Schweiz
Ein spielerisches Armutszeugnis

Platt, bieder, uninspiriert. Nach dem Auftritt der Schweizer beim 0:1 gegen Costa Rica herrscht Ernüchterung statt WM-Euphorie.

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Schweiz gegen Costa Rica
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Schweiz gegen Costa Rica Sah wenig erfreuliches: Trainer Ottmar Hitzfeld
Schweiz gegen Costa Rica Symbolisches Bild: Marco Padalino am Boden.
Schweiz gegen Costa Rica Gut gelaunt trotz mieser Schweizer Leistung: Sportminister Ueli Maurer.
Schweiz gegen Costa Rica Luftduell: Benjamin Huggel gegen Roy Myrie.
Schweiz gegen Costa Rica Senderos und Barnetta versuchen den Stürmer Winston Park, den gefährlichsten Mann auf dem Platz, zu bremsen.
Schweiz gegen Costa Rica Nkufo und Barnetta haben gegen Diaz das Nachsehen.
Schweiz gegen Costa Rica Illustrer Zaungast: Michel Platini, Präsident der Uefa.
Costa Rica Costa Rica

Schweiz gegen Costa Rica

François Schmid-Bechtel, Sion

«Das ist ein wichtiges Spiel. Wir brauchen endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis», sagte der Nati-Delegierte Peter Stadelmann. Zuletzt hatte die Schweiz gegen die bescheidenen Norweger 0:1 und gegen Uruguay 1:3 verloren. Der Test gegen Costa Rica sollte so kurz vor der WM so etwas wie eine Beruhigungspille sein.

Er sollte Zuversicht geben, Gewissheit vermitteln, dass man auf dem richtigen Weg ist. Doch das alles wurde verpasst. Stattdessen herrscht 14 Tage vor dem ersten WM-Auftritt gegen Spanien Ernüchterung.

Es gibt Gründe für den uninspirierten Auftritt im Sittener Stade de Tourbillon. Nur haben diese nicht die Kraft, alle Zweifel zu beseitigen. In der letzten Woche trainierten die Schweizer so hart wie wohl noch nie in der Nationalmannschaft. Im Vergleich dazu waren die Zusammenzüge unter Ottmar Hitzfelds Vorgänger Köbi Kuhn Ferienlager. Die Strapazen waren vor allem den zentralen Mittelfeldspielern Huggel und Inler anzumerken. Rhythmuswechsel blieben aus.

Ausserdem offenbarte das Duo Abstimmungsprobleme, wodurch den Mittelamerikanern zu viel Raum offeriert wurde. Fraglich ist indes, ob die fehlende Raffinesse auf die harten Trainings zurückzuführen sind. Denn sowohl Huggel als auch Inler sind eher Schwerarbeiter als Spielmacher.

Im Prinzip ist es nicht falsch, in der Schaltzentrale auf Huggel und Inler zu setzen. Einerseits, weil die Alternativen (Schwegler und Fernandes) keinen Qualitätsgewinn garantieren. Andererseits, weil Huggel und Inler erfahrene, robuste Arbeiter sind, die auch in Zweikämpfen auf WM-Niveau bestehen können. Aber es braucht von beiden eine Steigerung im spielerischen Bereich.

Insbesondere Inler muss mehr Akzente setzen. Sein letztes richtig gutes Länderspiel liegt schon einige Zeit zurück. Und zuletzt erinnert er in seiner Spielart immer mehr an Johann Vogel, der zwar stets auf Sicherheit bedacht war, aber auch immer im gleichen Trott lief.

Warten auf die Wunschelf
Es erstaunt, dass Hitzfeld sich schon so früh auf seine Wunschelf festgelegt hat. Einerseits, weil er in zuvor 16 Spielen nie diese Elf aufs Feld geschickt hat. Auch gestern, in seinem 17. Spiel als Schweizer Nationaltrainer, musste er Abstriche machen und auf den angeschlagenen Valon Behrami verzichten.

Andererseits erstaunt diese Massnahme, weil die Stammspieler mit dem gestrigen Auftritt keinen Beleg ihrer Unverzichtbarkeit abgelegt haben. Und das nicht nur im zentralen Mittelfeld, sondern mit Ausnahme der Torhüterposition in jeder Reihe.

Der offensive Output der Aussenverteidiger Lichtsteiner und Ziegler war bescheiden. Senderos gab wie der eingewechselte von Bergen beim 0:1 durch Winston Parks eine miserable Figur ab. Die Aktionen von Padalino, dem Vertreter von Behrami, sind nur im Ansatz vielversprechend.

Leider fehlt dem Aussenläufer von Sampdoria Genua häufig die Übersicht, um ein erfolgreiches Dribbling zu veredeln. Und Barnetta war wie in den letzten zwei Jahren immer ein unauffälliger Mitläufer.

Die Lösung heisst Hakan Yakin
Die Opfer der spielerischen Armut waren zu vorderst. Je länger das Spiel dauerte, desto weniger hielt es Frei ganz vorne aus. Der Wille, dem Spiel ein wenig Struktur zu verleihen, zwang ihn sich weit zurückfallen zu lassen. Die Gefahr dabei: Entweder fehlt Frei im Sturmzentrum, falls doch mal die Post abgeht, oder es leidet die Effizienz aufgrund seines enormen läuferischen Aufwands.

Eine Lösung des Problems wäre Hakan Yakin als zurückhängender Stürmer und Frei anstelle von Nkufo als Sturmspitze. Denn wenn einer in den letzten Jahren auf internationalem Parkett der Schweiz ein wenig spielerischen Glanz verliehen hat, dann Hakan Yakin.