Cupfinal

Ein logischer Cupfinal mit sonderbaren Vorzeichen

Am Sonntag mit Spielbeginn um 17.30 Uhr endet die Schweizer Fussballsaison 2019/20 nach fast 14 Monaten mit dem Cupfinal zwischen Titelverteidiger FC Basel und Meister Young Boys im Wankdorf.

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Um diesen Chübu geht es

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KEYSTONE/ANTHONY ANEX

So logisch diese Affiche aufgrund der letzten Jahre ist, so sonderbar ist die Situation, in der sich die Klubs coronabedingt befinden.

In der Meisterschaft hat sich die jüngste YB-Historie zur Erfolgsgeschichte gewandelt. Im Cup aber stecken die Berner noch immer in der Ära des "Veryoungboysen" fest, des Verbockens also von grossen Chancen. Zuletzt vor zwei Jahren, als YB als frisch gekürter Meister im Final dem FC Zürich, der stolpernd durchs Frühjahr gekommen war, unterlag. Gar nicht zu reden von den verlorenen Endspielen gegen den FC Sion 1991, 2006 und 2009; zweimal nach einer 2:0-Führung, einmal nach Vorsprung und im Penaltyschiessen - und dies als Oberklassiger.

33 Jahre ist es her, dass die Young Boys letztmals die Cup-Trophäe gewannen. Als Reto Gertschen am 8. Juni 1987 den Final gegen Servette in der Verlängerung auf Pass von Björn Nilsson mit dem 4:2 entschied, waren vom aktuellen YB-Kader nur Marco Wölfli und Guillaume Hoarau bereits auf der Welt. Captain Fabian Lustenberger wurde erst ein Jahr später geboren. Der 32-jährige Innerschweizer führt ein Team an, das nahezu ausschliesslich aus Cup-Verlierern besteht. Nur Guillaume Hoarau mit Paris Saint-Germain (2010) sowie Miralem Sulejmani mit Ajax Amsterdam (2010) und Benfica Lissabon (2014) haben schon Cup-Titel geholt.

Erstes Double seit 1958?

Lustenberger selbst möchte am Sonntag einen Kreis schliessen. Seinen bisher einzigen Cupfinal bestritt er 2007 mit dem FC Luzern. Er verlor ihn gegen den FC Basel und wechselte darauf zu Hertha Berlin. Im vergangenen Sommer kam er zurück in die Schweiz, wurde mit den Young Boys Meister und will jetzt auch die Cup-Premiere - im Final gegen Basel. Er wäre dann der Captain des ersten Berner Double-Teams seit 62 Jahren. Damals hiess der Captain Hans "Hausi" Grütter. Er trat das Amt dem legendären Eugen "Geni" Meier ab.

Das Erreichen einer ganz speziellen Wegmarke haben die Berner also zum Ziel. Doch speziell ist dieser Cupfinal auch wegen der besonderen Umstände in diesen Corona-Zeiten. Am Mittwoch haben die Young Boys in der Champions-League-Qualifikation das erste Spiel der Saison 2020/21 bestritten. Nun folgt vier Tage später mit dem Cupfinal das letzte Spiel der Saison 2019/20. Trainer Gerardo Seoane schenkt dem wenig Beachtung, fokussiert von Spiel zu Spiel. "Am Sonntag spielen wir eben nochmals mit dem alten Trikot, nachdem wir am Mittwoch bereits das neue angezogen haben", meinte er.

Ganz so einfach ist es aber dann doch nicht - und das weiss Seoane auch. Am Mittwoch beispielsweise hat der von Sion verpflichtete Quentin Maceiras rechter Aussenverteidiger gespielt. Das darf er am Sonntag nicht, weil er ja letzte Saison noch nicht bei YB unter Vertrag gestanden hat. Und Saidy Janko, der Stammspieler 2019/20 auf dieser Position, steht im Moment nicht im Kader der Berner, weil er jetzt nach Ablauf des Leihjahres wieder dem FC Porto gehört.

Zuerst Sforza, dann wieder Koller

Richtig gross sind die Personalsorgen beim FC Basel. Eray Cömert, Arthur Cabral und Ramires sind noch immer in der Corona-Quarantäne. Samuele Campo hat diese zwar wieder verlassen, doch hat er Trainingsrückstand. Die Mannschaft des FCB war am Dienstag im Halbfinal gegen Winterthur ein Flickwerk. Sie wird es auch am Sonntag sein. Mit dem Unterschied, dass dies gegen den Meister mehr ins Gewicht fallen dürfte als gegen den Verein aus der Challenge League.

Das Team im Hinblick auf den Cupfinal ein Flickwerk? Das beschäftigt die Basler in diesen Tagen kaum. Denn ein Flickwerk ist gerade der ganze Verein. So wie die Young Boys eine sonderbare Abfolge von Spielen aus verschiedenen Saisons haben, befindet sich der FC Basel irgendwie auch in einem Doppelleben. Am Donnerstag wurde Ciriaco Sforza als Trainer für die nächste Saison vorgestellt. Eigentlich müsste er längst mit dem Team auf dem Platz stehen, um die nächste Spielzeit vorzubereiten.

Doch am Freitag sass dann wieder Marcel Koller auf dem Stuhl, auf dem Sforza am Tag zuvor gesessen hatte - und redete also quasi als aktuell-ehemaliger Trainer über den bevorstehenden Cupfinal. Er will mit einem Sieg "ein Zeichen setzen für die nächste Saison", die er selbst dann nicht mehr in Basel erlebt.

Doch vielleicht hat der FCB ein solches Zeichen (sportlich) nicht einmal nötig. Er hat sich aller Kritik zum Trotz unter Koller in den letzten Monaten in den Spitzenspielen nämlich gut gehalten. Die Bilanz gegen YB war in der letzten Saison positiv. Oder wie es Koller sagte: "Wir haben gezeigt, dass wir mehr als auf Augenhöhe sind." Was die Cup-Bilanz der letzten Jahre betrifft, ist dies sowieso der Fall. Seit dem letzten Triumph der Young Boys 1987 hat der FC Basel den Cup acht Mal gewonnen.

Erster Cupfinal Basel - YB

Würden im Wankdorf Kriens und Chiasso spielen, würde man wohl sofort glauben, dass der Cupfinal mit dieser Paarung eine Premiere wäre. Aber Basel gegen die Young Boys? Tatsächlich standen sich auch diese Schwergewichte des Schweizer Fussballs in keinem der bisher 94 Cupfinals gegenüber. Dabei hätte es verschiedene Male sein können. Denn der FCB wird seinen 23. Final bestreiten, YB seinen 15.

Es ist auch selten vorgekommen, dass die beiden Mannschaften sich um ein Jahr im Cupfinal verpassten. Basel spielte 1944 (als Verlierer), YB 1945 (als Sieger). Aufeinanderfolgende Jahr mit Basel respektive YB im Final gab es erst wieder 2006 und 2007, danach 2009 und 2010 sowie zuletzt 2017 bis 2019.

Mögliche Aufstellungen

Basel - Young Boys

Stade de Suisse, Bern. - Sonntag, 17.30 Uhr. - SR Schärer.

Basel: Nikolic; Widmer, Van der Werff, Alderete, Riveros; Frei, Petretta; Stocker, Van Wolfswinkel, Pululu; Ademi.

Young Boys: Von Ballmoos; Camara, Lustenberger, Lefort; Fassnacht, Sierro, Aebischer, Martins, Sulejmani; Moumi Ngamaleu, Nsame.

Absenzen: Basel ohne Zuffi (verletzt), Cömert, Cabral und Ramires (alle mit Trainingsrückstand nach Quarantäne). Young Boys ohne Lauper, Elia (beide verletzt), Faivre, Assalé, Maceiras, Seydoux und Seferi (alle nicht spielberechtigt). - Fraglich: Hoarau; Campo und Xhaka.