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Schweizer Nationalteam: Die Gewinner und Verlierer der WM in Russland

Der Frust über das erneute Ausscheiden in einem Achtelfinal sitzt bei den Schweizer Spielern noch immer tief. Wer hat trotz unglücklichem Ende an der Weltmeisterschaft in Russland dennoch seine Leistung abgerufen, wer blieb glanzlos? Eine Einschätzung.
Christian Brägger
Granit Xhaka blieb unter seinen eigenen hohen Erwartungen. (Georgi Licovski/EPA)

Granit Xhaka blieb unter seinen eigenen hohen Erwartungen. (Georgi Licovski/EPA)

Die Gewinner

Yann Sommer

Keiner hat’s an dieser WM besser gemacht aus dem Schweizer Kader. Yann Sommer war und hielt Weltklasse, in jeder Partie vereitelte er mit mindestens einer Glanztat Unheilvolles. Und wäre die Schweiz ihrem Anspruch gerecht geworden und weitergekommen als bis in die Achtelfinals, der 29-Jährige wäre der Kandidat für den «Goalie des Turniers». So aber bleibt die stille Genugtuung, wenigstens für sich den nächsten Schritt in der Karriere gemacht zu haben. Der 29-Jährige hat vor der Zeit in Russland gesagt, für ihn sei es eine Challenge, an der WM gegen die richtig guten Fussballer zu bestehen. Nach der Werbung in eigener Sache könnte Sommer für sich den Umkehrschluss wagen: Es wäre eine Challenge, weg von Gladbach und dafür gemeinsam mit den richtig guten Fussballern zu spielen.

Manuel Akanji

Die Welt ist ungerecht. Wenn ein Schweizer dieses Ende nicht verdient hatte, dann er, Manuel Akanji. Er ist so etwas wie die Entdeckung des Turniers. Er verblüffte mit seiner Ruhe gleichsam wie mit seiner Schnelligkeit und Zweikampfstärke. Und dann kommt dieser eine Moment, der zum entscheidenden werden sollte; der Ball, der von seinem Fuss ins eigene Tor abgelenkt wird. 0:1, der gelbe Jubel, der rote Frust, Akanji liegt am Boden, das Trikot über den Kopf gezogen. Da mag er noch nicht daran denken, dass er auf dieser Bühne noch viele weitere Chancen erhalten wird. Zunächst einmal wird er in Dortmund von Lucien Favre noch ein bisschen geformt.

Valon Behrami

Von ihm wird vor allem ein Bild in Erinnerung bleiben. Wie er herabschaut auf den sich am Boden windenden Neymar. Es ist eigentlich ein ungleiches Duell: hier der alternde Schweizer Kämpfer, gewiss kein Techniker vor dem Herrn, da der Weltstar, ein Genie am Ball eigentlich, aber doch so verzweifelt plötzlich. Die Welt schaut zu, lacht und lamentiert über Neymar, so wie sie es noch oft tut an dieser WM - und Behrami, von keinem Schmerz dieser Welt zu erschüttern, beweist noch einmal seinen grossen Wert für diese Mannschaft. Vielleicht mehr denn je. Man wünscht ihm, dass er noch manchen Schmerzimpuls in den Knien verdrängen mag.

Die Verlierer

Haris Seferovic

Am längsten hat Vladimir Petkovic an Haris Seferovic geglaubt, an ihm festgehalten. Bis der Trainer nach dem ersten Spiel ein Einsehen hatte und umschwenkte. Er tat damit sich und dem Stürmer einen Gefallen. Der U17-Weltmeister von 2009 steht am Scheideweg, er muss wieder einmal seine Karriere neu lancieren. Der schwere Rucksack aus Benfica, den er vollgepackt mit Verunsicherung und Ladehemmung mitbrachte, wog jedenfalls an dieser WM zu schwer. Natürlich arbeitet Seferovic viel, auch nach hinten. Aber dieser Leistungsausweis ist letztlich begrenzt, wenn er denn überhaupt einer ist für einen Torjäger. Und so bleibt am Ende des Turniers dieser Eindruck haften: Seferovic war dabei, aber irgendwie auch nicht.

Granit Xhaka

«Wir wollen gegen Schweden gewinnen, dann schauen wir weiter.» Der Mittelfeldstratege gibt sich stets selbstbewusst, redet alle und vor allem sich stark. Bisweilen wird ihm das als arrogant ausgelegt, und vielleicht ist es das auch. In jedem Fall ist der Grat schmal, auf dem sich Granit Xhaka bewegt. Und die Fallhöhe gross. An der WM verschwand der Arsenal-Profi völlig von der Bildfläche, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Verband hielt ihn unter Verschluss, auf dem Platz war der 25-Jährige nicht der sichtbare Taktgeber. Gäbe es diese zweite Halbzeit gegen Serbien nicht, in der der im Stolz verletze Xhaka endlich zeigte, was in ihm steckt, das Urteil wäre ohne Adlergruss gemacht. So aber bleibt gerade bei Xhaka dieser letzte Eindruck haften, der im Prinzip für alle Schweizer gilt. Weniger reden, dafür Taten sprechen lassen. Und zwar ohne Handzeichen.

Blerim Dzemaili

Dann fliegt der Ball übers Tor. Und der Schweiz bleibt nur der Konjuktiv: Was wäre, wenn ihre Nummer 10 das Tor doch nur ein bisschen häufiger treffen würde? Vielleicht wäre sie gegen Schweden 1:0 in Führung gegangen, hätte den Achtelfinal gar gewonnen. Vielleicht wäre auch sonst manch ein Spiel nicht so kompliziert. Aber so ist das nicht. Die Schweiz hat Dzemaili. Sie muss mit ihm hoffen, und dann fast immer feststellen, dass es doch nur ein unerträgliches Leiden ist. Es sind ganz einfach zu viele Chancen, die er vergibt. Das ist das, was diese WM gezeigt hat. Sie hat aus Dzemaili einen Verlierer gemacht.

Restliche Spielerbewertungen:

Fabian Schär

Der Ostschweizer spielte einen soliden Part, mehr nicht. In jedem Spiel hatte er Unsicherheiten, in jedem Spiel hatte er seine guten Momente. Es wird Zeit, dass sich Fabian Schär einen Club sucht, bei dem er zur Ruhe kommt. Denn grundsätzlich, wie bei der Niederlage gegen Schweden gesehen, ist der 26-Jährige aus dem Schweizer Nationalteam nicht wegzudenken.

Stephan Lichtsteiner

Als es den Captain am dringendsten gebraucht hätte, durfte er nicht auf dem Platz stehen, weil er gesperrt war. Biss und Leidenschaft und unbändiger Siegeswille - das alles ist offensichtlich noch immer nicht genug im Team verankert. Lichtsteiner weist den Weg. Und er muss das auch weiter tun.

Denis Zakaria

Ihm gehört die Zukunft. Wenn Behramis Körper einmal nicht mehr mag, dann darf er übernehmen. Eine halbe Stunde durfte er an dieser WM spielen, gegen Costa Rica, und die zeigte die derzeitige Situation ziemlich gut auf. Zakaria ist noch etwas nervös und überhastet, aber er hat plötzlich geniale Einfälle und einen Punch, der diesem Team eigentlich nur gut tun kann.

Ricardo Rodriguez

Ricardo Rodriguez war Ricardo Rodriguez und damit wie immer: Ein sicherer Wert, ohne nennenswerte Aussetzer und Ausrufezeichen. Seine Leistungen an der WM sind im vorderen Viertel des Teams einzuordnen, er war einer der wenigen, der es gegen die Schweden zumindest versuchte. Doch Rodriguez blieb oft mit seinen Flanken hängen. Vielleicht muss man dem Aussenverteidiger wie gegen Nordirland noch mehr Verantwortung übertragen. Wegen ihm waren die Schweizer ja letztlich überhaupt in Russland.

Michael Lang

Nach all den Jahren des Anstehens hätte es sein Spiel werden sollen gegen Schweden. Irgendwie wurde es dies auch, wenn auch im negativen Sinn. Lang spielte passabel, die rote Karte zum Spielschluss wegen der Notbremse bleibt eine Randnotiz. Keine Randnotiz bleibt, dass die Fussstapfen Stephan Lichtsteiners schlicht zu gross sind; weil der Captain von der Psyche und Präsenz, und nur von ihnen, nicht zu ersetzen ist.

Johan Djourou

Die Welschen regen sich auf, weil die Deutschschweizer Johan Djourou immer schlechter sehen, als er ist. Abermals gegen die Schweden war das der Fall. Doch exakt in diesem Spiel ist klargeworden, dass die Spieler Djourou nicht mehr vertrauen, sie ihm nur noch dann den Ball zuspielen, wenn es nicht anders geht. Djourou hat viel erlebt, an EM’s und WM’s, oft war er Stammspieler. Es überraschte nicht, würde er nun mit 31 Jahren und 75 Länderspielen zurücktreten.

Xherdan Shaqiri

Ein Turnier zwischen Licht und Schatten. Gegen Brasilien Fahrt aufgenommen. Dann letztlich herausragend gegen Serbien. Aber darf jener Siegtreffer den bescheidenen Auftritt im Achtelfinal überstrahlen? Nein, eher nicht. Es ist dieser letzte Eindruck, der bleibt. Und darum gilt: Man hätte sich mehr erhofft.

Steven Zuber

Sein grosser Moment, das Tor gegen Brasilien, kam früh im Turnier. Viel mehr war es dann aber auch nicht, das sich in den Köpfen festgesetzt hat. Im Achtelfinal ist er ein einziges Mal zu sehen, bereitete die goldene Chance von Dzemaili vor. Immerhin das, aber am Ende zu wenig, um mehr als Durchschnitt zu sein.

Breel Embolo

Ist zwischen Vorrunde und Achtelfinal erstmals Vater geworden. Kann in dieser neuen Rolle die Reife beweisen, die er als 21-jähriger Fussballer auf dem Platz noch immer nicht hat. Es bleibt dabei: Er hat in dieser Mannschaft seinen Platz noch immer nicht gefunden. Und das, obwohl die Offensiv-Konkurrenz alles andere als glänzt. Seine Zeit kann noch kommen, muss aber zulegen.

Josip Drmic

Die Geschichte wäre auch zu schön gewesen. Innert eines Jahres vom drohenden Karrierenende zum umjubelten WM-Helden. Es blieb ein Wunsch. Aber Drmic hat etwas, das niemand sonst hat in diesem Team: Er riecht das Tor. Ob mit Kopfbällen oder technisch einwandfrei per Fuss (wie beim Tor gegen Costa Rica). Legt er körperlich zu, kann er diesem Team noch einige Freude bereiten.

Mario Gavranovic

Mario Gavranovic hat seine Sache so gut gemacht, wie man sie von einem Stürmer der kroatischen Liga eben erwarten kann. Im zweiten Spiel hatte der Tessiner seinen Moment, als er Xherdan Shaqiri den Siegtreffer ermöglichte. In der dritten Partie erhielt er seine Chance, nutzte sie aber nicht. Er hat zwar Goalgetter-Qualitäten, aber zu wenig Wasserverdrängung. Ein Wechsel in eine besser Liga wäre jedenfalls angezeigt.

Trainer Vladimir Petkovic

Es ist das Schicksal eines Trainers, dass er an entscheidenden Spielen gemessen wird. Und so scheiden sich nach dem jüngsten Misserfolg die Geister, die Kritiken werden lauter. Vladimir Pektovic machte vieles intuitiv richtig, aber an dieser WM auch einige Dinge falsch. Gegen Costa Rica riskierte er gelbe Karten seiner Stammformation. In jedes Spiel starteten seine Spieler lethargisch, nahezu apathisch. Und in der wegweisenden Partie gegen Schweden waren die Schweizer nicht bereit; es ist das Spiel, das besonders in seine Bewertung einfliesst, weil just seine Wechsel nicht griffen und er selbst nicht in Bestform war. Petkovic hat dem SFV und der Nationalmannschaft gutgetan, hat ihr einen neuen Spielstil eingetrichtert. Er ist wie ein Familienoberhaupt, das seine Schäfchen beschützt – und in Toljatti absonderte. Vergleicht man seine beiden Endrunden direkt miteinander, EM und jetzt die WM, dann muss man sagen: Die Schweiz hat mindestens stagniert, vor allem ist sie berechenbar, ihr Spiel lesbar geworden. Es liegt nun Petkovic selbst, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Welche das auch immer sein mögen von jenem Mann, der mit dem «Achtelfinal nicht zufrieden ist».

Nicht bewertet (ohne Einsatz):

Nico Elvedi, Remo Freuler, Ivon Mvogo, Roman Bürki, Gelson Fernandes.

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