FUSSBALL: Trendsetter in der Ewigen Stadt

Die AS Roma steht erstmals seit zehn Jahren wieder in einem Champions-League-Viertelfinal. Das ist vor allem Trainer Eusebio Di Francesco zu verdanken. Sein Team soll auch heute gegen Barcelona offensiv glänzen.

Lukas Plaschy, Rom
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Roma-Trainer Eusebio Di Francesco umschreibt seine Philosophie so: «Meine Elf soll europäisch angreifen und italienisch verteidigen.» (Bild: SERGEY DOLZHENKO (EPA))

Roma-Trainer Eusebio Di Francesco umschreibt seine Philosophie so: «Meine Elf soll europäisch angreifen und italienisch verteidigen.» (Bild: SERGEY DOLZHENKO (EPA))

Lukas Plaschy, Rom

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Letztmals 2008 figurierte die AS Roma unter den besten acht Mannschaften Europas. «Ich freue mich, gegen die Besten antreten zu dürfen, ohne meine eigene Philosophie über Bord zu werfen», sagt Eusebio Di Francesco vor dem Viertelfinal-Hinspiel in Barcelona. Den Bus vor dem eigenen Tor parkieren, wie das etwa Inter Mailand unter José Mourinho 2010 gegen die Katalanen gemacht hat, entspricht nicht Di Francescos Philosophie von «attraktivem Calcio». Auf­gewachsen in der adriatischen Hafenstadt Pescara, gab ihm sein Vater den Vornamen Eusebio – als Hommage an den grossen portugiesischen Star der 1960er-Jahre. Dessen Repertoire besass Di Francesco zwar nicht, für eine Profikarriere in der Serie-A reichte es aber allemal.

Als defensiver Mittelfeldspieler gewann Di Francesco mit Roma 2001 den Scudetto und brachte es auf insgesamt 13 Länderspiele für Italien. Als Coach setzte der heute 48-Jährige erstmals bei Sassuolo ein Ausrufezeichen. Mit den Emilianern stieg er 2013 in die höchste Spielklasse auf und schaffte danach gar die Europa-League-Qualifikation.

Bald einmal galt er als einer der trendigsten Vertreter der Gilde, sowohl die AC Milan als auch der italienische Fussballverband dachten offen über seine Verpflichtung nach.

Von Zeman inspiriert

Im vergangenen Sommer unterschrieb «DiFrà» schliesslich einen Zweijahresvertrag bei Roma. Mit den für die Abruzzen typischen Eigenschaften wie Gradlinigkeit und (fast schon übertriebener) Aufrichtigkeit sorgte er im überhitzten und zur Polemik neigenden Ambiente der Ewigen Stadt anfangs für Verwirrung. So auch bei seinen Spielern, welche einige Zeit brauchten, um Di Francescos Ideen zu verinnerlichen. Diese sind inspiriert von Di Francescos Lehrmeister Zdenek Zeman. In den 1990er-Jahren begeisterten die Teams des Tschechen (unter anderem Foggia, Lazio und Roma) mit totalem Offensivfussball die Massen, trieben sie aber gleichzeitig durch lausiges Abwehrverhalten zur Verzweiflung. Di Francesco sucht im Gegensatz zu Zeman stärker die Balance zwischen Angriff und Verteidigung. In seinem 4-3-3-System praktizieren die drei Stürmer und mindestens zwei Mittelfeldspieler ein konstantes Pressing, um danach bei Balleroberung schnell nach vorne zu spielen. «Ich will, dass mein Team vertikal agiert», sagt der Trainer. In der Rückwärtsbewegung verwandelt sich dann das eigentliche Offensivsystem in ein 4-5-1-System, bei dem die beiden Aussenstürmer nach hinten verteidigen. «Meine Elf soll europäisch angreifen und italienisch verteidigen.» Diese Spielweise ist kräfteraubend, verlangt nach dem Rota­tionsprinzip und bedingt ein grosses Kader.

Dzeko legt Veto zu Chelsea-Deal ein

Die AS Roma musste in den letzten Jahren jedoch immer wieder wichtige Spieler verkaufen, um nicht gegen das Financial Fairplay der Uefa zu verstossen. Mit Mohamed Salah, Antonio Rüdiger und Leandro Paredes gingen im vergangenen Sommer gleich drei Stammspieler verloren. Di Francesco klagte nicht, sondern ordnete sich den Parametern des Klubs unter. Auch als der neue Sportdirektor Ramón Rodríguez Verdejo, genannt Monchi, im ­Januar den Auftrag bekam, den bosnischen Stürmer und letztjährigen Serie-A-Torschützenkönig Edin Dzeko an Chelsea zu verkaufen. Der Deal mit den Londonern scheiterte schliesslich am Veto von Dzeko und vor allem am Nein von dessen Ehefrau.

Zu Romas Glück, muss man sagen. Es war nämlich Dzeko, dem im Achtelfinal gegen Shak­htar Donezk das entscheidende Tor glückte. Nicht nur ermöglichte dies die heutige Schlagerpartie gegen den FC Barcelona, sondern garantiert auch geschätzte Mehreinnahmen von 81 Millionen Euro. Damit wären die Hauptstädter, die 2020 in ihr eigenes Stadion einziehen möchten, eventuell nicht gezwungen, im Sommer weitere Spieler wie den türkischen Shootingstar Cengiz Ünder oder den brasilianischen Nationaltorhüter Alisson Becker an die Konkurrenz zu verhökern.