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FUSSBALL: Unverwüstlich und unvollendet

Gianluigi Buffon ist der Elder Statesman des Fussballs – und jagt seit zwei Jahrzehnten den Champions-League-Titel. In diesem Jahr soll es endlich klappen. Und wenn nicht, versucht es der 39-Jährige eben in der nächsten Saison wieder.
Carsten Meyer
22 Jahre Erfahrung: Italiens Torhüter-Legende Gianluigi Buffon. (Bild: Keystone (Turin, 10. März 2017))

22 Jahre Erfahrung: Italiens Torhüter-Legende Gianluigi Buffon. (Bild: Keystone (Turin, 10. März 2017))

Carsten Meyer

Gianluigi Buffon hat in seiner Karriere ja fast alles gewonnen, was es in dieser Branche so zu gewinnen gibt. Er ist Weltmeister, Landesmeister, Cupsieger, Uefa-Cup-Sieger, Welttorhüter des Jahres – und hat noch so viele andere Auszeichnungen erhalten, dass er sich eine Lagerhalle gemietet haben muss, um all das Zeug irgendwo unterbringen zu können. Er hätte also alles Recht der Welt, seine Tage in einer Hängematte in seiner Heimat Carrara zu verbringen und aufs Meer zu schauen.

Wenn da nur nicht die Sache mit der Champions League wäre.

Seit seinem Königsklassen-Debüt mit Parma vor 20 Jahren rennt er diesem Titel nun schon hinterher. Zweimal hatte er die Hand schon am Pokal, zweimal klopfte ihm der Fussballgott mit Vehemenz auf die Finger. 2003 verlor er mit Juve im Final nach Penaltyschiessen gegen Milan, 2015 unterlagen die Turiner dem FC Barcelona mit 1:3. Und genau deshalb turnt er auch im stattlichen Alter von 39 Jahren noch in kurzen Hosen auf Sportplätzen herum. Erst kürzlich hat er gestanden: «Seit fünf Jahren frage ich mich alle zwei Wochen: Warum tue ich mir das an?» Die Antwort: Weil er endlich mal diese Königsklasse gewinnen will. «Das treibt mich an. Hätte ich schon alles gewonnen, wäre ich vor Langeweile längst berufsmüde.»

Deshalb macht er weiter, immer weiter. Und das nun schon seit unglaub­lichen 22 Jahren. Buffon kommt ja aus einer Zeit, als viele Teams noch mit Libero spielten – und ein Goalie war tatsächlich vor allem dazu da, Bälle zu halten und zu fausten. Den Libero gibt es heute auch noch. Er heisst jetzt aber Torhüter und sollte technisch dazu in der Lage sein, beidfüssig Traumpässe über 60 Meter zu schlagen.

1000. Pflichtspiel der «Legende»

Buffon war schon immer ein mitspielender Goalie, aber über ein Jahrzehnt lang hat das keinen Menschen interessiert. Und er selbst fand das eigentlich gar nicht so übel: «Mich nervt es, wenn ein Keeper nur danach bewertet wird, wie gut er mit dem Fuss ist.» Als er 1995 sein erstes Training bei den Parma-Profis absolvierte, war das noch kein Thema. Trotzdem kam sein damaliger Trainer Nevio Scala aus dem Staunen nicht mehr heraus: «Ich musste meine Mitarbeiter ständig fragen, ob sie das Gleiche sähen.» Einen 17-Jährigen, der durch die Gegend flog, als nehme er an einem Nasa-Projekt zum Thema Schwerelosigkeit teil. Kurz darauf gab Buffon sein Debüt in der Serie A, 2001 wechselte er zu Juve – und natürlich ist er auch schon seit Menschengedenken Torhüter der Nationalmannschaft. Gerade hat er in der WM-Qualifikation gegen Albanien seine 168. Partie für die Squadra Azzurra bestritten, es war gleichzeitig sein 1000. Pflichtspiel. Natürlich endete es ohne Gegentor für Buffon, Italien gewann 2:0.

Danach suchten die Berichterstatter wieder nach passenden Bezeichnungen für einen, den dieses Spiel nur selten hervorgebracht hat. Man einigte sich dann flächendeckend auf den Begriff «Legende» – auch wenn der Gepriesene das selbst gar nicht so passend findet. «Für mich hat dieser Begriff etwas Nichtmenschliches», hat Buffon mal erzählt, «und das mag ich nicht.» Aber natürlich weiss er, dass dies ein Kampf gegen Windmühlen ist. Selbst die komplette Gegnerschaft spricht ständig und sehr bewundernd von der «Legende Buffon». Und sie alle würden dem Grandseigneur des Fussballs ja auch diesen Champions-League-Titel gönnen. Wenn das nicht gleichzeitig bedeuten würde, dass sie ihn dann nicht gewinnen könnten.

Deshalb wird auch der FC Barcelona alles daransetzen, dass Buffons Karriere erst einmal unvollendet bleibt. In handelsüblichen Expertenkreisen gelten die Katalanen als Favoriten. In Turin sieht man das selbstverständlich anders, das Team des Adligenswilers Stephan Lichtsteiner wähnt sich auf Augenhöhe. «Wir stehen den anderen Mannschaften in der individuellen Klasse in nichts nach», sagt auch Buffon. Sollte es trotzdem wieder nicht reichen, wird er es in der kommenden Saison einfach noch einmal versuchen. Bis zur WM im kommenden Jahr will er ja auf jeden Fall weitermachen. Was danach passiert, ist noch offen. Sicher sei nur eines, sagt Buffon: «Ich werde bestimmt keine weiteren 1000 Spiele mehr schaffen.» Eigentlich schade.

Champions League

Viertelfinals

Dienstag, 11. April: Juventus Turin – FC Barcelona. Borussia Dortmund – Monaco.

Rückspiele: Mittwoch, 19. April.

Mittwoch, 12. April: Atlético Madrid – Leicester City. Bayern München – Real Madrid.

Rückspiele: Dienstag, 18. April.

Halbfinals

Dienstag, 2. Mai/Mittwoch, 3. Mai. – Rückspiele Dienstag, 9. Mai/Mittwoch, 10. Mai.

Final

Samstag, 3. Juni, in Cardiff (Wales).

Anpfiff jeweils 20.45 Uhr.

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