FUSSBALL: Vereinstreue ist für sie kein leeres Wort

Laura Schicker gehört mit erst 18 Jahren zu den ganz wichtigen Spielerinnen im FC Baar, der den Aufstieg in die NLB jüngst knapp verpasst hat. Ihr Trainer sagt ihr so- gar eine Karriere in der Nationalliga A voraus.

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Laura Schicker kann sich ein Leben ohne den Fussball
nicht vorstellen. (Bild Christian H. Hildebrand)

Laura Schicker kann sich ein Leben ohne den Fussball nicht vorstellen. (Bild Christian H. Hildebrand)

Michael Wyss

«Laura Schicker ist eine Spielerin, die uns viel Freude bereitet, diese auf dem Feld auch ausstrahlt und immer für das Team kämpft. Sie ist lernwillig und will sich fussballerisch immer weiterentwickeln», sagt der 46-jährige Oliver Bless. Der Trainer der Frauen des FC Baar betreute in der Vergangenheit schon Frauenteams in der NLA und bringt entsprechend viel Erfahrung mit. Bless, der unter anderem die heutige Schweizer Nationalmannschaftsspielerin Ramona Bachmann (stammt aus Malters) trainierte, sagt weiter: «Laura ist eine Fussballerin mit Herzblut. Sie lebt den Fussball und ist sich auch nicht zu schade, blaue Flecken zu holen. Zudem hat sie einen starken Schuss. Ich sehe durchaus Chancen, dass sie später einmal in der höchsten Liga spielen wird.»

«Ein gut gelaunter Mensch»

Bei so vielen Komplimenten müsste sich Laura Schicker, die in der Woche dreimal im Lättich trainiert, gebauchpinselt fühlen – nicht wahr? «Das ist ein schönes Gefühl, wenn man ein derartiges Lob erfahren darf», sagt die 18-Jährige, die in Baar aufgewachsen ist und lebt. Und was hält sie von ihrem Trainer? «Oliver Bless ist ein guter Typ, behandelt im Team alle gleichwertig und ist ein sehr guter Kommunikator. Er hat immer ein offenes Ohr.» Über sich selbst sagt sie: «Ich bin ein gut gelaunter Mensch und humorvoll. Man kann mit mir Pferde stehlen.»

Schicker lässt sich im Zuger Kantonsspital zur Fachfrau Gesundheit EFZ ausbilden, sie ist gegenwärtig im zweiten Lehrjahr. «Der Beruf ist sehr interessant und bereichert meinen Alltag. Ich lerne, wie mit Menschen umzugehen und wie ich ihnen helfen kann. Wir arbeiten im Team miteinander und füreinander. Eigentlich gibt es viele Parallelen zwischen meinem Beruf und meinem Hobby. Es sind wichtige Lebensschulen.»

Startschuss im Camp

Seit dem achten Lebensjahr hat Schicker ihre Leidenschaft dem Fussballsport verschrieben. Am vergangenen Sonntag endete ihre zehnte Saison beim FC Baar. Entdeckt hat sie die Freude zu dieser Sportart in einem Camp, das im Lättich durchgeführt wurde. «Das hat mich gleich gepackt, und ich meldete mich zu einem Schnuppertraining an. Dieser Entscheid war richtig. Denn der Fussball erfüllt mich in meinem Leben immer noch und geniesst hohe Priorität. Auch das Vereinsleben erlebe ich sehr familiär, und die Trainer sind sehr professionell, was die Denkweise betrifft.» Gar kein Thema war, einen Einzelsport auszuüben. Schicker: «Mir ist wichtig, in einem Team auf ein Ziel hinzuarbeiten. Gemeinsam macht es einfach mehr Spass.»

Ihr jüngerer Bruder Livio (16) war hingegen ein Einzelkämpfer: «Er machte einmal Jiu-Jitsu und ruderte – nun spielt er Gitarre.» Hat Schicker auch Vorbilder? «Lara Dickenmann und Ramona Bachmann (beide beim VfL Wolfsburg, Anm. d. Red.), die beide in der Schweizer Nationalmannschaft spielen, bewundere ich. Sie blieben trotz unzähliger Erfolge immer auf dem Boden der Realität. Sie imponieren mir mit ihrer Art und Weise. Sie stammen auch aus der Zentralschweiz und haben sicher in unserer Region in den letzten Jahren immer wieder beste Werbung für den Frauenfussball gemacht.»

Für immer in Baar?

Die Stürmerin feierte in ihren jungen Jahren mit Baar schon einige Erfolge: den Aufstieg in die 3. Liga als Topskorerin, den IFV-Cupsieg und den Schweizer Cupfinal mit den B-Juniorinnen. Ist die Nationalmannschaft ihr Ziel? «Nein. Mein Fokus gehört nur dem FC Baar. Aus beruflichen Gründen kann ich derzeit keinen grösseren Aufwand betreiben. Ich kann mir aber gut vorstellen, eines Tages in der Nationalliga B oder in der Nationalliga A zu spielen, aber nur mit meinem Stammverein. Ein Vereinswechsel ist kein Thema.» Nicht vorstellen könnte sich die Baarerin ein Leben ohne Fussball: «Nein. Das ginge definitiv nicht. Dieser Sport ist mir wichtig für den Ausgleich zum Berufsalltag.»

Frauenfussball im Aufwind

Wie reagiert Schickers Umfeld auf den Sport, der mehrheitlich immer noch von Männern ausgeübt und geprägt wird? «Sehr positiv. Es spielen heutzutage sehr viele Mädchen und Frauen Fussball. Das ist nicht mehr aussergewöhnlich. Die Schweiz erlebt derzeit so oder so einen Boom mit den jüngsten Erfolgen der Nationalmannschaft. Durch die WM-Teilnahme 2015 und die jüngste Qualifikation von letzter Woche für die Europameisterschaft in Holland im Jahr 2017 wird der Frauenfussball hierzulande weiterhin Aufwind haben.»

Apropos EM: Wer wird eigentlich Europameister bei den Männern? «Obwohl ich für die Schweiz und Italien bin, wird es am Ende wohl Deutschland machen. Das ist halt eine typische Turniermannschaft.»