FUSSBALL: «Werde keinen Trainer kopieren»

Der ehemalige Spitzenspieler Hakan Yakin (36) lanciert in Zug seine Trainerkarriere. Er hat kon­krete Vorstellungen, was er seinen Junioren vermitteln will.

Interview Marco Morosoli und Michael Wyss
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Martin Andermatt, der Leiter Ressort Sport und Trainer Zug 94 und Hakan Yakin, Trainer vom U15 Team Zugerland. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Martin Andermatt, der Leiter Ressort Sport und Trainer Zug 94 und Hakan Yakin, Trainer vom U15 Team Zugerland. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Hakan Yakin, Sie übernehmen die U-15-Mannschaft des Teams Zugerland und stehen zudem als Assistent vom neuen Cheftrainer Martin Andermatt bei der ersten Mannschaft von Zug 94 (1. Liga classic) an der Seitenlinie. Wie ist dieses Engagement denn zu Stande gekommen?

Hakan Yakin: Ich war beim Apollo-Projekt (siehe Kasten), welches Zug 94 dereinst in die Challenge League bringen soll, von Beginn weg als Verwaltungsrat der Zug 94 Sports & Entertainment AG nahe dabei. Jetzt will ich das Projekt weiter voranzutreiben. Bei den Junioren bin ich der Chef, beim Fanionteam von Zug 94 ist es Martin Andermatt. Das Engagement ist langfristig ausgelegt. Der Rest ergibt sich.

Was reizt Sie am Trainerjob?

Yakin: Ich habe das B-Diplom des Fussballverbandes in der Tasche. Um das A-Diplom anhängen zu können, muss ich Erfahrungen als Trainer einer Junioren-Mannschaft sammeln. Es hat sich ergeben, dass bei der U-15-Equipe des Teams Zugerland ein Job frei wurde. Da lag diese Lösung auf der Hand.

Ab sofort geben Sie Anweisungen und sind im Vergleich zu Ihrer Zeit als Spieler kein Befehlsempfänger mehr.Ein Problem?

Yakin: Als Spieler war meine Arbeit nach dem Training und dem Spiel jeweils erledigt. Ich weiss, dass ich als Trainer mehr Zeit investieren muss. Das geht von der Vorbereitung der Übungslektionen bis zur Analyse nach den Spielen. Doch ich freue mich auf diese neuen Aufgaben. Ich hatte ein halbes Jahr Zeit, um vom Keller bis zum Kopf alles aufzuräumen.

Was wollen Sie mit den jungen Spielern erreichen?

Yakin: Ich will immer gewinnen. Das gilt natürlich auch bei meinem neuen Job. Ich will meine Erfahrung als Spieler weitergeben. Die Spieler sollen mit Überzeugung und dem Willen, zu siegen, auftreten. Am Ende der Rückrunde will ich Fortschritte sehen.

Haben Sie irgendeinen Trainer als Vorbild? Zum Beispiel Ihren beim FC Basel engagierten Bruder Murat?

Yakin: Ich habe während meiner aktiven Zeit viele Trainer erlebt. Ich habe unter Ottmar Hitzfeld, Christian Gross und Martin Andermatt gespielt. Unter Andermatt gar bei drei verschiedenen Teams. Ich werde sicher keinen Trainer kopieren. Ich muss meine Linie finden und sie verfolgen. Es ist wie bei einem USB-Stick. Der ist zu Beginn leer und muss mit Inhalt gefüllt werden. Da müssen alle mithelfen. Darin sehe ich meine Aufgabe.

Werden Sie bei jedem Spiel Ihrer Junioren-Mannschaft dabei sein?

Yakin: Sicher. Ich leite auch die Trainings. Ich wohne jetzt in Meggen. Das liegt ja in der Nähe meiner neuen Arbeitsstätte.

Haben Sie keine Lust, wieder als Aktiver die Fussballschuhe zu schnüren? Bei Zug 94 könnten Ihre Fähigkeiten durchaus wertvoll sein.

Yakin: Ich werde ab und zu mittrainieren. Ich habe mich ja ein halbes Jahr erholen können. Da ist der Drang zurück auf den Fussballplatz natürlich da. Als Trainer ist der Rasen ja auch mein Arbeitsplatz. Mein Fokus liegt bei meiner Arbeit mit den Junioren. Ich werde aber Martin Andermatt helfen, wo ich kann.

Ist es Ihr Ziel, in der Zukunft mal eine Mannschaft in der Super League zu trainieren?

Yakin: Solche Gedanken habe ich derzeit nicht.

In Zug ist der EVZ die Nummer 1. Hat da Spitzenfussball überhaupt noch Platz?

Yakin: Das geht sicher. In Bern liegen Fussball- und Eishockeystadion auch beieinander. Die Infrastruktur in Zug ist gut, kann aber noch besser werden.