Bulat Tschagajew

Fall Xamax: Ein neues Verfahren steht vor der Tür

Die Swiss Football League will den finanziellen Wirren um den Fussballklub Xamax ein Ende bereiten. Die Ligaverantwortlichen planen, am Mittwoch ein drittes Disziplinarverfahren gegen den Verein zu eröffnen. Wieder sind ausstehende Löhne das Thema.

Vasilije Mustur und Christian Bütikofer
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Bulat Tschagajew: Mit Xamax Betreibungen für 1,5 Millionen Franken angehäuft
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 Mit einem solchen «Fresszettel» liess sich Tschagajew vor dem Handelsregister vertreten.
 205'000 Aktien - durch diese Schönheit liess sich Tschagajew bei der entscheidenden Aktionärsversammlung vertreten. Der Herr links ist darüber nicht sonderlich begeistert.
 Der frühere Xamax Boss Sylvio Bernasconi hatte es satt, dauernd für die Löhne in die eigene Schatulle greifen zu müssen.
 Olga Danese - die Statthalterin Tschagajews nennt sich auch seine Assistentin.
 Die Xamax-Statuten mussten schnell geändert werden - Tschagajew verstiess gegen sein Clubreglement.
 Die Zeit ist für Bulat Tschagajews russischen Übersetzer sowie Ex-Xamax-Präsidenten Andrei Rudakow im Club längst abgelaufen.
 Betreibungsauszug von Xamax, Stand Ende Juni 2011.
 Ramsan Kadyrow trägt die Fellmütze wie sein Vater.
 Was sie vom Fussballgeschäft verstehe, wollten die Journalisten von Olga Danese wissen. Darauf meinte sie, ihr Sohn gehe auch in einen Club.
 Ramsan Kadyrow, wie er sich am liebsten sieht: als «Krieger».
 Doku Sawgajew: Bulat Tschagajews Schwiegervater ist für Russland in Slowenien diplomatisch tätig.
 Einige Fans protestierten gegen die tschetschenische Übernahme kurz nachdem bekannt wurde, dass Bulat Tschagajew der neue starke Mann von Xamax wird.

Bulat Tschagajew: Mit Xamax Betreibungen für 1,5 Millionen Franken angehäuft

Keystone

Die Swiss Football League (SFL) verliert mit Neuenburg-Xamax die Geduld. Recherchen zeigen, dass die Liga am Mittwoch neben den zwei bestehenden ein weiteres Disziplinarverfahren gegen den Westschweizer Fussballklub eröffnen wird. SFL-Chefjurist Claudius Schäfer gegenüber az: «Es ist davon auszugehen, dass die Swiss Football League ein Diziplinarverfahren gegen den Klub einleitet.»

SFL: September-Löhne noch immer nicht bezahlt

Für Claudius Schäfer erhärtet sich der Verdacht, dass die September-Gehälter immer noch ausstehend sind. «Bis gestern hätten die Bestätigungen über die Bezahlung der September-Löhne mitsamt den Sozialversicherungsbeiträgen eingereicht werden sollen. Sie sind nicht eingetroffen», sagt Chefjurist Schäfer. Dies sei der Grund für das neue - dritte - Disziplinarverfahren gegen den Klub.

Zur Erinnerung: Nachdem der tschetschenische Multimillionär den krisengeschüttelten Verein im Sommer übernahm, verlangte die SFL Einsicht in die Xamax-Finanzen. Weil diese Dokumente bei der Liga nicht eintrafen, wurde ein erstes Disziplinarverfahren gegen den Super League-Klub eingeleitet. Daraufhin wurde gegen Xamax eine Busse in Höhe von 20000 Franken verhängt.

SFL: Auch Sozialleistungen sind ausstehend

Ausserdem ist ein zweites Verfahren gegen den Klub hängig. Dabei geht es laut SFL um nicht bezahlte Löhne und Sozialleistungen an Spieler und Mitarbeitende im August. «Wir haben die Bestätigungen der betroffenen Institutionen, wonach die Sozialversicherungsbeiträge für den Monat August bezahlt wurden, von Xamax nicht erhalten, weshalb bei der Disziplinarkommission Anzeige erstattet wurde», so Schäfer.

Anwalt zerrt Tschagajew vor den Richter

Xamax muss sich neben dem drohenden Disziplinarverfahren auch mit der Schweizer Justiz befassen. So hat der Genfer Anwalt Vincent Solari gegen den Xamax-Präsidenten Bulat Tschagajew eine Strafanzeige eingereicht. Dieses Dokument liegt az vor (siehe Bild).

Ein Genfer Anwalt geht gegen Bulat Tschagajew rechtlich vor

Ein Genfer Anwalt geht gegen Bulat Tschagajew rechtlich vor

Vasilije Mustur

Der Vorwurf lautet auf versuchten Betrug und gefälschte Beweismittel. Laut der Westschweizer Zeitung «Le Temps» ordnete die Genfer Staatsanwaltschaft zudem Hausdurchsuchungen in den Räumlichkeiten der Firmen von Xamax-Chef Tschagajew an.

Zweifel an Bankgarantie

Grund für Anzeige und Hausdurchsuchung ist die vorgelegte Bankgarantie von Bulat Tschagajew. In einem Zivilverfahren beantragte Solari den Konkurs gegen Xamax. Der Antrag wurde vom zuständigen Richter unter der Auflage abgelehnt, dass der Verein schriftlich seine Zahlungsfähigkeit belegen und die September-Löhne an seinen Staff überweisen muss. Daraufhin wies Bulat Tschagajew eine Bankgarantie der «Bank of America» in Höhe von 35 Millionen US-Dollar vor (siehe Dokument).

Zur Verfügung gestellt

Doch Anwalt Vincent Solari zweifelt im Gespräch mit der az an der Echtheit des Dokuments: «Unsere Untersuchungen in New York haben gezeigt, dass die Bankgarantie eine Fälschung ist. Den Bankbeamten gibt es nicht. Der Inhalt dieses Schreibens ist zudem seltsam und auch sprachlich zeigt der Brief Mängel auf.»

Sollte die Liga im «Fall Xamax» tatsächlich Ernst machen, kämen auf den Fussballverein härtere Strafen als Bussen zu. «Weil es im gleichen Bereich bereits zwei Disziplinarverfahren gegen Xamax gibt, kann sich dies durchaus strafverschärfend auswirken», sagt Schäfer. Will heissen: Die Liga schliesst Punktabzüge oder Lizenzentzug nicht mehr aus.

Xamax droht Lizenzentzug

Würde Xamax die Lizenz verlieren, hätte dies Folgen für den Spielbetrieb der Super League. Denn müsste Xamax seine Mannschaft vor Ablauf der Saison zurückziehen, fallen sämtliche Partien mit Beteiligung der Westschweizer aus der Wertung. Damit würde im nächsten Frühling kein Team aus der Super League absteigen. Lediglich der Neuntplatzierte der Super League würde dann gegen den Zweitplatzierten der Challange League um den Ligaerhalt spielen.

Bulat Tschagajews einflussreicher Schwiegervater Doku Sawgajew
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 Doku Sawgajew: Früher war er tschetschenisches Staatsoberhaupt, heute ist er Diplomat im Dienste Russlands.
 Boris Nikolajewitsch Jelzin: Der erste demokratisch gewählte Präsident Russlands begann den ersten Tschetschenien-Krieg 1994-1996.
 «The Gorb» Michail Sergejewitsch Gorbatschow begann die Öffnung der Sowjetunion und wurde später durch Boris Jelzin entmachtet.
 Während den zwei Tschetschenien-Kriegen 1994-1996 und 1999-2009 wurden zehntausende Leute ermordet.
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 Dschochar Dudajew: Der erste gewählte Präsident Tschetscheniens, wurde 1996 durch eine russische Rakete getötet.
 Ein Tschetschene schwenkt die Fahne der abtrünnigen Republik über den Trümmern der Hauptstadt Grosny.
 General Alexander Lebed bei der Unterzeichnung des ersten Waffenstillstandes 1996 mit dem militärischen Führer Tschetscheniens Aslan Alijewitsch Maschadow.

Bulat Tschagajews einflussreicher Schwiegervater Doku Sawgajew

Die Ligaverantwortlichen betonen jedoch, dass der Schweizer Fussball von diesem Szenario weit entfernt sei. Dennoch macht Claudius Schäfer aus seinem Ärger gegen Xamax kein Geheimnis: «Es ist sehr bemühend, wenn Klubverantwortliche ihren finanziellen und administrativen Verpflichtungen nicht nachkommen.»

Xamax selbst nahm trotz mehrfacher telefonischer und schriftlicher Anfrage bis zum Redaktionsschluss zum drohenden Disziplinarverfahren und zur finanziellen Lage des Vereins keine Stellung.