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FUSSBALL: Yakin verliert den GC-Machtkampf

Murat Yakin ist nicht mehr Trainer der Grasshoppers. Zur Entlassung führten eine sportliche Talfahrt und ein Machtkampf in der Führungsetage. Ruhig dürfte es beim Rekordmeister auch ohne Yakin nicht werden.
Raphael Gutzwiller
Falsche Taktik neben dem Spielfeld: Trainer Murat Yakin. Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus (Zürich, 7. April 2018)

Falsche Taktik neben dem Spielfeld: Trainer Murat Yakin. Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus (Zürich, 7. April 2018)

Raphael Gutzwiller

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

Nach nur acht Monaten trennen sich die Grasshoppers von Murat Yakin als Cheftrainer. Die Entlassung ist nach den Chaostagen in den letzten Wochen auf dem Campus Niederhasli logisch. Als Interimslösung übernimmt Sportchef Mathias Walther.

Dass der Trainer im Fussballgeschäft das schwächste Glied ist, ist bekannt. Murat Yakin forderte diese Konstellation bei den Grasshoppers zuletzt arg heraus. Wie schon in seiner Zeit beim FC Luzern traf Yakin auf ein sehr unruhiges Umfeld mit Investoren und weiteren Personen, die versuchen, Einfluss zu nehmen. Er selber vertrat nicht immer dieselben Auffassungen wie Präsident Stephan Anliker, Sportchef Wal­ther und CEO Manuel Huber. Diese haben nun den Machtkampf für sich entschieden. Neben Yakin musste bereits Vizepräsident Roland Klein gehen, auch der Einfluss des ehemaligen Sportchefs und Einflüsterers Erich Vogel dürfte geringer werden. Der Vogel-Vertraute Heinz Spross dürfte seine Aktienanteile bald verkaufen.

Ende August 2017 war Yakin noch der grosse Hoffnungsträger des Schweizer Rekordmeisters gewesen. Der vorherige Trainer des FC Schaffhausen hatte damals seinen glücklosen Vorgänger Carlos Bernegger beerbt und brachte den Erfolg zurück. Yakin hatte das Team auf dem vorletzten Rang übernommen und lag mit den Zürchern wenige Wochen später schon auf dem dritten Rang. Dass sein Team dabei einen sehr defensiven Fussball zelebrierte, der darauf ausgerichtet war, das Spiel des Gegners zu zerstören, interessierte bei GC niemand. Präsident Anliker erklärte in einem Interview, Murat Yakin stehe für «Ruhe, Ausstrahlung und Souveränität».

Davon war in den letzten Wochen nichts mehr zu sehen. Vom ehemaligen Meistertrainer mit dem FC Basel drang das Bild eines Machtmenschen an die Öffentlichkeit. Yakin wollte möglichst viel Macht, er riss in der Winterpause ein menschlich intaktes Team auseinander – ohne Not.

Spieler traten öffentlich nach

Ridge Munsy (Erzgebirge Aue), Florian Kamberi (Hibernian) und Runar Mar Sigurjonsson (St. Gallen) mussten GC verlassen und wurden ausgeliehen. Sigurjonsson («Yakin spielt ein Kindergartenspiel») und Kamberi («Ich wurde respektlos behandelt») traten öffentlich nach. Später wurde auch Captain Milan Vilotic in die U21 verbannt, er hinterliess im Whatsapp-Chat der Mannschaft eine deftige Nachricht an Yakins Adresse («Lieber Yakin ... Du hast den Teamspirit zerstört ...»). Als wäre das nicht genug Unruhe, wirkte die Reaktion von Yakin auf die Nachricht Vilotics an einer Pressekonferenz respektlos. Er sagte über seine Spieler: «Die eine Hälfte kann nicht lesen, die andere Hälfte versteht es nicht.»

Noch unruhiger wurde es bei den Grasshoppers, als der «Blick» am 4. April eine Lohn­liste der Grasshoppers mit überhöhten Gehältern veröffentlichte. Die Lohnliste wurde von GC als unwahr kommentiert. Zudem kündigte der FC Schaffhausen Ende März die Zusammenarbeit mit den Hoppers, da GC Yakin den Schaffhausern ausgespannt hatte.

Es überrascht wenig, dass die Grasshoppers, die mit ihrer defensiven Spielweise unter Yakin eine solidarische Einheit bilden müssten, sportlich nicht mehr an die Leistungen aus der Vorrunde anknüpfen konnten. In seinen letzten sechs Spielen holte Yakin nur zwei Punkte und schied aus dem Schweizer Cup aus. Im Moment trennt GC nur noch vier Punkte vom Tabellenletzten Sion.

Die sportliche Talfahrt dürfte jedoch nicht der Hauptgrund für Yakins Entlassung gewesen sein, auch wenn die Grasshoppers in der offiziellen Mitteilung schreiben: «Es zählen am Ende die Resultate und eine gute Atmosphäre in der Mannschaft.»

Eine Pressekonferenz, wie sie bei einer Trainerentlassung normalerweise stattfindet, fiel gestern aus. Auch Yakin wollte sich auf Anfrage nicht äussern. Mehr Ruhe dürfte im Umfeld des Grasshopper Club mit dieser Kommunikationspolitik nicht einkehren.

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