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«Schuldzuweisungen sind nicht produktiv»

Ulrich Schmid ist Professor für osteuropäische Kulturgeschichte an der Universität St. Gallen und beschäftigt sich mit dem Phänomen des Nationalismus. Er erklärt seine Sicht zum Doppeladlerjubel und zum Fifa-Entscheid.
Ralf Streule
Ulrich Schmid. Bild: Mareycke Frehner

Ulrich Schmid. Bild: Mareycke Frehner

Die Fifa hat entschieden, den Jubel von Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner mit einer Busse zu bestrafen. Diese dürfte den Betreffenden kaum weh tun.

Die Fifa musste eine Lösung finden, die die ganze Situation nicht weiter anheizt – das war eine sehr schwierige Aufgabe. Es war klar, dass sich danach eine Seite benachteiligt fühlen würde. Dass sich Politik und Sport vermischen, ist an einer WM ein strukturelles Problem. Nationalteams spielen gegeneinander, da gehen patriotische Emotionen hoch.

Haben Sie sich persönlich über die Geste geärgert?

Ich war eher erstaunt. Ich denke aber, sie drückten damit schlicht ihre Freude aus. Natürlich kann man es als Provokation deuten. In Serbien ist der Doppeladler aber nicht so bekannt – er ist eher ein Phänomen der kosovo-albanischen Exilgemeinschaft, die vor allem in der Schweiz präsent ist.

Was steckt konkret hinter der Geste?

Der Doppeladler war das Wappentier des legendären albanischen Stammvaters Skanderbeg und ziert heute die albanische Nationalflagge. Die Geste verweist auf den Albanismus im überstaatlichen Sinne und wurde etwa bei der Anerkennung des Kosovo 2008 bei Schweizer Exilalbanern oft gebraucht.

Xhakas Jubel wirkte dennoch sehr provokativ.

Es ist nicht produktiv, Schuldzuweisungen zu machen. Die Spieler waren den Provokationen des Publikums ausgesetzt. Die Geste kann man als politisches Statement verstehen, sie ist aber nicht grundsätzlich gegen Serbien gerichtet.

Viele Schweizer Kosovo-Albaner versuchen, die Geschichte hinter sich zu lassen. Ist es nicht kontraproduktiv, wenn Spieler im WM-Fokus politische Botschaften platzieren?

Die Spieler hätten ihre Freude auch neutraler zeigen können. Wie wenig aber das Politische im Vordergrund steht, zeigt ja die Solidaritätsgeste von Lichtsteiner. Es gibt in der Schweiz eine weitere Diskussion: Darf man im Schweizer Dress den Albanismus feiern? Man kann es entspannter anschauen, wie Schriftsteller Pedro Lenz, der sagte, der Schweiz seien Flügel gewachsen. Dass Spieler mit einem kosovarischen Hintergrund sich fürs Schweizer Dress entschieden haben, ist eine wichtige Loyalitätsbekundung. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist auch die Schweizer Nationalität bunt geworden. Das ist gut so. Interview: Ralf Streule Ulrich SchmidBild: Mareycke Frehner

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