FUSSBALL: «Solche Vorfälle sind nicht an der Tagesordnung»

Ein Juniorentrainer des FC Sursee schlägt seinem Eschenbacher Kontrahenten die Faust ins Gesicht. Er wird mit 400 Franken gebüsst und bis zum 30. Juni 2015 gesperrt. IFV-Präsident Urs Dickerhof nimmt Stellung.

René Leupi
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Urs Dickerhof, Präsident des Innerschweizerischen Fussballverbandes (IFV); «Garantien gibt es keine, es wird immer übereifrige Trainer oder Zuschauer geben.» (Archivbild Nadia Schärli / Neue LZ)

Urs Dickerhof, Präsident des Innerschweizerischen Fussballverbandes (IFV); «Garantien gibt es keine, es wird immer übereifrige Trainer oder Zuschauer geben.» (Archivbild Nadia Schärli / Neue LZ)

Der Vorfall passierte Ende Oktober während eines E-Junioren-Spiels zwischen Sursee und Eschenbach. Nach einem Foul an seinem Sohn lieferten sich die beiden Trainer ein Wortgefecht. Als sich der Eschenbacher Trainer wieder auf das Spiel fokussierte, verpasste ihm der Surseer Assistenztrainer einen Faustschlag ins Gesicht. Eine Verletzung war nicht sichtbar. Das Spiel, welches von verschiedenen Provokationen begleitet wurde, ging aber ohne weitere Zwischenfälle über die Bühne. Der FC Sursee trennte sich per sofort vom fehlbaren Assistenztrainer und entschuldigte sich beim FC Eschenbach, zuerst auf dem Platz, danach auch schriftlich.

Der Schweizerische Fussballverband (SFV) bestrafte nun den Assistenztrainer mit einer Busse von 400 Franken. Zudem wird er bis zum 30. Juni 2015 für alle Funktionen in einem Fussballverein gesperrt. Urs Dickerhof, seit 2009 Präsident des Innerschweizerischen Fussballverbandes (IFV), sieht die Entwicklung im regionalen Fussball trotz dieses Vorfalls nicht beängstigend.

Urs Dickerhof, ist das Strafmass für einen tätlichen Angriff auf eine Person nicht zu gering ausgefallen?

Urs Dickerhof: Das Strafmass legt die Strafenkommission des Schweizerischen Fussballverbandes fest, nachdem alle Beteiligten Trainer, Spieler, Spielleiter und Zeugen – angehört wurden. Darauf hat der Innerschweizerische Fussballverband keinen Einfluss. Ich kann mir vorstellen, dass es eine längere Strafe als nur acht Monate abgesetzt hätte, wäre dieser Vorfall geplant gewesen und nicht im Affekt geschehen. Doch die Tat herunterzuspielen, wäre falsch, das gehört nicht auf den Fussballplatz.

Hat die Gewalt im Fussball, im Speziellen in der Innerschweiz, in den letzten Jahren zugenommen?

Dickerhof: Nein, auf gar keinen Fall und schon gar nicht im Juniorenbereich. Wir führen jede Saison rund 21 000 Fussballspiele durch, ohne den Kinderfussball, versteht sich. Solche Vorfälle sind nicht an der Tagesordnung. Fussball ist mit Emotionen verbunden. Und mit diesen Emotionen müssen wir leben. Dass die Anzahl der gelben und roten Karten zugenommen hat, ist auf eine konsequentere und härtere Regelauslegung der Schiedsrichter zurückzuführen.

Welche präventiven Massnahmen unternimmt der Innerschweizerische Fussballverband, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden?

Dickerhof: Wir starten immer wieder Fairplay-Aktionen, betreiben bei der Trainer- und Schiedsrichterausbildung Aufklärung in Sachen Gewalt und vermitteln auch, wie man sich auf und neben dem Fussballplatz zu verhalten hat. Garantien gibt es aber trotz allem keine, es wird immer übereifrige Trainer oder Zuschauer geben, so wie jene Mutter, die mit einer Handtasche auf Spieler losging. Wollten wir derartige Vorfälle ganz ausschliessen, müssten wir für Zuschauer einen Sicherheitsabstand von mindestens 30 Metern ab der Aussenlinie einführen. Ob das dem Fussball dienen und die Vorfälle eindämmen würde, ist dennoch fraglich.

Welche Massnahmen können Vereine unternehmen?

Dickerhof: Hier gilt das Gleiche wie beim Verband, aufklären und mit Verhaltensregeln arbeiten. Zudem muss der Trainerwahl eine grosse Bedeutung zukommen. Das ist nicht immer ganz einfach, da die Bereitschaft für ehrenamtliche Tätigkeiten in den letzten Jahren abgenommen hat.

René Leupi