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FUSSBALL: Zwei Macher versuchen den Spagat

Der FC Sion, heute im Cup-Halbfinal Gegner des FC Luzern, setzt seit vergangenem Sommer auf den Nachwuchs. Vermutlich ist es da nur konsequent, dass der Sportchef erst 22 Jahre alt ist.
Nicola Berger
Der Präsident und sein Sportchef: Christian Constantin mit Sohn Barthélémy (rechts). (Bild: Olivier Maire/Keystone (Sion, 12. Februar 2017))

Der Präsident und sein Sportchef: Christian Constantin mit Sohn Barthélémy (rechts). (Bild: Olivier Maire/Keystone (Sion, 12. Februar 2017))

Nicola Berger

sport@luzernerzeitung.ch

Christian Constantin liebt den Glamour. Der Präsident des FC Sion schmückt sich gerne mit grossen Namen. Wann immer sich ihm die Chance bietet, Fussballer mit einem gewissen Renommee zu verpflichten: Constantin versucht, sie zu nutzen. Das war bei Gennaro Gattuso so, dem italienischen Weltmeister von 2006. Bei Salatic, Monterrubio, El-Hadary, bei Ziegler. Aber noch mehr als das Flair internationaler Klasse mag Constantin: das Geld. Er, der millionenschwere Architekt und Immobilienhändler, der sich jedes Jahr das neueste Ferrari-Modell nach Hause liefern lässt. Nun sind gestandene Fussballer teuer, zumal Sion solche Spieler immer vergolden muss, weil das strukturschwache Wallis und das Stade de Tourbillon, diese aus der Zeit gefallene Trutzburg, nun mal keinen Standortvorteil darstellen. Dazu kommt: Spieler im Vorruhestand lassen sich kaum verkaufen, und seien sie noch so prominent.

Es hat auch mit diesen Faktoren zu tun, dass der Präsident einen Kurswechsel durchgesetzt hat und seit dem Trainerwechsel von Didier Tholot zu Peter Zeidler im August auf den Nachwuchs setzt. Sion stellt jetzt das zweitjüngste Kader der Super League; es sind nicht zuletzt die Jungen, die für die Musik sorgen. Der ehemalige Asylflüchtling Chadrac Akolo, 22, verzaubert mit seinen Dribblings und Toren die Liga. Der russische Torhüter Mitrjuschkin, 21, brilliert fast jedes Wochenende. Und der Spielgestalter Grégory Karlen, 22, gemahnt an Goran Obradovic, den legendären serbischen Regisseur. Constantin freut all das, aber es ärgert ihn, wenn man ihn fragt, warum er nicht früher auf die Idee gekommen sei, der Jugend eine Chance zu geben. Er sagt: «Unter meinem Vorgänger Gilbert Kadji gab es so gut wie keine Nachwuchsarbeit. Und danach wurde die Juniorenabteilung extern geführt. Ich habe sie erst auf die Saison 2011/12 wieder übernommen. Man kann die Früchte nicht von heute auf morgen ernten.»

Bei Gattuso waren sie sich uneinig

Constantin behauptet das, aber richtig ist es nur bedingt. Sion hatte auch in den Jahren zuvor ein für das bescheidene Einzugsgebiet bemerkenswertes Reservoir an begabten Jünglingen. Der konservative Trainer Tholot allerdings zögerte, ihnen das Vertrauen zu schenken. Inzwischen sind viele weitergezogen. Die Offensivkraft Edimilson wechselte für über 7 Millionen Franken zu West Ham. Und auch die Transfers des Innenverteidigers Lacroix (St Etienne) sowie des Mittelfeldspielers Sierro (Freiburg) brachten 2016 Millionenbeträge ein. Mit Ausnahme des FC Basel können die übrigen Klubs im Land von einer solchen Verkaufskadenz nur träumen.

Das Geschäft mit dem Nachwuchs floriert, und vermutlich ist es nur konsequent, dass Sion den jüngsten Sportchef der Liga beschäftigt. Er heisst Barthélémy Constantin (22) und hat von seinem Vater neben der Geschäftstüchtigkeit auch den Hang zur Impulsivität und zu dramatischen Auftritten geerbt. Constantin senior sagt, Barthélémy gebühre Anerkennung dafür, wie sich Talente im Klub entwickelten, er sei ein wichtiger Ansprechpartner, der «die gleiche Sprache» wie die jungen Fussballer spreche.

Das Vater-Sohn-Verhältnis war nicht immer so in Minne: 2013 hatte Barthélémy als Teammanager gewirkt. Im FC Sion war damals gerade das bizarre Experiment mit Gennaro Gattuso als Spielertrainer im Gang. Man muss über Barthélémy wissen, dass er ein glühender Anhänger der AC Milan ist. Die Zusammenarbeit mit Gattuso, sie war für ihn auch die Erfüllung eines Kindheitstraums. Doch nach nur zehn Punkten aus ebenso vielen Spielen senkte Christian Constantin den Daumen und ersetzte Gattuso durch Michel Decastel. Der Filius wollte die Demontage seines Kindheitsidols nicht akzeptieren, worauf ihn jenes Schicksal traf, das fast jeden Sittener Funktionär früher oder später ereilt: Er wurde entlassen.

Die Familie Constantin mag ihre Fehler haben, ihre Schwächen, doch wenn der Clan etwas kann, dann ist es das zu vergeben und zu vergessen. Christian Constantin beweist das immer wieder, etwa wenn er Trainer rezykliert: Tholot, Roussey und Decastel beschäftigte er mehrfach. Die Beziehung zu Barthélémy, so versichert der Vater das glaubhaft, habe unter dem Rausschmiss nicht gelitten, im Gegenteil, die Episode sei Teil einer Lebensschule gewesen. Auch heute sind sich die beiden Macher nicht immer einig, doch neben der Begeisterung für die prosperierenden Eigengewächse verbindet sie die Schwäche für klingende Namen. Nachdem im Sommer die Verpflichtung von Blerim Dzemaili scheiterte, versucht sich das Duo nun an einem Transfer von Valon Behrami. Es ist der sehr eigene Sittener Spagat zwischen der Förderung einer prosperierenden Nachwuchsabteilung und dem ewigen Verlangen der Constantins, sich im Glanz wohlklingender Namen zu sonnen.

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