FC Basel

Aus diesen Gründen ist der FC Basel nicht Sofa-Meister geworden

Mit einem Sieg gegen Vaduz am Samstag hätte der FC Basel am Sonntag vor dem Fernseher Meister werden können. YB spielt seinen Part, doch der FCB versagt. Fünf Gründe, warum Basel am Sonntag noch nicht Meister geworden ist.

Jakob Weber
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FC Basel - FC Vaduz, 22.04.2017
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Maurice Brunner schiebt zum 1:0-Führungstreffer für Vaduz ein.
Der Torschütze vom 1:0: Maurice Brunner.
Die Basler haben sichtlich Mühe mit dem Konterspiel der Gäste.
Der Vaduzer Aldin Turkes, links, im Kampf um den Ball gegen den Basler Michael Lang.
FCB-Verteidiger Manuel Akanji im Zweikampf.
Eine Anspielung auf den neuen FCB-Trainer Raphael Wicky. Bernhard Burgener nannte Wicky aus Versehen Jean-Pierre.
Im letzten Spiel gab es für die Basler ein enttäuschendes 1:1-Unentschieden.
Die Basler fanden kein Rezept gegen die Vaduzer Abwehr.

FC Basel - FC Vaduz, 22.04.2017

Keystone

Die Muttenzerkurve beweist Humor. «Herzlich Willkommu Jean-Pierre», steht auf einem ausgerollten Banner. Damit spielen die Fans auf den peinlichen Versprecher des neuen FCB-Präsidenten Bernhard Burgener an. Dieser hatte an der Mitgliederversammlung den Vornamen des neuen Cheftrainers Raphael Wicky offenbar nicht gekannt und ihn «Jean-Pierre Wicky» genannt.

Die Muttenzerkurve beweist Humor.

Die Muttenzerkurve beweist Humor.

Keystone

Die Aktion zeigt auch, dass die Beantwortung der Trainerfrage wichtiger ist als das Spiel gegen Vaduz. Doch es gibt noch weitere Gründe, warum der Leader nicht gegen das Schlusslicht gewinnt:

1. Die Störfeuer

«An die Mannschaft wurde unter der Woche viel herangetragen. Da war es nicht einfach, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren», sagt FCB-Trainer Urs Fischer und spricht damit zum einen den Trubel um die Bekanntgabe des zukünftigen Cheftrainers Raphael Wicky an.

Ausserdem missfällt dem noch amtierenden Coach, dass bereits intensiv über eine allfällige Meistersause im Falle der Fälle diskutiert wurde. Die Mannschaft entschied sich, bei einer «Sofa-Meisterschaft» nicht am freien Sonntag auf dem Barfi zu erscheinen. Dafür gibt es am Tag nach dem letzten Meisterschaftsspiel eine grosse Jubiläumsmeisterfeier, bei der auch viele Familien dabei sein sollen. Am Samstag sorgte dann Vaduz dafür, dass das Thema Meisterschaft vertagt wird. Dank der gestrigen Niederlage von YB (1:2 gegen Lugano) kann der FCB am kommenden Freitag in Luzern trotzdem aus eigener Kraft Meister werden. Es fehlt ein einziger Punkt.

Brachte die Ankündigung Raphael Wickys Unruhe in die Mannschaft?

Brachte die Ankündigung Raphael Wickys Unruhe in die Mannschaft?

Andy Mueller/freshfocus

2. Haarsträubende Fehler

Beispielhaft für die zahlreichen haarsträubenden Fehler ist die Szene vor dem 0:1. Nach einem Vaduz-Einwurf schlägt Marek Suchy den Ball unbedrängt halbhoch zurück in Richtung Manuel Akanji. Dieser zögert kurz. Der Nutzniesser ist Maurice Brunner, der die Einladung zum Toreschiessen dankbar annimmt. Es lassen sich für jeden Basler solche Unkonzentriertheiten aufzählen. Offenbar unterschätzt der FC Basel an diesem Abend den Gast aus Liechtenstein. Auch zahlt sich nicht aus, dass Fischer im Zentrum Geoffroy Serey Die anstelle von Taulant Xhaka die Chance von Beginn an gibt. Dem Ivorer fehlt momentan nicht nur seine blonde Haarsträhne, sondern auch die Qualität früherer Tage.

Geoffroy Serey Die konnte nicht überzeugen.

Geoffroy Serey Die konnte nicht überzeugen.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

3. Die Schiedsrichter-Ansetzung

Eines vorweg. Adrien Jaccottets Entscheidung, das 2:2 von Seydou Doumbia anzuerkennen ist richtig. Weil Philipp Muntwyler aktiv zum Ball geht, wird das Abseits aufgehoben. Dennoch wittert der FC Vaduz eine Verschwörung. Beim 2:3 gegen Bern vor zwei Wochen kassierten die Liechtensteiner ein irreguläres Tor und auch gegen Basel hadert Vaduz mit seinem Pech. Dass Jaccottet aus Basel kommt und nach den beiden FCB-Siegen in der Hinrunde bereits zum dritten Mal in dieser Saison eine Partie zwischen Basel und Vaduz leitete, kommt noch dazu. Unglücksrabe Muntwyler ist auch zwanzig Minuten nach dem Abpfiff in den Katakomben des St. Jakob-Parks noch aufgebracht. Der 30-Jährige interpretiert die Abseitsregelung anders. «Uns wäre so ein Tor in der Nachspielzeit niemals anerkannt worden», sagt Muntwyler.

Adrien Jaccottet stand unfreiwillig im Mittelpunkt.

Adrien Jaccottet stand unfreiwillig im Mittelpunkt.

Keystone

4. Der Fussballgott

Es soll einfach nicht sein. 16 Mal spielte der FC Vaduz in der Super League gegen den FC Basel. Noch nie konnten die Liechtensteiner gewinnen. Immerhin gelangen in diesem Jahr Unentschieden Nummer 2 und 3. Der einzige Sieg von Vaduz gegen Basel im Sommer 2006 war in der zweiten Qualifikationsrunde für den Uefa-Cup und gefühlt eine Niederlage. Vaduz gewann zwar das Rückspiel mit 2:1, doch wegen des Auswärtstores von Zdravko Kuzmanovic kam der FC Basel damals eine Runde weiter.

2006 waren beim FCB noch Legenden wie Scott Chipperfield und Mladen Petric in der Mannschaft. Das entscheidende Auswärtstor erzielte Zdravko Kuzmanovic (links).

2006 waren beim FCB noch Legenden wie Scott Chipperfield und Mladen Petric in der Mannschaft. Das entscheidende Auswärtstor erzielte Zdravko Kuzmanovic (links).

Keystone

5. Starke Vaduzer

Im vierten Spiel unter seiner Leitung endlich der erste Punkt. «Ich bin stolz auf unsere Leistung. Auch dieser eine Punkt ist in unserer Situation wichtig», sagt Vaduz-Coach Roland Vrabec, und der Gegner gibt ihm recht. «Vaduz hat alles gegeben und uns das Leben schwergemacht», sagt Manuel Akanji. Das aggressive Pressing und die gefährlichen Konter behagen dem FCB nicht. Nur aufgrund der schlechten Vaduzer Chancenverwertung ist das Spiel in der Nachspielzeit noch nicht entschieden, und es kommt zum Ausgleich.