Europa League
Der FC Basel verliert nach starker Aufholjagd 2:3 gegen Saint-Etienne

Der FCB kassiert nach zwei Standardsituationen zwei Tore, holt den Rückstand auf, verliert am Ende aber doch mit 2:3 gegen Saint-Etienne. Wollen die Basler in die Achtelfinals der Europa League, müssen sie nächste Woche zu Hause gewinnen.

Sebastian Wendel, Saint-Étienne (Text) und Céline Feller (Liveticker)
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FCB - Saint-Étienne
17 Bilder
Birkir Bjarnason tauscht das Shirt mit Saint-Étiennes Kevin Theophile-Catherine.
FCB-Trainer Urs Fischer ist nun gefordert.
Die Fans von Saint-Étienne feiern den Sieg ihrer Mannschaft.
Jean-Christophe Bahebeck erzielt den 3:2-Siegtreffer für Saint-Étienne.
Tomas Vaclik war der sichere Rückhalt für die Basler und bei den drei Gegentoren machtlos.
Taulant Xhaka gegen Fabien Lemoine (links) und Oussama Tannane.
Marc Janko trifft per Foulpenalty zum zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich.
Wer zieht die bessere Grimasse. Bjarnason, Embolo, Janko oder Zuffi?
Breel Embolo im Kopfballduell mit Franck Tabanou.
Bjarnason feiert Walter Samuel, den Torschützen zum 1:2.
Der Auswärtssektor im Stade Geoffroy-Guichard ist menschenleer. Die Heimfans nutzten das, um ihre Solidarität gegenüber den FCB-Fans kundzutun.
Der Sektor der "Grünen" ist hingegen gut gefüllt.
Moustapha Bayal setzt zur Grätsche gegen Basels Marc Janko an.
Vaclik ist geschlagen: Sall (nicht auf dem Bild) schiebt zum 1:0 für Saint-Étienne ein
Die Basler Startelf: Vaclik; Lang ,Samuel, Suchy, Safari; Xhaka, Zuffi; Embolo, Bjarnason, Steffen; Janko.
Gute Stimmung bei Urs Fischer und Breel Embolo vor dem Spiel an der Pressekonferenz.

FCB - Saint-Étienne

Keystone

Wirklich aussprechen will es niemand. Aber natürlich träumen sie beim FCB hinter verschlossenen Türen davon, am 18. Mai eine der beiden Mannschaften zu sein, die im Basler St. Jakob-Park den Europa-League-Final austragen. Nun droht dieser Traum bereits nach dem ersten Spiel in der K.o.-Phase zu platzen. Nach dem 2:3 in St. Etienne muss der FC Basel am nächsten Donnerstag gewinnen, um sich für die nächste Runde zu qualifizieren. Die Achtelfinals sind das erklärte Ziel . Doch um dieses zu erreichen, dürfen die FCB-Profis im Rückspiel vor allem eines nicht mehr: Den Gegner zum Toreschiessen einladen.

Allen drei Treffern von St. Etienne gingen individuelle Fehler der Basler voraus: Vor dem 0:1 (9. Minute) verlängert Marc Janko eine Freistossflanke unnötig an den hinteren Pfosten, wo sich Moustapha Sall im Captain-Duell gegen Marek Suchy durchsetzt. Doppelt bitter für die Basler: Sall reisst Suchy regelwidrig zu Boden, um danach den Ball ungestört ins Tor zu köpfeln. Auch vor dem 0:2 (39.) macht Janko eine schlechte Figur, als er zu spät ins Kopfballduell gegen Monnet-Paquet steigt und dieser dadurch wunderschön ins lange Eck trifft.

Und als der FCB nach einer beeindruckenden Aufholjagd wieder im Spiel ist und alles danach aussieht, dass die Partie 2:2 endet, setzt das Innenverteidiger-Duo im Basler Fehlerfestival noch einen drauf: Gefühlte zehn Sekunden ist der Ball in der 77. Minute nach einem Befreiungsschlag aus dem Strafraum des Heimteams in der Luft – und trotzdem schaffen es Marek Suchy und Walter Samuel nicht, den Ball zu kontrollieren. Der kurz zuvor eingewechselte Bahebeck sagt «merci», enteilt seinen Bewachern und trifft zum 3:2. Ist der dritte Fehler einer zuviel? Ist er am Ende die Ursache für das Ausscheiden?

Walter Samuel (dritter von links) schaffte den so wichtigen Anschlusstreffer zum 1:2.

Walter Samuel (dritter von links) schaffte den so wichtigen Anschlusstreffer zum 1:2.

Jonas Bendiksen/Look now

Ausgleichende Gerechtigkeit

FCB-Trainer Urs Fischer überraschte vor dem Anpfiff mit seiner Personalwahl: Er setzte den in den Partien gegen Luzern (3:0) und GC (4:0) überragenden Matias Delgado auf die Ersatzbank. Somit bleibt es dabei: Trittt der FCB im Europacup auswärts an, ist der Captain nicht erste Wahl. Wohl, weil Fischer in der Fremde eher defensiv spielen lässt und sich von einem wie Bjarnason mehr physische Gegenwehr erhofft als von Delgado.
Nur: In der ersten Halbzeit ging der Schuss nach hinten los. Bjarnason agierte nach vorne so ideenlos wie seine Teamkollegen und hatte ebenso Mühe, sich gegen die physisch starken Franzosen zu behaupten. Man darf davon ausgehen, dass im Rückspiel wieder Delgado auf der Zehnerposition aufläuft, zumal der FCB auf Tore und somit Kreativität im Spielaufbau angewiesen ist.

Urs Fischer, FCB-Trainer «Das war eine sehr beeindruckende Reaktion.»

Urs Fischer, FCB-Trainer «Das war eine sehr beeindruckende Reaktion.»

KEYSTONE

Weil St. Etienne die körperliche Überlegenheit nicht in Torgefahr umzusetzen wusste, war es gestern lange eine Partie mit wenig Torszenen. Bezeichnend: FCB-Goalie Tomas Vaclik hatte abgesehen von den Gegentoren nach ruhenden Bällen, bei denen ihn keine Schuld traf, keinen Ball zu halten.

Die Alten mussten es richten

Nicht besser als dem Heimteam erging es dem FCB im Spiel nach vorne. Also mussten es wieder einmal die Alten richten: Kurz vor der Pause stand Walter Samuel (37 Jahre) nach einem Zuffi-Freistoss goldrichtig und erzielte im Liegen den wichtigen Anschlusstreffer. Kurz nach der Pause bewies Marc Janko (32 Jahre) eindrücklich seine Nervenstärke, als er vor der lärmenden Fankurve von St. Etienne cool blieb und den Penalty zum 2:2 verwandelte. Wobei anzufügen gilt: Der Penalty war ein Geschenk, das Handspiel von Pogba nach der Flanke von Bjarnason keine Absicht. Quasi ausgleichende Gerechtigkeit nach dem regelwidrigen 1:0 für St. Etienne.

Erzielte das 2:2 mittels Foulpenalty: Marc Janko.

Erzielte das 2:2 mittels Foulpenalty: Marc Janko.

KEYSTONE

Verdient war der Ausgleich jedoch allemal. Fischer fand in der Pause anscheinend die richtigen Worte, was für eine kollektive Leistungssteigerung sorgte. «Das war eine sehr beeindruckende Reaktion», so der FCB-Trainer, «wir sind nach dem 0:2 ruhig geblieben. Was mich hingegen ärgert, sind die unnötigen Gegentore»

Trotz der ersten Auswärtsniederlage in dieser Europacup-Saison: Die Hoffnung auf das Weiterkommen und auf den Final im Heimstadion lebt. Zurecht. St. Etienne ist ein Gegner, den der FC Basel besiegen kann. Ja muss, will man den eigenen Ansprüchen gerecht werden.

Saint-Etienne - FC Basel 3:2 (2:1)

27'013 Zuschauer. - SR Sidiropoulos (GRE). - Tore: 9. Sall 1:0. 39. Monnet-Paquet 2:0. 44. Samuel (Embolo) 2:1. 56. Janko (Handspenalty) 2:2. 77. Bahebeck 3:2.

Saint-Etienne: Ruffier; Théophile-Catherine, Sall, Pogba, Tabanou; Lemoine, Clément (67. Pajot); Tannane, Cohade, Monnet-Paquet (75. Hamouma); Roux (72. Bahebeck).

Basel: Vaclik; Lang, Suchy, Samuel, Safari; Zuffi, Xhaka; Embolo (89. Callà), Bjarnason, Steffen (64. Boëtius); Janko.

Bemerkungen: Saint-Etienne ohne Perrin, Beric, Polomat, Clerc (alle verletzt) sowie Söderlund und Selnaes (beide nicht spielberechtigt). Basel ohne Aliji (nicht spielberechtigt), Hoegh, Degen und Sporar (nicht im Aufgebot). Verwarnungen: 25. Steffen (Foul). 60. Tannane (Unsportlichkeit). 60. Xhaka (Unsportlichkeit). 72. Pajot (Foul). 74. Samuel (Foul). 88. Janko (Foul).

Lesen Sie hier den Liveticker vom Spiel nach: