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Kolumne

Ein Tor für die Ewigkeit

WM-Kolumne
Sebastian Wendel

Ehre muss sein: TV, Radios, Onlinemedien und alle Zeitungen widmen nach dem 1:1 gegen Brasilien ihre grossen Geschichten Torschütze Steven Zuber. Die Schweizer wissen nun, dass Zuber auf einem Bauernhof im Tösstal aufgewachsen ist. Dass er als Flexitarier Fleisch und Gemüse mag. Oder dass während seiner Hochzeitsnacht im Nobelhotel «Baur au Lac» gleichenorts ranghohe Fifa-Funktionäre verhaftet wurden. Ein Tor ist längst nicht mehr nur ein Tor. Es kann zur Folge haben, dass die Essgewohnheiten, das Lieblingsauto und die Tätowierungen des Torschützen in den Vordergrund drängen. Ein Tor wie das von Zuber gegen Brasilien kann ein Leben verändern, es ist ein Tor für die Ewigkeit. Tipp an Zuber: Fragen Sie doch mal bei Gelson Fernandes nach! Vor acht Jahren gewann die Schweiz in Südafrika sensationell das Startspiel gegen den späteren Weltmeister Spanien. Torschütze: Gelson Fernandes, dem es wie in diesen Tagen Zuber erging. Die Medien kramten den Menschen hinter dem Fussballer hervor, der Hype war riesig. Obwohl sein Tor letztlich wertlos war, weil die Schweiz nach der Gruppenphase ausschied, verfolgt es Gelson bis heute. Gelson? Das ist doch der, der uns zum Sieg gegen Spanien geschossen hat! Aber wissen Sie, dass die Schweiz ohne Gelsons Tor im Qualifikationsspiel in Moldawien vielleicht gar nicht nach Südafrika geflogen wäre? Oder dass Gelson mit Ausnahme von Spanien in allen vier Topligen Europas gespielt hat? Etwas, das sonst kein Schweizer geschafft hat. Gelson stand nach der WM 2010 nur noch zweimal in einem Pflichtspiel in der Startformation. Die Frohnatur lächelt alle Skepsis weg und kokettiert mit der Rolle des Spassvogels. Ob der scheue Zuber das auch kann, sollte ihn dereinst das gleiche Schicksal ereilen? Kaum. Hoffen wir darum für Zuber, dass Brasilien nur der Anfang war und er viele weitere Sternstunden im Trikot des Schweizer Nationalteams folgen lässt.

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