ist, wenn man es nur immer an den Ergebnissen festmacht. Wir haben bewusst in Kauf genommen, dass das Resultat mal nicht stimmt. Damit haben wir ein Stück weit die Mentalität geschult. Die Spieler sind mit schweren Beinen in eine Partie gegangen und mussten sich gegen einen sehr guten Gegner durchbeissen.

In Basel schätzt man Luzern unter Markus Babbel als mutige Mannschaft. Wird man am Sonntag einen couragierten Auftritt des FCL erleben?

Babbel: Ich habe es mir schon oft vorgenommen, aber es dann nicht umsetzen können ... (schmunzelnd). Im Ernst: Man muss schauen, welche Möglichkeiten man mit seiner Mannschaft hat. Ich glaube schon, dass wir ein Team sind, das mit genügend Selbstvertrauen sehr gut Fussball spielen kann. Warum sollte ich den Spielern diese Stärke nehmen? Es ist nicht unser Plan, uns um den eigenen Strafraum einzubunkern und auf gut Glück vielleicht mal vors andere Tor zu kommen. Vom Grundsatz her wollen wir versuchen, das Spieldiktat in die Hand zu nehmen, uns selber Chancen zu kreieren.

Hinweis

Luka Sliskovic (20) wechselt leihweise bis Ende Saison zum FC Biel. Der FCL hat seinen Vertrag bis Sommer 2017 verlängert.

Frane Cirjak (20) ist an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt und fällt länger aus.

FC Luzern: Die Antworten von FCL-Trainer Markus Babbel auf die Fragen unserer Leser auf www.luzernerzeitung.ch/video