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Doppeladler-Jubel: Fifa leitet Verfahren ein – Verband gibt Shaqiri und Xhaka Rückendeckung

Statt dass sich die Schweizer am Sieg über Serbien freuen können, müssen sie in den Verteidigungsmodus. Zu sehr haben die Jubelposen von Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka irritiert. Dabei sollte in den Gesten das gesehen werden, was sie sind: Emotionen
Christian Brägger, Toljatti
1:1-Torschütze Granit Xhaka zeigt den Albanien-Adler. (Bild: Laurent Gillieron/Keystone, Kaliningrad, 22. Juni 2018)

1:1-Torschütze Granit Xhaka zeigt den Albanien-Adler. (Bild: Laurent Gillieron/Keystone, Kaliningrad, 22. Juni 2018)

Die Politik will den Sport oft instrumentalisieren, seine Nähe suchen, weil es sich dort gut lebt. Aber auch, weil er als Projektionsfläche dienen kann – und manchmal ist es umgekehrt. Im Vorlauf der zweiten WM-Partie ist wieder ein bisschen Politik in den Sport hineingerutscht, als sich der serbische Aussenminister beispielsweise abfällig zur Begegnung mit den Schweizern äusserte und ihre teilweise kosovarische Herkunft thematisierte. Auch am Freitagabend in den 98 Spielminuten war dies der Fall, in denen der serbische Anhang sich manchmal nicht mehr spürte und in dieser WM-Partie so viel mehr sah. Und es passierte je nach Sichtweise auch bei den Schweizer Toren, als Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri mit ihren Jubelgesten, dem albanischen Doppeladler, ihre Statements auf dem Platz und später auf Instagram platzierten. Das war von den beiden nicht unbedingt clever und offenbart einen nicht gerade sensiblen Umgang mit einem Thema, das im Lager der Schweizer zuletzt totgeschwiegen wurde. Und das man seit 2014 hinter sich glaubte; damals entschied sich der Mannschaftsrat, Symbolen oder Gesten der Balkanheimat keine Bühne mehr zu geben, weil es den Anhänger befremdete, ja teilweise erzürnte. Dabei geht gerne vergessen, dass es ebendiese Spieler und ihre Mentalität sind, die die Schweiz stärker machen – sie ist ein erster Profiteur von den Zerwürfnissen im Balkan.

Blerim Dzemaili sagte: «Wir mussten einige Dinge im Vorfeld ertragen. Für die Leute, die den Krieg selbst erlebt haben, sind die Emotionen nur noch höher.» Und meinte damit die Behramis, die Shaqiris und die Xhakas. Letztlich war es ein normaler Vorgang, dass sich Emotionen aufstauen und im bestmöglichen Moment des Tores unter dem Anflug von Adrenalin und Testosteron entladen. Shaqiri sagte: «Viele Leute wissen, worum es geht. Aber es ging mir nicht um Politik. Mein Jubel war pure Freude, pure Emotion und ein grosser Dank an alle Leute, die mich immer unterstützt haben.»

Das entscheidende Goal von Xherdan Shaqiri, mit dem die Schweizer den 2:1-Sieg gegen die Serben holen (Bild: Dan Mullan/Getty Images)
Die Schweizer Fabian Schär und Stephan Lichtsteiner stossen im Penalty-Raum mit dem serbischen Spieler Aleksandar Mitrovic zusammen (Bild: Matthias Hangst/Getty Images)
Xherdan Shaqiri wird gefeiert (Bild: KEYSTONE/Laurent Gillieron)
Mittelfeldspieler Xherdan Shaqiri macht die umstrittene Geste des Kosovo-Doppeladlers. (Bild: KEYSTONE/Laurent Gillieron)
Xherdan Shaqiri küsst den Rasen nach seinem Goal, das der Schweiz den Sieg brachte (Bild: AP Photo/Antonio Calanni)
Serbiens Verteidiger Dusko Tosic (links) und Nikola Milenkovic kämpfen um den Ball mit Nati-Stürmer Haris Seferovic (Bild: KEYSTONE/Laurent Gillieron).
Schweizer Fans während des hochspannenden Spiels. (KEYSTONE/Martial Trezzini)
Die Trainer der Schweiz und Serbiens, Vladimir Petkovic (links) und Krstajic Mladen (Bild: KEYSTONE/Laurent Gillieron).
Granit Xhaka, der das erste Goal für die Schweiz holte, macht die umstrittene Geste ebenfalls (KEYSTONE/Laurent Gillieron)
Nun auch ncoh Regen: Spieler Serbiens nach dem Ende der Partie (Bild: AP Photo/Matthias Schrader)
Manuel Akanji und Stephan Lichtsteiner (links) freuen sich über den Sieg (Bild: AP Photo/Matthias Schrader)
Aufgestellte Schweizer Fans. (Bild: KEYSTONE/Laurent Gillieron)
12 Bilder

Die besten Impressionen vom Spiel Schweiz-Serbien

Miescher und Sulser stellen sich den Medien

Unklug war es dennoch, die Fussballbühne für scheinbar politische Zeichen zu missbrauchen. Es sind Provokationen, die nichts mit Sport zu tun haben. Dass dann auch noch Stephan Lichtsteiner beim Jubeln hinzurennt und ebenfalls den Doppeladler macht, zeigt zwar, wie solidarisch diese Mannschaft ist, macht das Ganze aber nicht besser. Der Captain sagte: «Ich glaube nicht, dass die Schweizer ein Problem damit haben, wenn man so jubelt. Weil wir ja wissen, dass sie Doppelbürger sind. Es war wichtig, dass wir ihnen geholfen haben und sie uns geholfen haben. Für uns Schweizer war es schon schwierig, und für die Doppelbürger war es noch viel schwieriger. Ich finde es auch richtig, dass man das ausgiebig feiert und die Emotionen rauslässt.»

Das Thema kochte gestern Nachmittag in Toljatti noch hoch, weswegen sich Alex Miescher, der SFV-Generalsekretär, und Claudio Sulser, der Delegierte des Nationalteams, den Medien stellten. «Politische Statements haben im Sport nichts verloren, doch das waren keine. Ich verstehe, dass Kritik kommt. Jeder kann seine Meinung äussern, jeder darf seinen Blickwinkel haben. Wir hoffen einfach, dass der Sieg darob nicht vergessen geht», sagte Miescher. Probleme würden immer dann entstehen, wenn man Meinungen zu unterdrücken versucht. Er wohne lieber in einem Land, in dem man auch einmal etwas stehen lassen könne. «Wir wollen den Spielern nichts verbieten», fügte Miescher an.

Sulser sah im Jubel eine spontane Reaktion der Spieler. «Es ist nicht wirklich schlimm, was passiert ist. Eine Affekthandlung, sehr emotional. Das war ein Reflex und beinhaltete keine religiöse und auch keine politische Nachricht.» Dennoch könnte die Fifa die Dinge anders sehen und hat eine Untersuchung angeordnet, die für die «fehlbaren» Schweizer am Ende eine Busse oder im schlimmsten Fall gar eine Spielsperre vorsehen könnte. Der Schweizer Verband rechnet aber nicht damit. Sulser sagte aber auch, er werde das vertiefende Gespräch mit Xhaka und Co. suchen, lasse ihnen aber ihre Freiheit der Meinungsäusserung. Und bald einmal merkte man ihm an: Das gelegte Störfeuer, die Aufruhr, kam ihm ziemlich ungelegen.

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