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Der Gegner aus dem eigenen Land

Das Nachbarschaftsduell zwischen Frankreich und Belgien im Halbfinal von heute Abend verspricht Spektakel. Auch wegen einer pikanten Personalie: Der Franzose Thierry Henry soll Belgien als Co-Trainer in den WM-Final bringen.
Jana Lange, Erik Roos (SID)
Die französische Fussballegende Thierry Henry trägt Rot-Schwarz-Gelb auf der Brust. (Bild: Felipe Trueba/EPA)

Die französische Fussballegende Thierry Henry trägt Rot-Schwarz-Gelb auf der Brust. (Bild: Felipe Trueba/EPA)

Wie wird man Weltmeister? Thierry Henry muss es wissen. Er war schliesslich dabei, als Frankreich vor 20 Jahren den Titel im eigenen Land gewann. Dieses Wissen ist wertvoll. «Er hat 1998 die WM und 2009 die Champions League gewonnen. Er weiss, was die Spieler fühlen, er kennt den Druck, der auf ihnen lastet», sagt Roberto Martinez. Martinez ist Trainer der belgischen Nationalmannschaft. Henry ist sein Assistent.

«Während 90 Minuten wird es für Thierry nur das belgische Herz geben.»

Heute Abend in St. Petersburg soll Henry, Rekordtorschütze der Franzosen, dabei helfen, Frankreich zu besiegen. Ausgerechnet. Jean-Marie Pfaff, belgische Goalielegende, behauptet sogar: «Frankreichs grösster Gegner sitzt auf der belgischen Bank.» Er, Henry, sei für Martinez «enorm wichtig», ein «Vertrauter». Der Spanier höre dem Franzosen zu, «bestimmt geht auch die eine oder andere taktische Umstellung auf eine Idee Henrys zurück».

«Wir haben uns so geliebt»

Mit Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps ist Henry 1998 Weltmeister und 2000 Europameister geworden. Man kennt sich. «Wir haben uns so sehr geliebt», titelte die Sportzeitung «L’Equipe» am Montag, der Unterton: Diese Zeiten sind vorbei. «Ich möchte ihm zeigen, dass er auf das falsche Pferd gesetzt hat», betont denn auch Frankreichs Angreifer Olivier Giroud. Sein Mitspieler Lucas Hernandez dagegen glaubt: «Wenn wir gewinnen, wird er auch glücklich sein. Denn am Ende ist er immer noch Franzose.»

Nicht alle in Frankreich sehen das so. In Frankreich wird Henry durchaus kritisch gesehen. Dort halten sie ihm etwa noch immer dieses Handspiel im Play-off-Rückspiel gegen Irland im November 2009 vor. Es brachte Frankreich zur WM 2010, aber eben auf eine unanständige Weise. Zum Vorwurf gemacht wird Henry auch seine angeblich mangelnde Nähe zu seinem Heimatland. Er wurde in Les Ulis im Umland von Paris geboren, doch er lebt in London, jettet durch die Welt und kommt selten bis gar nicht nach Frankreich.

«Ich möchte ihm zeigen, dass er auf das falsche Pferd gesetzt hat.»

Die Belgier sind begeistert von Henry. Er soll den belgischen Angreifern helfen, im Strafraum die richtigen Entscheidungen zu treffen. Er ist ausserdem für Standardsituationen verantwortlich. Der routinierte Thomas Vermaelen sagt über Henry: «Er hat super viel Erfahrung. Viele blicken zu ihm auf.» Deschamps freut sich auf das Wiedersehen mit seinem früheren Weggefährten. «Ich mag ihn sehr und freue mich für ihn. Er ist auf den richtigen Zug aufgesprungen», sagte Frankreichs Nationaltrainer am Montag, betonte aber auch: «Natürlich ist das eine schwierige Sache für ihn, er ist jetzt ein Gegner seines Heimatlandes.»

Henry spendet seinen Lohn für wohltätige Zwecke

Ob in der Brust von Henry zwei Herzen schlagen? «Während der 90 Minuten wird es für ihn nur das belgische Herz geben», behauptet Pfaff. Henry schweigt zu alledem, er steht exklusiv bei einem TV-Sender unter Vertrag. Im Tagesgeschäft bleibt er im Hintergrund. In einem seiner höchst seltenen Interviews betonte er beim belgischen TV-Sender RTBF seinen Status als der zweite Vertreter von Martinez. «Ich bin T3, zumindest im Moment. Was ich später einmal sein werde? Daran denke ich derzeit nicht.» Dafür, dass er weltmeisterliches Wissen vermittelt, ist er übrigens ein Schnäppchen für die Belgier: Henry erhält 8000 Euro pro Monat. Er spendet das Geld für wohltätige Zwecke.

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