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FUSSBALL: Vereine müssen Kameramänner wider Willen stellen

Die Spiele der Promotion League sind live im Internet zu sehen. So will der Verband die Attraktivität der Liga steigern. Thomas Tobler, Kommunikationschef bei Kriens, sieht es kritisch.
René Barmettler
Der SCK-Kommunikationsverantwortliche Thomas Tobler richtet im Krienser Kleinfeld die Handykamera auf das Spielgeschehen. (Bild Nadia Schärli)

Der SCK-Kommunikationsverantwortliche Thomas Tobler richtet im Krienser Kleinfeld die Handykamera auf das Spielgeschehen. (Bild Nadia Schärli)

René Barmettler

Am Mittwoch spielte Kriens gegen Sion U 21 (4:2). Auf football.ch konnte der Match live mitverfolgt werden. Die Kamera wurde manchmal nur mit Verzögerung in Richtung Ballhöhe verschoben. Andere Details waren indes viel ersichtlicher. So konnte man zählen, wie viele Zigaretten der Zuschauer links unten rauchte, wer wie oft durchs Bild lief oder wie es in Strömen regnete. Der Kameramann ist Thomas Tobler und eigentlich Kommunikationsverantwortlicher beim SC Kriens. Filmen tut er mit einer Handykamera, die auf einem Stativ befestigt ist. Allerdings: Tobler ist Kameramann wider Willen.

Busse bis 500 Franken

Der Schweizerische Fussballverband SFV (Erste Liga) liess im vergangenen Herbst die Klubvertreter abstimmen, ob sie Livebilder von den Partien dieser Liga für wünschenswert hielten. Die Mehrheit stimmte zu, ohne dass Details darüber kommuniziert wurden, was auf die Klubs zukommen dürfte. Präventiv wurde dann eine Drohkulisse aufgebaut. In den Bestimmungen zu den Livestreams ist festgehalten: «Das Komitee (Erste Liga) kann zusätzlich disziplinarische Strafen von bis zu 500 Franken pro nicht oder fehlerhaft übermitteltes Spiel aussprechen.»

Die Begeisterung als Filmemacher hält sich bei Tobler in engen Grenzen. «Wir benötigen zwei Personen: eine, die filmt, und eine, die das sogenannte Match­center und den Liveticker am Laptop bedient.» Zur Verfügung stehen muss ein Gerät, das 2,5 Megabytes pro Sekunde übermitteln kann. «Vom Verband ist ein Handy als Aufnahmegerät vorgegeben. Gestreamt wird über das 4G-Netz. Das läuft aber alles über mein persönliches Handy-Abo, meinen Laptop und viel Freiwilligenarbeit. Der Livestream würde den Verein sonst ein paar tausend Franken pro Jahr kosten», sagt Tobler.

10 000 Klicks pro Runde

Die Attraktivität der Liga soll mit den Livebildern gesteigert werden. Christian Schöttli, Marketingchef Erste Liga, schreibt dazu: «Die Qualität der Streams ist massgeblich von der Stabilität der Internetverbindung abhängig. Diesbezüglich haben wir je nach Spielort Verbesserungspotenzial erkannt und sind bemüht, die nötigen Optimierungen zu erzielen.» Tobler stört sich insbesondere daran, dass für den Klub ausser Kosten momentan noch kein Nutzen entsteht: «Es ist wohl die einzige Liga auf diesem Planeten, in der die Klubs für ihre Vermarktung drauflegen.» Dazu muss man wissen: Die Klubs haben nicht das Recht, die Übertragungen zusätzlich für sich zu vermarkten. Das ist dem Verband vorbehalten. Beim Anklicken eines ausgewählten Spiels ist derzeit ein Vorlauf-Werbetrailer eines Mineralwasserherstellers aufgeschaltet. Die Liga verweist auf bisher gute «Anklickzahlen»: Rund 10 000 seien es pro Spielrunde. Auf Anfrage unserer Zeitung, was mit den Einnahmen geschehen soll, schreibt Schöttli: «Was durch die Vermarktung erzielt wird (Sponsoring, Bild-/Tonrechte etc.), wird an die Klubs verteilt.»

Tobler zeigt sich überrascht. «Es freut mich, dass die Liga bereit ist, die Werbeeinnahmen des Livestreams mit den Klubs zu teilen, das höre ich so zum ersten Mal», sagt er. «Bis jetzt sind wir über dieses Vorhaben aber nicht offiziell orientiert worden, auch haben wir bisher keine Werbeerträge aus der Vermarktung des Livestreams erhalten.»

Zweifel werden aber bleiben, ob die Vermarktung der dritthöchsten Schweizer Liga dereinst das Geld derart sprudeln lässt, damit die Klubs wenigstens ihre Kosten decken können.

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