Fussball
«Auch ein 40-40-20-System nützte nichts» – die Reaktionen zum unrühmlichen HSV-Abstieg

Erstmals in seiner fast 100-jährigen Vereinsgeschichte steigt der Hamburger SV aus der höchsten Spielklasse ab. Die Norddeutschen waren zudem der einzige Klub, der seit der Bundesliga-Gründung 1963 immer erstklassig war. Nach dem Abstieg sind Enttäuschung und Schadenfreude riesig.

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Ein würdiger Abstieg sieht anders aus.

Ein würdiger Abstieg sieht anders aus.

watson.ch

Sekunden vor dem Abstieg aus der Bundesliga ist die Lage beim Hamburger SV eskaliert: In der Nachspielzeit des Spiels gegen Borussia Mönchengladbach flogen beim Stande von 2:1 aus dem Fanblock hinter dem Tor Feuerwerkskörper und Rauchbomben auf das Feld, die Nordtribüne war in schwarze Wolken gehüllt.

Polizisten stürmten aufs Feld, auch um einen möglichen Platzsturm zu verhindern. Bis auf die kleine Gruppe von Randalierern blieb es aber ruhig im Stadion. Die überwiegende Mehrheit der Fans rief: «Wir sind Hamburger, und ihr nicht» und «Holt sie raus!». Die Spieler beider Teams standen gemeinsam auf dem Platz.

Die legendäre Uhr im Volksparkstadion muss auf null gestellt werden.

Die legendäre Uhr im Volksparkstadion muss auf null gestellt werden.

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Schiedsrichter Felix Brych unterbrach die Begegnung. Nach über zehn Minuten pfiff Brych noch einmal kurz an, somit verhinderte er einen Spielabbruch. Dann war die Zeit des HSV in der Bundesliga nach 1866 Spielen und 55 Jahren endgültig beendet.

Ein Grossteil der HSV-Fans blieb im Stadion und applaudierte dem Team. Spieler und Fans standen die Tränen in den Augen.

Die Stimmen der Beteiligten:

Gokotu Sakai (HSV-Captain):

«Das ist richtig, richtig bitter. Wir haben in den letzten Wochen sehr viel Gas gegeben. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, dass wir bis zum Ende dran geglaubt und gekämpft haben.»

«Ich bin sehr traurig, aber die Tränen nützen nichts Es muss weitergehen.»

HSV-Legende Uwe Seeler

Uwe Seeler (HSV-Legende):

«So lange ich lebe, habe ich nicht daran geglaubt. Hamburg ohne 1. Liga kann ich mir noch nicht vorstellen. Ich wünsche mir, dass sich der HSV jetzt intensiv auf die 2. Liga vorbereitet. Denn die wird sehr schwer.»

Uwe Seeler nimmt Stellung.

Uwe Seeler nimmt Stellung.

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Christian Titz (HSV-Trainer):

«Die Mannschaft und fast alle Zuschauer haben sich würdevoll verabschiedet. Ich empfinde Stolz für die Jungs und das, was sie bereit waren zu geben, um dieses Wunder noch möglich zu machen. Meine Jungs haben Grösse in der Niederlage gezeigt.»

Frank Wettstein (HSV-Vorstand):

«Dieser Abstieg ist das bittere Ergebnis einer sportlichen Fehlentwicklung, die unter der Leitung unseres neuen Trainers Christian Titz trotz positiver Entwicklung leider nicht mehr korrigiert werden konnte.»

«Die Enttäuschung ist riesengross. Wir sind selbst schuld. Der Trainer kam zu spät».

HSV-Verteidiger Kyriakos Papadopoulos

Max Eberl (Gladbach-Sportchef):

«Es fühlt sich nicht gut an, aber so ist der Sport. Am Ende entscheidet die Leistung auf dem Platz. Der HSV ist sportlich abgestiegen. Aber ganz Fussball-Deutschland wünscht sich sicher, dass sie so schnell wie möglich wieder aufsteigen.»

Die Reaktionen auf Twitter: