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Die Russen träumen schon vom Final

Vor der Weltmeisterschaft hatte das Team Russlands kaum Rückhalt in der heimischen Bevölkerung. Durch den Einzug in den Viertelfinal hat sich alles geändert. Jetzt glaubt man vor dem Spiel gegen Kroatien, heute um 20 Uhr, sogar ans ganz grosse Wunder.
Raphael Gutzwiller, Moskau
Russische Anhänger in den Strassen Moskaus nach dem Achtelfinalsieg gegen Spanien. Das WM-Fieber ist deutlich gestiegen. (Bild: Felipe Trueba/EPA (1. Juli 2018))

Russische Anhänger in den Strassen Moskaus nach dem Achtelfinalsieg gegen Spanien. Das WM-Fieber ist deutlich gestiegen. (Bild: Felipe Trueba/EPA (1. Juli 2018))

Noch bis fünf Uhr hörte man sie in jener Sonntagnacht feiern in den Strassen von Moskau. In Fahnen gehüllt, teilweise ­ in hupenden Autos, und noch viel häufiger zu Fuss, machten die russischen Anhänger Moskau zum Tag. «Rossija, Rossija, Rossija», schrien sie in die Nacht hinaus, auch Stunden nach dem Abpfiff konnten sie kaum glauben, was geschehen war.

Das Nationalteam Russlands hatte etwas geschafft, was vor dem Turnier niemand für möglich gehalten hatte. Es hat den Viertelfinal erreicht. Und auf dem Weg dahin sogar den Weltmeister von 2010, Spanien, im Achtelfinal eliminiert. Zu verdanken hatte das Team jenen Erfolg einer Defensivtaktik und einem starken Torhüter Igor Akinfejew, der im Elfmeterschiessen zwei Penaltys parierte. Der Erfolg ist historisch. 1966 ist die damalige Sowjetunion an der Weltmeisterschaft in England bis in den Halbfinal vorgestossen, klassierte sich am Ende auf dem vierten Rang.

«Ich gehe davon aus, dass noch wichtigere Spiele dazukommen»

Vom Halbfinaleinzug träumt inzwischen die Bevölkerung auch an der Heimweltmeisterschaft. Dabei hatte man vor dem Turnier der eigenen Mannschaft praktisch nichts zugetraut. Sie lag in der Weltrangliste nur auf Position 70, hat vor ­dem Turnier die letzten sieben Spiele nicht gewonnen. Darunter hatte die ­Sbornaja etwa gegen Österreich verloren und gegen den Iran nur unentschieden gespielt. Von der skeptischen Stimmung gegen die Nationalmannschaft ist in ­der russischen Hauptstadt, wo der mögliche Halbfinal der Russen sowie der WM-Final stattfinden, nichts mehr zu spüren.

Wer mit den Menschen auf der Strasse spricht, merkt rasch, wie gross der Glaube an das Team ist. Da ist etwa die Gruppe weiblicher Anhänger, die allesamt stolz das Trikot von Stürmer Dzyuba tragen und über den Roten Platz ­spazieren. Sie sagen: «Alles ist möglich, auch der Weltmeistertitel.» Und selbst die Fachzeitung «Sport-Express» schreibt: «Die Sbornaja hat gegen Spanien ein Wunder vollbracht. Sie hat sich den Weg zu den Träumen geebnet.»

Heute spielt Russland gegen Kroatien in Sotschi im Olympiastadion. Ein Stadion, in dem die Russen an der diesjährigen Weltmeisterschaft noch nicht zu Gast waren. Dennoch reiste das Team erst am Donnerstag ins deutlich wärmere Sotschi aus Moskau an. «Wir wissen, was uns hier erwartet», begründete Trainer Stanislaw Tschertschessow an der Pressekonferenz vor dem Viertelfinal, an dem der russische Präsident Wladimir Putin, übrigens wie schon beim Sieg gegen Spanien, nicht vor Ort sein wird.

Gefragt, ob es das wichtigste Spiel seiner Trainerkarriere sei, sagte Tschertschessow: «Ich gehe davon aus, dass an dieser WM noch wichtigere Spiele dazukommen werden.» Bereits nach dem Erfolg gegen Spanien hatte sich der Nationaltrainer wenig emotional gezeigt und danach begründet, er brauche die Emotionen noch und werde sie erst zeigen, wenn man etwas ganz Grosses erreicht habe. Eine Träumerei sei das aber nicht: «Ich glaube einfach, dass vieles möglich ist.» Er sagt es nicht, aber macht durchaus klar, dass er nichts weniger als den WM-Titel im Visier hat. Für viele Russen ist Tschertschessow bereits ein ganz Grosser. Es wurden bereits Rufe laut, man solle für ihn und Torhüter Akinfejew Denkmäler bauen.

Die wird es aber noch nicht geben, kündete Igor Woskressenski, der Vorsitzende der Moskauer Denkmalkommission, an. «Das kommt viel zu früh», sagt er. Und er gibt zu bedenken: «Heute wird einer hochgejubelt, morgen wird er verflucht. So ist doch der Sport.» Somit wird es also noch kein in Stein gemeisseltes Denkmal vom als «Kauz» verschrienen Trainer geben. Doch mit einer Halbfinalqualifikation könnte sich das vielleicht ändern. In Moskau würde bestimmt wieder eine grosse Party steigen.

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