FUSSBALL: Stocker-Transfer entzückt Berlin

Nächste Saison kicken bei Hertha BSC mit Valentin Stocker (25) und Fabian Lustenberger (26) gleich zwei Luzerner. Die Verpflichtung Stockers wird in Berlin als «Königstransfer» bezeichnet.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Valentin Stocker spielt nächste Saison in Berlin. Hier zu sehen ist der Krienser an der SFL Night in Luzern. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Valentin Stocker spielt nächste Saison in Berlin. Hier zu sehen ist der Krienser an der SFL Night in Luzern. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Die Anhänger von Hertha BSC waren sich in der Vergangenheit so einiges gewohnt: Turbulenzen, Abstiegskampf, Wiederaufstieg, Trainer-Rauswurf, Zoff und Skandale. Doch seit einiger Zeit herrscht Ruhe rund um den Berliner Erstligisten. Erfolgstrainer Jos Luhukay hat seinen Vertrag eben erst verlängert, was auf Kontinuität hindeutet. Die Saison haben die Berliner auf dem guten 11. Platz abgeschlossen, drei Spieltage vor Saisonschluss war die Hertha die Abstiegssorgen los – für einen Aufsteiger durchaus bemerkenswert.

Doch offenbar will man sich in Berlin mit einer Rangierung im gesicherten Mittelfeld in Zukunft nicht mehr zufrieden geben. Nicht zuletzt dank des Einstiegs des amerikanischen Investors KKR als strategischer Partner steht die Hertha finanziell auf solidem Fundament. Und sportlich soll es dank Valentin Stocker bergauf gehen. So jedenfalls deuten Fussball-Experten die als Sensation gefeierte Verpflichtung des Krienser Linksfusses. Der 25-jährige Offensiv-Allrounder kostet die für die Hertha stattliche Summe von 3 Millionen Euro Ablöse. Sollten sich die Berliner für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren, könnte die Summe auf 5 Millionen Euro anwachsen. Stocker soll laut Medienberichten ein Jahressalär von 1,6 Millionen Euro kassieren.

Hertha-Manager Preetz schwärmt

Die «Berliner Zeitung» bezeichnet die Verpflichtung des Schweizer Nationalspielers als «Königstransfer» und resümiert: «Hochkaräter mit Champions-League-Erfahrung statt Ergänzungsspieler, Klasse statt Masse, lautet offensichtlich die Devise, um sich im zweiten Jahr nach dem Wiederaufstieg in der obersten deutschen Spielklasse als Anwärter auf einen Europapokalplatz etablieren zu können.» Das Berliner Boulevard-Blatt B.Z. prophezeit den Hertha-Profis Änis Ben-Hatira und Nico Schulz nach Stockers Zuzug, ins zweite Glied zurückzufallen. Stocker sei «schnell, torgefährlich, hat einen linken Hammer und glänzte in der Schweiz auch als Vorbereiter». Die «Bild» schreibt: «Big Bang von Hertha auf dem Transfermarkt!» Und Hertha-Manager Michael Preetz schwärmt in derselben Zeitung: «Wir sind überzeugt, dass er eine grosse Verstärkung für uns werden wird. Mit ihm erhoffen wir uns mehr Flexibilität und natürlich mehr Torgefahr.» Offenbar war auch der VfB Stuttgart am linken Flügel dran. Doch laut Preetz knüpfte die Hertha bereits im Februar Kontakte zu Stocker.

Lustenberger rät zum Wechsel

Massgeblichen Anteil an Stockers Wechsel an die Spree hat Fabian Lustenberger. Stocker und Lustenberger kennen sich seit Kindstagen aus Luzern. Der 26-jährige Captain der Hertha verrät gegenüber unserer Zeitung: «Michael Preetz bat mich etwa Mitte der Rückrunde, ich solle mich doch bitte mal mit Valentin telefonisch in Verbindung setzen. Das war irgendwann im März. Seither stand ich in regelmässigem Kontakt zu ihm und riet zu einem Wechsel zu uns.» Lustenberger schwärmte von der spannenden deutschen Hauptstadt, dem traditionsreichen Club und der anspruchsvollen Bundesliga mit Spielen in stets prall gefüllten Stadien. «Für Valentin wird der Einstieg sicher einfacher, wenn er eine Bezugsperson im Verein hat.»

Sobald WM-Teilnehmer Stocker aus Brasilien zurückgekehrt ist, gibt es von Lustenberger eine Besichtigungstour durch Berlin. «Ich zeige ihm dann, wie er sich in der Stadt am besten zurechtfinden kann. Und ich gebe ihm Tipps, in welchem Bezirk es sich am besten wohnen lässt.» Lustenberger ist überzeugt, dass Stocker die Anlagen hat, sich auf Anhieb in der Bundesliga durchzusetzen. «Natürlich ist die Bundesliga ein anderes Pflaster als die Super League. Nichtsdestotrotz bin ich sicher, dass er die Qualität mitbringt, sich gleich ins Team zu spielen.» Sollte Stocker der Start im neuen Umfeld schwerer fallen als gedacht, sei dies nicht weiter schlimm: «Bei uns bekommt er die Zeit, die er benötigt. Ich habe keine Sorgen, dass das schiefgehen könnte.» Dass die Medien in der Hauptstadt im Zusammenhang mit Stockers Transfer bereits über internationale Auftritte der Hertha sinnieren, solle Stocker nicht verunsichern: «Diesen Druck bauen alleine die Medien auf. Niemand im Verein kommt auf die Idee, nun gleich von der Europa League zu sprechen. Wir wollen uns im Vergleich zu dieser Saison aber sicher verbessern.»

Viel Liebe und positive Energie

Valentin Stocker war für unsere Zeitung für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Über seinen Manager liess er ausrichten, dass er momentan etwas Ruhe benötige, bevor es mit dem Abenteuer Brasilien losgeht. Am Rande der Meisterfeier in Basel meinte Stocker am Sonntag: «Bei Hertha habe ich viel Liebe und positive Energie gespürt.» Dass er sich in der Bundesliga neu beweisen muss, dessen ist sich Stocker – in der Schweiz ein unbestrittener Star – bewusst. Er sagt aber auch: «Es wird nicht einfach, aber wer kein Risiko auf sich nimmt, verliert sowieso.»