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FUSSBALL: Wiss: «Ausland bleibt ein Traum»

Alain Wiss ist ein Ur-Luzerner, der sich mit St. Gallen auf das Heimspiel vom Sonntag (16.00) gegen den FCL freut. Der 25-Jährige über Fringer, Luzern und die Fans.
Um beim FC St. Gallen eine dauerhafte Führungsrolle zu übernehmen, ist Ex-FCL-Spieler Alain Wiss in dieser Saison zu oft verletzt gewesen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Um beim FC St. Gallen eine dauerhafte Führungsrolle zu übernehmen, ist Ex-FCL-Spieler Alain Wiss in dieser Saison zu oft verletzt gewesen. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Interview Daniel wyrsch

Alain Wiss, acht Jahre gehörten Sie in Luzern praktisch zum Inventar, bis der damalige Sportchef Rolf Fringer vor zwölf Monaten Ihren Abgang provozierte. Seit Januar ist auch Fringer nicht mehr beim FCL – verspüren Sie eine gewisse Genugtuung?

Alain Wiss: Nein, absolut nicht. Dass zu meiner Zeit nicht alles korrekt gelaufen ist, sagte ich schon einmal. Rolf Fringer hätte früher und offener kommunizieren müssen, dann hätte es mit mir kein Problem gegeben. Doch Rolf Fringer und ich sprachen uns darüber längst aus, ich verspüre ihm gegenüber keine Schadenfreude. Ich hätte schliesslich ein Jahr länger bleiben können, doch suchte ich eine neue Herausforderung. Und die habe ich beim FC St. Gallen gefunden.

In St. Gallen haben Sie keine einfache Saison erlebt. Erst am Montag hat sich das Team mit dem 3:0-Heimsieg gegen den FC Zürich den Ligaerhalt gesichert.

Wiss: Das ist richtig. Jede Mannschaft ist einmal in einem Formtief gewesen, bei uns hat sich die Baisse in der Rückrunde durchgezogen. Dabei waren wir zu Beginn der zweiten Saisonhälfte noch im Rennen um die europäischen Plätze. Doch dann haben die Leistungen und die Resultate nicht mehr gestimmt. Am Schluss sind wir fast mittendrin im Abstiegskampf gewesen. Es ist zwar nicht unser Anspruch, aber wir sind froh, dass wir zwei Runden vor dem Saisonende nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben.

Der Trainerwechsel von Jeff Saibene zu Joe Zinnbauer dürfte für Sie nicht leicht gewesen sein, denn Saibene hatte Sie nach St. Gallen geholt.

Wiss: Das stimmt, doch ich habe in meiner Karriere genügend Trainerwechsel erlebt, daran bin ich mich aus Luzern gewöhnt. Leider musste ich in der Anfangsphase bei Joe unter Schmerzen spielen, dazu ist eine gravierende Verletzung gekommen. Umso glücklicher bin ich jetzt, dass ich meine Leistungen grösstenteils bringen kann.

Sie erlitten im verlorenen Cup-Achtelfinal gegen Luzern einen Anriss der Plantarsehne. Geht es Ihnen jetzt gesundheitlich wieder gut?

Wiss: Im Januar und Februar dachte ich, die Verletzungszeit dauere noch länger. Glücklicherweise bin ich schneller wieder auf dem Platz gestanden als erwartet.

Warum ist St. Gallen in dieser Saison nie richtig auf Touren gekommen?

Wiss: Wir müssen vor allem konstanter werden. Wir machten ein, zwei gute Spiele, bis wieder ein Durchhänger folgte. Ausserdem haben uns mit den verletzten Tafer und Bunjaku lange wichtige Spieler gefehlt. Insgesamt haben wir ein recht junges Kader, da ist es normal, dass die Jungen Lehrgeld bezahlen müssen.

Was halten Sie von den St. Galler Eigengewächsen?

Wiss: Wir haben einige gute Junge wie Silvan Hefti und Roy Gelmi. Roy hatte eine sehr gute Vorrunde. Ich bin überzeugt, wenn er wieder spielen kann, wird er seine Chance zu 100 Prozent packen und seinen Weg machen. Ich musste mich selbst auch immer bestätigen, hatte in Luzern am Anfang unter Carlos Bernegger und Markus Babbel länger nicht gespielt. Das Ziel muss in diesem Fall sein, gestärkt von der Bank auf den Platz zurückzukehren.

Sehen Sie es als Ihre Aufgabe, den Jungprofis zu helfen?

Wiss: Ich darf von mir behaupten, einen sehr guten Draht zu den Jungen zu haben. Ich sehe mich als Vermittler, kann meine Erfahrungen weitergeben und versuche zu helfen.

Sie sind mit dem Anspruch nach St. Gallen gegangen, ein Führungsspieler zu werden. Haben Verletzungen die Umsetzung stark erschwert?

Wiss: Als verletzter Spieler ist man in einer anderen Rolle. Ich bin immer in der Nähe der Mannschaft gewesen, aber verletzt kann man nicht dauernd in Kontakt mit dem Trainer sein. Mental war es nicht immer einfach.

In der Liga ist Luzern der St. Galler Punktelieferant gewesen: Alle drei Direktduelle gewann St. Gallen 1:0.

Wiss: Das waren nicht unsere besten Spiele. Unser Sieg in St. Gallen war verdient, Luzern dominierte uns dagegen zu Hause zweimal. Trotzdem haben wir auch diese Siege gerne genommen. Am Sonntag ist es das Ziel, gegen Luzern unbesiegt zu bleiben.

Wie erwähnt: Für St. Gallen ist die Saison gelaufen. Kann das Team gegen Luzern trotzdem alles geben?

Wiss: Die Frage ist, ob wir 100 Prozent geben können, aber ebenso, ob wir nun unbelastet auftreten können. Wichtig ist, dass wir uns vor dem Heimpublikum positiv verabschieden. Die Fans haben auch keine einfache Saison mitgemacht.

Haben Sie sich über die klare Leistungssteigerung des FCL gewundert?

Wiss: Es ist nicht selbstverständlich, wie die Mannschaft nach diesem verunglückten Rückrundenstart aufdrehen konnte. Das Team hat grosse Qualitäten, für Luzern geht es in den beiden letzten Spielen um viel. Ich hoffe, der FCL holt einen Europa-League-Platz. Aber die Luzerner sollen nur noch einmal siegen – wie im Vorjahr zu Hause gegen Sion.

Sie sind beim FC St. Gallen bis Sommer 2017 unter Vertrag. Kehren Sie danach zum FC Luzern zurück?

Wiss: Da bestehen überhaupt keine Pläne. Ich habe in St. Gallen eine Option für eine dritte Saison. Spielen wir nächste Saison konstanter, haben wir in unserem tollen Stadion noch mehr Fans. 14 000 Zuschauer sind dann im Schnitt möglich. Trotz allem möchte ich irgendwann ins Ausland wechseln, das bleibt mein Traum.

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