Fussball-Nationalmannschaft

Die Schweizer Nationalmannschaft: Ein Haufen Sorgenkinder

Am 25. März spielt die Schweizer Nationalmannschaft in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2018 gegen Lettland. Ein Blick auf das Kader von Trainer Petkovic bereitet Sorgen.

Markus Brütsch und Etienne Wuillemin
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Es gibt einige Probleme zu lösen für Coach Vladimir Petkovic.

Es gibt einige Probleme zu lösen für Coach Vladimir Petkovic.

KEYSTONE/TI-PRESS/SAMUEL GOLAY

Eigentlich ist es ja vor jedem Spiel der Schweizer Nati dieselbe Leier: Coach Vladimir Petkovic gibt das Aufgebot bekannt − und der Blick auf die Spielerliste sorgt für Entsetzen. Weil wichtige Namen fehlen. Wie jene der verletzten Breel Embolo und Ricardo Rodriguez. Oder man sieht Spieler, die völlig ausser Form sind und bei ihren Vereinen die Ersatzbank drücken. Wie Johan Djourou und Nico Elvedi. Und dann gibt es sogar Akteure, die bei ihren Klubs so abgeschrieben sind, dass sie es nicht mal mehr auf die Reservebank schaffen, sondern nur auf die Tribüne. Wie Fabian Schär.

Der Kontrast zur tollen Ausgangslage in der WM-Qualifikation könnte nicht grösser sein. Doch weil die Schweizer schon oft genug trotz schlechter Vorzeichen alle Skeptiker Lügen gestraft und gewonnen haben, gibt es keinen Grund, sich vor Lettland zu fürchten. Gegen die bescheidenen Balten ist der fünfte Sieg und der nächste Schritt in Richtung WM 2018 in Russland am 25. März Pflicht. Die Schweizer Position ist gut, wenn auch nicht perfekt. Dies, weil sich die drei Punkte zurückliegenden Portugiesen ein besseres Torverhältnis erarbeitet haben. Was ihnen am Ende bei Punktgleichheit mit der Schweiz Rang 1 bescheren könnte.

Xherdan Shaqiri

Sein Aufgebot kommt – gelinde gesagt – überraschend. Zwar gehört der 25-Jährige unbestritten zu den besten Schweizer Spielern und ein Tor wie bei der EM kann ausser Eren Derdiyok eigentlich nur er schiessen – aber natürlich bloss, wenn er gesund ist und Spielpraxis hat. Doch für Stoke City ist er letztmals am 21. Januar beim 1:1 gegen Manchester United aufgelaufen. Seither ist er wegen einer Verletzung nicht mal mehr im Kader gewesen. Überhaupt: Shaqiris anhaltende Probleme mit Muskelverletzungen sind äusserst beunruhigend. Doch geben wir uns Mühe, die Sache positiv zu sehen, und gehen davon aus, dass Coach Petkovic gute Kunde aus England erhalten hat, sodass Shaqiri zumindest für einen Teileinsatz oder als Joker infrage kommt.

Shaqiri plagen derzeit Verletzungen.

Shaqiri plagen derzeit Verletzungen.

Keystone

Breel Embolo

Seine Verletzung im Oktober 2016 war ein Schock. Knöchelbruch, Riss der Syndesmose, Innenbandriss – der grösste Rückschlag seiner Karriere. Dass er gegen Lettland fehlt, ist nicht neu. Doch nun folgt die nächste Hiobsbotschaft. Embolo erleidet einen Rückfall. Fällt für den Rest der Saison aus. Der Verdacht besteht, dass er von Schalke 04 zu früh forciert wurde – gegen ärztliche Anweisungen. «Ein junger Spieler braucht die totale Ausheilung», sagt Petkovic. Bleibt zu hoffen, dass Embolo im Herbst für die letzten WM-Quali-Spiele wieder fit wird.

Embolo erleidet einen Rückfall bei seiner Genesung und fällt bis Ende Saison aus.

Embolo erleidet einen Rückfall bei seiner Genesung und fällt bis Ende Saison aus.

KEYSTONE

Haris Seferovic

Haris Seferovic kann ein Retter sein. Wie letzte Saison in der Bundesliga, als er in der Barrage
für Frankfurt das entscheidende Tor schoss. Aber Seferovic kann auch ein Ärgernis sein. Er kann sich Dummheiten leisten, die sich niemand erklären kann. Schon gar nicht seine Trainer. Niko Kovac massregelte ihn nach seiner Tätlichkeit gegen Hertha Berlin in aller Öffentlichkeit. Das hilft kaum bei jemandem, dem sowieso schon den Ruf eines Rüpels anhaftet. Drei Spiele gesperrt sein – es ist nicht die optimale Vorbereitung für ein Länderspiel.

Haris Seferovic leistete sich in der Vergangheit immmer wieder Dummheiten.

Haris Seferovic leistete sich in der Vergangheit immmer wieder Dummheiten.

KEYSTONE/AP MTI/TAMAS KOVACS

Eren Derdiyok

Als Eren Derdiyok im November gegen die Färöer mit dem 1:0 den Bann brach, dachte man wie nach Stockers 3:2 gegen Ungarn: Jawohl, das ist seine Versöhnung mit der Nati. Von der EM war er enttäuscht heimgekehrt, er hätte lieber häufiger gespielt. Gegen Lettland muss er nun wieder passen: Wadenzerrung. Was umso bedauerlicher ist, als er seine Baisse bei Galatasaray überwunden hatte und Anfang März seine Farben mit einem Doppelpack zum Sieg gegen Antalyaspor schoss. 10 Tore in 22 Liga-Spielen lassen sich sehen.

Derdiyok muss passen: Wadenzerrung.

Derdiyok muss passen: Wadenzerrung.

KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

Valentin Stocker

Als Valentin Stocker am 7. Oktober 2016 seinen Zweiminuteneinsatz gegen Ungarn mit dem 3:2-Siegtor krönte, schien alles gut zu werden. Auch bei Hertha BSC hatte er zuvor
ein paar Einsätze bekommen. «Harte Arbeit wird belohnt», sagte Stocker. Das Zwischenhoch hielt trotz einer Rotsperre bis ins neue Jahr an, das der Krienser sogar mit einem Tor in Leverkusen begrüsste. Seit vier Spielen aber hat Trainer Pal Dardai nun wieder keine Verwendung mehr für den Schweizer.

Stocker ist seit vier Spielen ohne Einsatz.

Stocker ist seit vier Spielen ohne Einsatz.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Admir Mehmedi

Bei Vladimir Petkovic ist Admir Mehmedi gesetzt. In den bisherigen vier WM-Ausscheidungsspielen fehlte er nur zwei Minuten und schoss gegen Portugal und Andorra ein Tor. Ja, nach seiner verkorksten letzten Saison im Trikot von Leverkusen schien er im Herbst − vor allem auch in der Champions League − auf einem guten Weg. Muskuläre Probleme aber warfen ihn zurück. Beim 0:0 bei Atlético Madrid kam er zuletzt 9 Minuten zum Einsatz. Er muss nun hoffen, dass der neue Trainer Tayfun Korkut mehr auf ihn setzt als der entlassene Roger Schmidt.

Mehmedi muss im Klub auf mehr Einsatzzeit hoffen.

Mehmedi muss im Klub auf mehr Einsatzzeit hoffen.

KEYSTONE

Ricardo Rodriguez

Eigentlich wäre der Zeitpunkt perfekt gewesen für Debatten um ihn. Nicht, ob Rodriguez spielt. Das ist selbstverständlich. Aber auf welcher Position. Bei Wolfsburg wurde er zum Innenverteidiger umfunktioniert – naheliegend, dass er auch in der Nati zur Alternative geworden wäre in dieser Problem-Disziplin. Doch nun stoppt ihn eine Bänder-Verletzung am rechten Fuss. Da hilft es auch nicht, dass die Alternativen im Unterschied zur rechten Seite überschaubar sind. Ob sich Petkovic traut, Rückkehrer Zuber als Linksverteidiger zu nominieren?

Nationalverteidiger Ricardo Rodriguez muss gegen Lettland passen

Nationalverteidiger Ricardo Rodriguez muss gegen Lettland passen

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Fabian Schär

Was ist bloss aus Fabian Schär geworden? Nach seiner ausgezeichneten Vorstellung bei der EM war schon zu erwarten, er könnte bei Hoffenheim eine gute Saison spielen. Nach 24 Runden aber stehen sechs Bundesligaeinsätze zu Buche und eine Gesamtspieldauer von 282 Minuten. War Schär in der Vorrunde aus Leistungsgründen oft nicht mal im Kader, so kam er nach der Winterpause zweimal als Einwechselspieler zum Zug, ehe er sich eine Adduktorenverletzung zuzog. Erst in dieser Woche ist er wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen.

Adduktorenverletzung machen Schär ein Strich durch die Rechnung.

Adduktorenverletzung machen Schär ein Strich durch die Rechnung.

KEYSTONE/AP/CHRISTOPHE ENA

Johan Djourou

Es gab einmal eine Zeit, da war Johan Djourou ein souveräner Abwehrchef. Ab und zu gespickt mit Fehlern zwar. Aber dennoch: ein unaufgeregter, wertvoller Patron. Es gab einmal eine Zeit, da war Johan Djourou ein angesehener Innenverteidiger in England, auch in Deutschland. Allein, es war einmal. Gut 150 Minuten hat er beim HSV im Jahr 2017 noch absolvieren dürfen, davon 90 gegen die Bayern. Jenes 0:8 war eine Bankrotterklärung. Und nun soll dieser Djourou weiterhin die Schweizer Abwehr anführen? Die Zweifel sind angebracht.

Djourou verbringt seine Zeit beim HSV meistens auf der Ersatzbank.

Djourou verbringt seine Zeit beim HSV meistens auf der Ersatzbank.

KEYSTONE/WALTER BIERI