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FUSSBALL: Vladimir Petkovic folgt auf Ottmar Hitzfeld

Vladimir Petkovic (50) wird im Sommer nach der WM das Schweizer Nationalteam übernehmen. Der Nachfolger von Ottmar Hitzfeld einigte sich mit dem SFV nach mehreren Verhandlungsrunden auf einen Vertrag bis Ende 2015.
Petkovic wird Hitzfelds Nachfolger. (Bild: Keystone)

Petkovic wird Hitzfelds Nachfolger. (Bild: Keystone)

Dass der Tessiner mit bosnisch-kroatischen Wurzeln seine Amtszeit bei Lazio beenden wird und die SFV-Auswahl übernehmen könnte, zeichnete sich seit Wochen ab. Nach der Absage von Marcel Koller war der frühere YB-Trainer zum Top-Kandidaten aufgestiegen - der Boulevard veröffentlichte den Transfer schon im letzten Monat als fix.

Den Vertrag unterzeichnete der 50-Jährige aber erst am Montag und informierte den Lazio-Präsidenten Claudio Lotito. «Der Zeitpunkt ist ideal. Es war wichtig, die Verhältnisse für die Zeit nach der WM frühzeitig zu klären», betonte SFV-Präsident in einem Interview gegenüber der Sportinformation. Der Entscheid, Petkovic zu engagieren, werde von den verschiedenen Gremien «breit getragen». Dass er nach der Absage von Marcel Koller nur die Nummer 2 ist, dementiert Gilliéron: «Wir betrachten das Wahlprozedere nicht als Wettbewerb mit Gewinnern oder Verlierern.»

Sollte er die nächste EM in Frankreich erreichen, verlängert sich das Engagement Petkovic automatisch bis zum 10. Juli 2016. Die Ansprüche hat die SFV-Führung klar definiert: «Wir wollen auch an der nächsten Endrunde vertreten sein.» 24 Tickets liegen in der kommenden Ausscheidung für die EM 2016 bereit. Im Gegensatz zu Hitzfeld wird sich Petkovic ein frühzeitiges EM-Out nicht leisten können.

Ponts Rückzug

Mit der Ankunft Petkovics kommt es auch im erweiterten Trainerstab der Nationalmannschaft zu Änderungen. Michel Pont, der Assistent von Köbi Kuhn und Hitzfeld, wird sich im nächsten Juli nach 13-jährigem Engagement zurückziehen. Der Genfer dürfte eine grosse Lücke hinterlassen. Seine integrative Kraft im Hintergrund ist nicht zu unterschätzen. Mit ihm wird der SFV einen hoch kompetenten und überaus loyalen Mitarbeiter verlieren. Und klar ist nun auch, dass Pierluigi Tami, der sich Hoffnungen machte und sich Chancen auf den Chef-Posten ausrechnete, Coach der U21 bleibt.

Petkovic wird zwei seiner langjährigen Weggefährten im Nationalteam installieren: Antonio Manicone (47) als neuen Assistenten, Paolo Rongoni als Konditions-Trainer. Die übrigen Rahmenbedingungen bleiben unverändert. Der Verband, in Brasilien zum dritten Mal in Folge an einer WM vertreten und im FIFA-Ranking zurzeit an achter Stelle klassiert, ist nicht an einem zu umfassenden Personalwechsel interessiert - mutmasslich auch deshalb zogen sich die Verhandlungen in die Länge.

Offizielle Vorstellung vertagt

Welche konkreten Pläne und Ziele Petkovic mit der Schweiz umsetzen will, wird er erst nach dem Jahreswechsel an einer Medienkonferenz in der Schweiz veröffentlichen. Am Tag nach dem blamablen 1:4 in Verona mochte Petkovic (noch) nicht als künftiger SFV-Chef-Trainer auftreten. Sein offizielles Statement zur persönlichen Beförderung liess er von der Kommunikationsabteilung des Verbandes verbreiten: «Ich habe die Schweizer Mannschaft und ihre Entwicklung unter Ottmar Hitzfeld natürlich laufend verfolgt. Darum ist mir sehr wohl bewusst, dass ich zum einen ein schwieriges Erbe antrete, zum andern aber auch ein bestens aufgestelltes Team mit Perspektiven übernehmen darf.»

In der Schweiz hat sich ehemalige Sozialarbeiter aus Sarajevo vor allem als smarter und flexibler Taktiker einen guten Namen geschaffen. Seit seinem Einstieg ins Business vor 16 Jahren führte er Bellinzona in die höchste Liga und 2008 in den Cupfinal. Während seiner knapp dreijährigen Zusammenarbeit mit YB formte er ein Spitzenteam, das den FCB hart bedrängte. In Bern stand Petkovic für das Spektakel mit seinem afrikanischen Joker Doumbia und die Einführung des riskanten Dreier-Abwehrsystems.

Seine Zeit in Bern endete im Mai 2011 trotz zwei Top-2-Platzierungen mit der Entlassung, weil er partout den Eindruck nicht widerlegen konnte, die entscheidenden Spiele zu verlieren - in negativer Erinnerung bleibt vor allem das 2:3 im Final gegen Sion nach einer 2:0-Führung. Erst in Rom streifte Petkovic das Image des ehrenvollen Verlierers ab - der Triumph im Cup-Final gegen die AS Roma trug ihm bei den Anhängern der «Biancocelesti» die höchstmögliche Wertschätzung ein.

In Rom vor der Freistellung

Die Euphorie der letzten Saison ist inzwischen aber einer ziemlich ausgeprägten Ernüchterung gewichen. Petkovics Ensemble driftete bereits im Herbst in eine Krise ab, deren Ende nicht absehbar ist. Einige Kommentatoren bereiteten nach acht Runden mit nur einem Sieg bereits die Schlagzeile «Addio, Petkovic!» vor. Das sonntägliche Bekenntnis zu Lazio nimmt dem designierten SFV-Coach in der Hauptstadt nun garantiert keiner mehr ab. Der Verein müsse wohl handeln, verlangten die Kritiker. Die Frage wird sein, ob das Geld für eine Entlassung überhaupt vorhanden ist.

Gemäss «La Repubblica» ist noch vor dem Jahreswechsel mit der sofortigen Freistellung Petkovics zu rechnen. Edy Reja stehe bereit. Der 68-Jährige hatte sich vor der Einsetzung des Schweiz-Kroaten aus freien Stücken zurückgezogen. Auch der Name von Murat Yakin kursierte in den italienischen Portalen erneut. Das «Casino» ist im Gang, die Dynamik wird während der Weihnachtspause kaum mehr aufzuhalten sein - auch wenn Petkovic damit rechnet, am 6. Januar im «Olimpico» gegen Inter an der Linie zu stehen.

si

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