FUSSBALL: «Uns ist jedes Mittel recht»

Toptorjäger Marc Janko (32) verteidigt den FC Basel vor dem Heimspiel am Sonntag (13.45) gegen Luzern. Er ist stolz auf Österreichs Nationalmannschaft, spricht über Koller und Jantscher.

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Der österreichische Basel-Stürmer Marc Janko: «Wir können es viel besser. Das wollen wir gegen den FC Luzern zeigen.» (Bild: Getty/Alexander Klein)

Der österreichische Basel-Stürmer Marc Janko: «Wir können es viel besser. Das wollen wir gegen den FC Luzern zeigen.» (Bild: Getty/Alexander Klein)

Interview Daniel Wyrsch, Basel

Marc Janko, der FC Basel hat sich am Donnerstag mit einem 2:2 zu Hause gegen den Serie-A-Spitzenklub Fiorentina für die Achtelfinals der Europa League qualifiziert. Warum hat nach dem Abpfiff keiner gejubelt?

Marc Janko: Wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob wir bereits weiter gekommen sind. Man soll keine Feste feiern, bevor alles klar ist.

Die «Basler Zeitung» war trotz dem ersten Gruppenrang nicht zufrieden mit der spielerischen Leistung. Ist der glanzlose Auftritt intern ein Thema?

Janko: Für uns ist es ein Thema, dass wir Gruppensieger sind. Natürlich kann man immer die Art und Weise hinterfragen, aber wenn es zum gewollten Ergebnis führt, dann ist uns jedes Mittel recht. Wir würden natürlich auch gerne jedes Spiel mit vier, fünf Toren Unterschied gewinnen, aber das ist nun mal kein Wunschkonzert. Ich habe aber auch Verständnis für die Fans, wenn sie sich ab und zu einen offensiveren Fussball wünschen, doch darf man nicht vergessen, dass Fiorentina auch eine Riesenmannschaft ist. Man hat gesehen, dass sie selbst mit zehn Mann sehr guten Fussball spielten. Auf der anderen Seite ist es uns auch hoch anzurechnen, dass wir gegen eine italienische Mannschaft trotz einem zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand zurückgekommen sind.

Reichen die drei Tage Wettkampfpause zwischen diesem kräfteraubenden Match gegen Fiorentina und dem Ligaspiel gegen Luzern zur Erholung?

Janko: Wir sind uns alle diesen Rhythmus gewohnt. Andere Mannschaften aus der Liga haben dies nicht, deshalb ist es für sie ein kleiner Vorteil, da sie etwas frischer sind. Dennoch soll und darf dieser Umstand für uns keine Ausrede sein.

Zuletzt verlor Basel gegen GC und in St. Gallen – völlig ungewohnt – zwei Spiele hintereinander. Muss Luzern am Sonntag mit einer deutlichen Reaktion des FCB rechnen?

Janko: Wir wollen natürlich in der Liga wieder zurück in die Spur finden. In den erwähnten beiden Spielen haben wir unsere Leistung nicht über die volle Spielzeit gezeigt. Auf der anderen Seite wissen wir, dass wir das viel besser können. Das wollen wir am Sonntag umsetzen.

Gleich neun Basel-Spieler schlagen sich derzeit mit Verletzungen herum. Warum haben so viele FCB-Profis mit muskulären Problemen zu kämpfen?

Janko: Man darf nicht vergessen, dass wir eine sehr kurze Vorbereitung hatten. Da hätten wir die Basis legen sollen, um die Belastungen der vielen Einsätze in kurzen Regenerationsphasen zu verkraften. Wir bezahlen jetzt dafür, leider haben wir viele Verletzte. Mitunter wichtige Spieler. Nichtsdestotrotz sind wir in den Wettbewerben zuoberst in der Tabelle und im Cup weiter dabei.

Ihnen läuft es persönlich sehr gut: In zwölf Ligaspielen schossen Sie elf Treffer und sind der Toptorjäger. Der Start in Basel ist bestens gelungen.

Janko: Ich habe wunderbar in die Mannschaft reingefunden. Die Jungs haben ihren Teil dazu beigetragen, dass ich mich schnell wohl gefühlt habe. Die Fans haben mich schnell willkommen geheissen. Es hat sofort funktioniert, ich habe funktioniert. Für mich ist es schön, dass ich das Vertrauen der Verantwortlichen sofort zurückzahlen konnte. Weil ich natürlich auch ein grosses Fragezeichen gesetzt hatte, ob der Unterschied zur australischen Liga, wo ich bei Sydney spielte, nicht zu gross ist. Die Frage kann ich jetzt mit einem klaren Nein beantworten.

Man kann sagen, dass Sie Marco Streller beim FC Basel innert kürzester Zeit sportlich ersetzen konnten.

Janko: Das möchte ich nicht beurteilen, das sollen andere Leute machen. Ich habe immer probiert, mein Bestes zu geben. Eins zu eins wird es nie ganz möglich sein, eine Person zu ersetzen, weil Marco Streller eine andere Persönlichkeit ist, als ich eine bin. Ich habe mich so gut einzubringen versucht, wie es geht. Innerhalb der Mannschaft nicht nur sportlich mit meinen Toren und Leistungen, sondern auch zwischenmenschlich.

Mit sieben Toren sind Sie der beste Torschütze für Österreichs enorm starke EM-Qualifikation gewesen. Gibt dieser Erfolg zusätzlichen Auftrieb?

Janko: Es macht mich extrem stolz, dass ich zur erstmaligen sportliche EM-Qualifikation beitragen konnte. Wir schrieben Geschichte. Man hat erst etwas später realisieren können, was da passiert ist im Land mit den Leuten und im Umgang mit uns Spielern. Für euch Schweizer ist es ja normal, dass ihr euch qualifiziert für Grossereignisse. Für uns ist das etwas Erstmaliges, es wird darum immer etwas Besonderes bleiben. Davon werde ich dereinst meinen Kindern erzählen.

Stimmt es, dass Sie von Marcel Kollers Weiterengagement Ihre Zukunft als Nationalspieler abhängig machen?

Janko: Ich treffe meinen Entscheid, ob ich im Nationalteam weitermache erst nach der EM. Wie auch immer dieser ausfallen wird, hat viel damit zu tun, ob Marcel Koller weitermacht oder nicht. Zuerst will ich mit Basel die Saison erfolgreich beenden und dann mit Österreich eine super EM spielen. Danach kann man sich Gedanken darüber machen. Ich finde, man muss das jetzt nicht thematisieren, weil ich mich nicht so unglaublich wichtig sehe.

Aus Schweizer Optik ist es interessant, weil Sie als Führungsspieler der Österreicher so viel von Koller halten.

Janko: Für den österreichischen Fussball generell wäre es wahnsinnig wichtig, wenn er bleiben würde. Für die Weiterentwicklung dieser Mannschaft wäre sein Verbleib bedeutend, da wir noch etwas Potenzial nach oben haben.

Luzern hat mit Jakob Jantscher auch einen österreichischen Nationalspieler. Wie verstehen Sie sich mit ihm?

Janko: Wir harmonieren sehr gut miteinander. In der Kabine ist er mein Sitznachbar. Ich schätze ihn sehr. Jakob ist ein talentierter Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. Für mich als Stürmer wäre er, wenn er in meiner Mannschaft spielen würde, ein sehr willkommener Spieler. Weil er auf der Seite immer wieder gute Flanken schlägt und im Eins-zu-eins Situationen gut auflösen kann.

Trotzdem sitzt er bei FCL-Trainer Markus Babbel öfter auf der Bank.

Janko: Warum er in Luzern nicht immer von Anfang an spielt, kann ich von aussen auch nur schwer nachvollziehen. Darüber wird sich der Trainer seine Gedanken gemacht und seine Gründe haben. Jeder Trainer hat seine eigenen Vorstellungen. Beim nächsten Coach spielt der «Jantschi», so nennen wir ihn, dann wieder jede Partie über 90 Minuten. Ich weiss nur, dass er ein Riesenpotenzial hat und auch für Luzern ein wichtiger Spieler ist. Wenn er spielt, ist immer ein Tick mehr Gefahr da. Deswegen hoffe ich jetzt, dass er am Sonntag nicht gegen uns spielt.