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FUSSBALL: Spanien gewagt, Frankreich uninspiriert

Modedesignerin Suzanna Vock beurteilt die 24 EM-Trikots. Begeistert ist sie von Spanien. Überraschend: Die grossen Mode- nationen fallen bei ihr durch.
Suzanna Vock trägt ihr Lieblingsleibchen Spanien. Schlecht schneidet bei ihr Frankreich (links unten) ab. (Bild Philipp Schmidli)

Suzanna Vock trägt ihr Lieblingsleibchen Spanien. Schlecht schneidet bei ihr Frankreich (links unten) ab. (Bild Philipp Schmidli)

Sven Aregger

Suzanna Vock hat ein geübtes Auge für Kleider. Als Modedesignerin und Gründerin des Luzerner Fashionfestivals Gwand kennt sie sich damit aus. Aber Fussball? «Nein, davon habe ich keine grosse Ahnung», sagt die 45-Jährige und lacht. Wobei: Ganz richtig ist das nicht. Immerhin spielt ihr Mann Carlos Garcia halb professionell Futsal – eine Variante von Hallenfussball – beim NLA-Klub Kuna Küssnacht. Und Tochter Luna (10) kickt bei den Junioren des FC Luzern. «Auch der 3-jährige Bub Salomon übt schon fleissig in unserem Garten in St. Niklausen», erzählt Suzanna Vock. Vielleicht auch deshalb hat sie umgehend zugesagt, die Trikots der 24 Nationalteams an der Europameisterschaft in Frankreich zu bewerten. Sie wählte für unsere Zeitung die drei schönsten und die drei stillosesten Trikots aus.

«Innovation fehlt»

Doch zuerst zum Gesamteindruck. Über alle 24 beteiligten Nationen gesehen fällt Vocks Urteil zwiespältig aus. «Mir fehlt die Innovation. Es hätte sicher noch mehr Potenzial gegeben, gerade bei einem grossen Turnier wie der EM, wo Milliarden Menschen zuschauen. Die Hersteller hätten da und dort Designer hinzuziehen sollen.»

Nichtsdestotrotz hat die Modedesignerin einige Prachtstücke entdeckt. Ihre drei schönsten Leibchen:

Rang 1, Spanien: Das helle Auswärtstrikot der Spanier hat es Vock besonders angetan. «Die gewagte Farbkombination mit rot, orange und gelb finde ich ganz toll. So etwas sieht man normalerweise nur in Indien und in südamerikanischen Ländern», begründet sie. «Das Leibchen sticht heraus. Ich könnte mir vorstellen, dass es auf dem Platz einen 3D-Effekt erzeugt.» Auch die seitlichen Adidas-Steifen und das Wappen auf der Brust sprechen Vock an. Ihre Bilanz: «Das Spanien-Trikot hat Signalwirkung, es ist fröhlich und positiv.»

Rang 2, Russland: Auch bei den Russen kann sich Vock für das Auswärtsshirt begeistern. Besonders schön findet sie die zwei grossen Adler. «Das ist cool, trendig und modisch. Da die Adler aber hell aufgedruckt sind, weiss ich nicht, wie sie aus der Entfernung wirken.»

Rang 3, Türkei: Bei den Türken fällt die Wahl ein weiteres Mal auf das Auswärtstrikot. Vock: «Die Drucktechnik wirkt dreidimensional, sie hat etwas Reptilienartiges. Das Muster ist schön umgesetzt und betont den Körper. Auch das Landeswappen mit dem Halbmond und dem Stern gefällt mir.»

Rang 5 für die Schweiz

Neben diesen positiven Beispielen gibt es für Suzanna Vock aber Trikots, die sie mit Grauen betrachtet. Betroffen sind grosse Modenationen – und vor allem klassische Shirts. Ihre drei unansehnlichsten:

Rang 24, Frankreich: Mit dem Heimleibchen des Gastgebers kann Vock gar nichts anfangen. «Diesen Oldschool-Look hat man schon tausendmal gesehen. Es erstaunt und irritiert mich, dass eine Modenation wie Frankreich kein innovativeres Produkt zu Stande bringt.»

Rang 23, Italien: Auch bei den Italienern – wie die Franzosen ebenfalls für ihren guten Stil bekannt – stört sich Vock am mangelnden Ideenreichtum. «Das Heimshirt mit seinem Retro-Design finde ich einfach nur langweilig.»

Rang 22, Deutschland: Eine weitere grosse Fussballnation, die im Urteil der Modedesignerin schlecht abschneidet. Das Heimtrikot bewertet sie als «kommerziell, so wie man es in jedem Laden für Männer sieht. Auch hier machen die Hersteller auf Oldschool. Doch das Retrorevival ist für mich vorbei.»

Aber was ist eigentlich mit den Schweizern? Das weisse Auswärtstrikot unserer Nationalmannschaft landet bei Vock auf Rang 5. «Das Kreuz ist ein gutes Symbol. Und die roten Linien auf weissem Hintergrund finde ich schön gelöst.»

Comeback der Gwand geplant

Suzanna Vock kennt nun zwar alle EM-Trikots. Sie wird die Europameisterschaft aber kaum intensiv verfolgen. Derzeit arbeitet sie mit Hochdruck an einer neuen Gwand, die im Frühling 2017 wieder stattfinden soll. Details will sie noch nicht verraten. «Wir sind erst im Aufbau.» Zudem beschäftigt sich Vock mit der Gründung eines Modelabels, das fair produzierte Kleider anbieten wird, und engagiert sich in einem Business-Netzwerk für Frauen. Da bleibt nicht viel Platz für die EM. Aber ihre fussballverrückte Familie wird sie bestimmt mit allen nötigen Informationen versorgen. Und für die Spiele der Spanier wird sie vielleicht sogar Zeit finden – allein der Trikots wegen.

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