Fussball
Fifa-Korruptionsjäger: «Es ist so, als müsste man den Vatikan reorganisieren»

Mark Pieth hat versucht, dem Weltfussballverband Fifa neue Strukturen zu verpassen. Ende Jahr beendet er sein Mandat. Er kritisiert die Selbstregulierung des Verbandes und wünscht sich von der Schweiz eine aktivere Rolle.

René Weber
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Mark Pieth

Mark Pieth

Haben Sie Ihre Ziele erreicht?

Mark Pieth: Natürlich stellt man sich vor, wenn man eine solche Aufgabe antritt, dass alle Leute begeistert sind. Das wäre logisch. Die Fifa funktioniert aber nicht nach dieser Logik. Der politische Widerstand war gross. Es wäre naiv, zu denken, man könne alles durchsetzen. Doch ich denke, wir haben, was die Strukturen betrifft, viel erreicht. Es war möglich, eine externe Ethikkommission einzuführen und eine Finanzaufsicht zu installieren. Aber Papier ist geduldig. Das Entscheidende ist die Umsetzung unserer Vorschläge. Dazu muss sich die Kultur innerhalb der Fifa ändern. Es ist fast so, als müsste man den Vatikan reorganisieren. Die Fifa ist ungemein schwerfällig. Sie ist nur für sich verantwortlich. Das ist Selbstregulierung in reinster Form.

Die Fifa ist eine Art Vatikan mit Papst Joseph Blatter an der Spitze.

Vielleicht kann man das tatsächlich vergleichen. Das Problem ist, dass die Situation anders sein müsste.

Wie denn?

Die Schweiz müsste regulierend eingreifen. Sie könnte die Steuerbegünstigungen für internationale Sportverbände an Bedingungen wie Transparenz knüpfen, damit sie den Non-Profit-Status behalten können. Die Regierung macht das nicht. Das ist enttäuschend. Würde sie Druck aufsetzen, wäre vieles einfacher.

Haben Sie beim Bund entsprechend Vorstösse unternommen?

Ich habe mit dem Bundesamt für Sport gesprochen. Die haben im Moment aber ganze andere Probleme. Wir arbeiten betreffend Korruption sehr gut und eng zusammen. Daran ist dieses Bundesamt sehr interessiert. Was es nicht hören will, ist aber, dass es bei der Governance des Weltfussballverbandes Mindestanforderungen stellen müsste. Damit habe ich Schwierigkeiten. Die Schweiz müsste mehr Mut haben.

Was konkret fordern Sie?

Mich ärgert es als Schweizer, dass wir immer zuerst auf die Nase fallen müssen. Wir schauen zu, bis Amerika uns zwingt, ein Bankengesetz zu ändern. Müssen wir die «Sunday Times» haben, um uns darauf aufmerksam zu machen, dass es Korruption gibt? Nein, das können wir selber merken. Unser Land muss nicht alle Details der Fifa regeln. Es müsste aber die Aufsichtsfunktion über die 60 Sportdachverbände stärker wahrnehmen und ein gewisses ethisches Minimum verlangen.

Man verzichtet möglicherweise darauf, um die Fifa nicht zu verärgern. Aus Angst, sie könnte ihren Hauptsitz ins Ausland verschieben.

Die Fifa ist eine reine Prestigeangelegenheit. Geld bringt sie keines. Sie zahlt wenig Steuern. Fünf, sechs Millionen – mehr nicht.

Würde die Fifa zur Ruhe kommen, würde Präsident Blatter abtreten?

Es würde eine Weile Ruhe einkehren. Ist das aber gut? Hilft das?