Super League

Gefährlicher Optimismus: GC ignoriert vor dem Kellerduell gegen Xamax jegliche Warnzeichen

Nach 13 Spielen haben die Grasshoppers nur schlappe elf Punkte auf dem Konto. Trotzdem herrscht beim Tabellenletzten vor dem Kellerduell gegen Neuchâtel Xamax grosser Optimismus. Das ist gefährlich.

Jakob Weber
Drucken
Teilen
Ein Bild mit Seltenheitswert: GC-Trainer Thorsten Fink hebt mahnend den Finger.

Ein Bild mit Seltenheitswert: GC-Trainer Thorsten Fink hebt mahnend den Finger.

Keystone

Die Sonne scheint auf den GC-Campus. Mittelfeldspieler Raphael Holzhauser winkt lächelnd aus seinem Auto, als er nach dem Morgentraining das Gelände verlässt. Trainer Thorsten Fink kommt ebenfalls gut gelaunt zum Gespräch. «Was soll ich sagen. Wir sind Tabellenletzter. Aber wir sind besser als der eine oder andere in der Liga.»

Von Abstiegskampf will Fink erst sprechen, wenn GC am Sonntag auch beim punktgleichen Aufsteiger Xamax verlieren sollte. «Dann wären wir richtig drin. Aber jetzt kommen die Teams, die wir schlagen sollten. Mit einem Lauf sind wir schnell wieder oben. Auch der FCZ ist für uns nicht unerreichbar», sagt Fink. Momentan trennen die Zürcher Rivalen neun Punkte.

0.9 Punkte pro Spiel

Thorsten Fink ist einfach unerschütterlich. GC erspielt sich ligaweit am wenigsten Chancen (41) und schiesst auch am wenigsten Tore (14). Seit Fink im April Hoppers-Trainer wurde, hat er von zwanzig Spielen nur fünf gewonnen und pro Spiel durchschnittlich mickrige 0,9 Punkte geholt. Ein paar Niederlagen bringen den Champions-League-Sieger von 2001 nicht aus dem Konzept. Doch Fink vergisst, dass es mit Rekordmeister GC seit 2016 stetig bergabgeht. Er schielt stattdessen weiterhin auf den europäischen Wettbewerb.

Der 51-jährige Deutsche ist sicher, die Ursachen für den fehlenden Erfolg seiner Hoppers zu kennen. Erstens: fehlende Automatismen aufgrund der vielen Verletzten (unter anderem Nathan, Djuricin, Basic und Tarashaj) und der 15 Neuzuzüge. Zweitens: der ungünstige Spielplan mit den frühen Partien gegen die «momentan unerreichbaren» YB und Basel. Drittens: die fehlende Aggressivität in der Verteidigung und die letzte Entschlossenheit vor dem gegnerischen Tor. Problem 1 soll sich in der Winterpause lösen, wenn sich das komplette Kader gemeinsam auf die Rückrunde vorbereitet. Problem 2 hat sich bereits erübrigt, da jetzt nur noch «Gegner auf Augenhöhe» warten, und an Problem 3 arbeitet Fink. Im Training wird Wert auf Aggressivität gelegt. «Wir müssen dem Gegner wehtun, ohne unfair zu spielen. Es muss so sein, dass niemand gerne gegen uns spielt.»

«Man muss sie nur noch formen»

Aber erreicht der Trainer seine junge Mannschaft – gegen YB betrug der Altersschnitt 23 Jahre – überhaupt? Seit Monaten die gleiche Leier. GC spielt phasenweise ganz o. k., leistet sich aber immer wieder Aussetzer, die zu Niederlagen führen. «Als Trainer ist es meine Aufgabe, die Spieler auf gewisse Dinge aufmerksam zu machen. Das mache ich, und darum wissen sie, um was es für GC geht», sagt Fink.

Der Coach ist sich sicher, dass er den Karren aus dem Dreck zieht. In höchsten Tönen lobt er seine Scouting-Abteilung. «Was die für Talente ausgraben, ist unglaublich. Meine jungen Spieler sind technisch und taktisch gut und dazu schnell. Sie muss man nur noch formen.» Doch jung heisst auch unerfahren und fehleranfällig. «Wir müssen daraus lernen und diese Fehler schnell abstellen», sagt GC-Goalie Heinz Lindner.

In der eigenen Welt

Von schlechtem Training, schlechten Transfers und schlechter Kaderplanung bei den Hoppers will Thorsten Fink nichts wissen: «Wir sind total motiviert, wir arbeiten gut und die Einkäufe sind auch alle gut. GC macht vieles richtig, um in Zukunft Erfolg zu haben.»

Dieser Optimismus ist durchaus gefährlich. Auf der einen Seite ist es zwar lobenswert, dass GC jetzt auf Kontinuität setzt. Nachdem in der vergangenen Spielzeit gleich fünf unterschiedliche Trainer das Sagen hatten, sitzt Thorsten Fink auch als Tabellenletzter fest im Sattel. «Der Verein steht hinter mir und das überträgt sich auf die Mannschaft», sagt Fink. «Sportchef Mathias Walther schaut fast jedes Training. Wenn meine Arbeit nicht gut wäre, würde ich nicht hier sitzen.» Aber ist es wirklich gut für einen Verein, wenn sich der Trainer eine eigene, rosa Welt bastelt?

Goalie Lindner sagt: «Im Vergleich zu dem, was im vergangenen Jahr hier abgegangen ist, hat sich der Verein stabilisiert. Was Fink macht, hat Hand und Fuss. Jetzt sind wir Spieler gefordert, zu 100 Prozent umzusetzen, was der Trainer fordert.»

Bleibt aus GC-Sicht zu hoffen, dass die Spieler mit der Umsetzung möglichst zeitnah beginnen. Denn irgendwann muss GC auch ergebnistechnisch liefern, damit der gefährliche Optimismus den Rekordmeister nicht plötzlich direkt in die Challenge League führt.